Aareal Bank leitet Verkaufsprozess für Aareon-Minderheitsanteil ein - Aktie hebt zweistellig ab

Der Immobilienfinanzierer Aareal Bank macht sich in der Corona-Krise auf die Suche nach einem Partner für seine IT-Tochter Aareon. Der Vorstand habe beschlossen, mit ausgewählten, langfristig orientierten Finanzinvestoren in Gespräche über eine signifikante Minderheitsbeteiligung an der Tochtergesellschaft einzutreten, teilte das Unternehmen am Dienstagabend in Wiesbaden mit. Die Bank will aber Mehrheitseignerin von Aareon bleiben.

Aareon bietet Services für Firmen aus der Immobilienbranche an, die durch die Unterstützung des Datendienstleisters Gebäude und technische Anlagen einfacher verwalten können. Die IT-Tochter trug zwar im vergangenen Jahr nur einen Bruchteil zum Vorsteuergewinn der Aareal bei, wächst aber im Gegensatz zum Kerngeschäft der Bank kräftig.

Der Aareal-Vorstand war in der Vergangenheit mehrfach Forderungen von Aktionären entgegengetreten, die Bank solle sich von ihrem IT-Dienstleister Aareon trennen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg vom September hatte der Hedgefonds Teleios Capital Partners das Aareal-Management zu diesem Schritt aufgefordert. Dem Bericht zufolge sollen unter anderem Finanzinvestoren wie CVC und KKR Interesse an der IT-Sparte gezeigt haben.

Teleios war im Herbst mit mehr als fünf Prozent an der Aareal Bank beteiligt, hatte seine Beteiligung zwischenzeitlich zurückgefahren und im April wieder über die Schwelle von fünf Prozent aufgestockt. Vorstandschef Hermann Merkens hatte es zwischenzeitlich bereits als denkbar bezeichnet, einen Minderheitsaktionär an der Tochter zu beteiligen, sofern dieser dem Unternehmen strategische Vorteile bringe.

Im Februar kündigte Merkens an, Aareon mit einer Reihe von Übernahmen zu stärken. Er gehe von fünf oder mehr Zukäufen pro Jahr aus, und das Unternehmen habe dafür einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag zur Verfügung. In der Vergangenheit habe Aareon pro Übernahmeziel etwa 15 bis 20 Millionen Euro bezahlt. Dieses Volumen dürfte eher steigen, sagte Merkens. Interessant seien generell Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette der Wohnungswirtschaft.

Zudem kündigte er im Februar an, dass die Sparte ihr Wachstumstempo deutlich erhöhen und "als eigenständig am Markt positioniertes Software-Unternehmen eine starke, von der Mutter unabhängige Wert-Perspektive entwickeln" soll. So soll sich der Betriebsgewinn nach Angaben vom Februar mittelfristig auf rund 70 Millionen Euro verdoppeln. 2019 stieg er leicht auf 37 Millionen Euro.

Die Aareal Bank als Immobilienfinanzierer treibt in der Corona-Krise unterdessen die Sorge um mögliche Kreditausfälle um. Im ersten Quartal brach der Überschuss der Bank wegen einer hohen Risikovorsorge für faule Darlehen auf nur noch zwei Millionen Euro ein. Ein Jahr zuvor hatte hier noch ein Gewinn von 35 Millionen Euro gestanden.

Merkens sprach vergangene Woche allerdings davon, dass er angesichts der Lage der Bank gut schlafen könne. So sei das Risikoprofil der vergebenen Kredite sehr konservativ. Zudem habe sich das Institut frühzeitig und günstig refinanziert und eine "sehr starke Kapitalbasis", um auch in den kommenden Quartalen mögliche negative Entwicklungen abzufedern. Das Management hatte auf Druck der Aufsichtsbehörden entschieden, wegen der Krise für 2019 zunächst keine Dividende auszuschütten und das Geld in der Bank zu belassen.

Investoren honorieren Aareal-Bank-Pläne für IT-Tochter

Für die schwer von der Corona-Pandemie gebeutelten Aktionäre der Aareal Bank hat es am Mittwoch einen kleinen Hoffnungsschimmer gegeben: Weil sich der Immobilienfinanzierer nun auf die Suche nach einem Partner für seine IT-Tochter Aareon macht, schnellte der Kurs in die Höhe. Einflussreiche Anteilseigner hatten sogar den Verkauf gefordert.

Die Aareal Bank-Aktie schloss den XETRA-Handel 11,94 Prozent höher bei 16,97 Euro. Zwischenzeitlich war der Kurs sogar um fast 14 Prozent in die Höhe geschnellt und hatte den höchsten Stand seit Mitte April erreicht.

Analysten bewerteten die Ankündigung des Aareal-Bank-Vorstandes überwiegend positiv. Ein Partner dürfte der Aareal Bank einen signifikanten Buchgewinn bescheren, schrieb etwa der Experte Benjamin Goy von der Deutschen Bank. Händler verwiesen in dem Zusammenhang auf Berichte, wonach die Tochter um die 750 Millionen Euro wert sein dürfte.

Der Fachmann Philipp Häßler vom Analysehaus Pareto Securities sprach von einem strategisch sinnvollen Schritt. Im aktuellen Umfeld allerdings könnte die Suche nach einem strategischen Partner schwieriger werden.

Die Aareal Bank als Immobilienfinanzierer treibt in der Corona-Krise die Sorge um mögliche Kreditausfälle um. Im ersten Quartal brach der Überschuss der Bank wegen einer hohen Risikovorsorge für faule Darlehen ein. Die Dividende wurde gestrichen.

Experte Andreas Pläsier vom Analysehaus Warburg Research hielt derweil an seiner Kaufempfehlung für die Aktien der Aareal Bank fest. Die Nachricht habe ihn zwar angesichts entsprechender Gerüchte zur Jahresmitte 2019 nicht überrascht, zeige aber gleichwohl, dass der Vorstand darauf fokussiert sei, das Wachstum von Aareon zu beschleunigen.

Ein möglicher Minderheitsaktionär von Aareon könnte vor allem zusätzliches Know-how in Bezug auf Transaktionen oder Branchenkenntnisse liefern, das für eine mögliche Beschleunigung von Übernahmeaktivitäten nötig sein dürfte, fuhr Pläsier fort. Die aktuelle Pandemie könnte derartige Möglichkeiten bieten, bei denen ein solches Fachwissen hilfreich sein würde.

Bereits im Februar hatte der Vorstandschef der Aareal Bank, Hermann Merkens, angekündigt, Aareon mit einer Reihe von Übernahmen zu stärken. Interessant seien generell Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette der Wohnungswirtschaft.

Der Kurssprung an diesem Mittwoch ist für die Aareal Bank-Anleger derweil nur ein kleines Trostpflaster. Vor der Corona-Krise haben die Aktien noch teils mehr als 30 Euro gekostet, der Kurs hatte sich inzwischen fast halbiert. Der MDAX hingegen hat seit der Eskalation der Krise am Rosenmontag (24. Februar) nur um rund 17 Prozent nachgegeben.

Aus charttechnischer Sicht indes stimmt zuversichtlich, dass der Aktienkurs inzwischen die 21- und auch die 50-Tage-Durchschnittslinien nach oben durchbrochen hat. Sie gelten als Indikator für den kurz- beziehungsweise mittelfristigen Trend.

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[finanzen.net] · 20.05.2020 · 17:55 Uhr
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