700-Milliarden-Dollar-Markt: Ist Milch aus dem Labor das nächste große Ding?

Als Stadtstaat verfügt Singapur naturgemäß nur über vergleichsweise wenig landwirtschaftliche Flächen. Ein Großteil der Nahrungsmittel muss daher importiert werden. Die Regierung hat es sich allerdings zum Ziel gesetzt, diese Abhängigkeit von anderen Staaten zu reduzieren. Helfen sollen dabei vor allem neue technologische Ansätze. So wird in Singapur beispielsweise besonders intensiv an vertikalen Farmen geforscht. Kürzlich wurde zudem Hähnchenfleisch aus dem Labor offiziell zugelassen – was eine Weltpremiere darstellte. Die 33-jährige Fengru Lin hätte daher vermutlich keinen besseren Standort für ihr Startup Turtletree Labs finden können. Ihre Vision: Sie will echte Vollmilch künstlich im Labor herstellen. Damit soll vor allem dem Tierschutz gedient werden. Denn die Unternehmerin hielt ursprünglich Ausschau nach besonders guter Milch, um damit selbst Mozzarella herzustellen. Die Bedingungen in den besuchten Betrieben gefielen ihr allerdings überhaupt nicht.

Bild: TurtleTree

Stammzellen aus frischer Milch bilden die Basis

Nachdem sie einen Vortrag über die Fleischproduktion aus Stammzellen hörte, sprach sie daher den Redner direkt an. Ihre Frage: Lässt sich das Konzept auch auf die Herstellung von Milch übertragen. Offensichtlich eine gute Frage. Denn der Vortragende Max Rye machte sich zunächst gemeinsam mit Lin an die Forschungsarbeit und ist heute ihr Geschäftspartner bei Turtletree. Zusammen entwickelten sie ein Verfahren, bei dem Stammzellen aus frischer Milch gewonnen werden. Diese wachsen dann zunächst zu sogenannten Milchdrüsenzellen heran. Leitet man diese dann in ein Laktationsmedium weiter, verwandelt sich die Nährflüssigkeit in Milch. Ein großer Vorteil: Die Milchdrüsenzellen können mehrmals verwendet werden. Es entsteht am Ende also deutlich mehr Milch als zu Beginn für die Gewinnung der Stammzellen benötigt wird. Konkret reduziert sich beispielsweise der CO2-Ausstoß im Vergleich mit der Produktion im Stall um rund 98 Prozent. Eine Einschränkung gibt es bei dieser Art der Herstellung aber: Die so produzierte Milch ist nicht vollkommen vegan.

Zwei große Herausforderungen müssen noch gemeistert werden

Mit ihrer Technologie konnten die beiden Gründer schon einige teilweise hochdotierte Preise gewinnen. Um aber tatsächlich den Massenmarkt erobern zu können, müssen noch zwei Herausforderungen gemeistert werden. Zum einen ist die Milch aus dem Labor schlicht noch zu teuer. Hier hat das Unternehmen aber bereits an einigen Stellschrauben gedreht. So werden viele der benötigten Grundstoffe und Materialien jetzt selbst produziert. Dies senkt die Einkaufskosten. Grundsätzlich gilt zudem: Je größer die Produktionszahlen sind, desto preiswerter kann das einzelne Produkt hergestellt werden. Die anstehende Skalierung dürfte also weiter sinkende Kosten mit sich bringen. Diese wiederum wird nur möglich sein, wenn die Milch auch offiziell als Nahrungsmittel zugelassen wird. Dies klingt einfacher als es tatsächlich ist. Denn es handelt sich um ein vollkommen neues Produkt, bei dem die Zulassungsbehörden nur bedingt auf Erfahrungswerte zurückgreifen können. In Singapur steht man dem Thema aber zumindest nicht vollkommen ablehnend gegenüber.

Via: Handelsblatt

Wissenschaft / Milch
27.07.2021 · 14:12 Uhr
[2 Kommentare]
 

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