+45%: ISRA VISION-Aktien schießen nach Übernahmeofferte von Atlas Copco hoch

Die Schweden wollen im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Angebots den ISRA-Anteilseignern 50,00 Euro je Aktie in bar bieten, wie das im SDAX notierte Unternehmen am Montag mitteilte. Mit dem Angebot bewertet Atlas Copco das Darmstädter Unternehmen mit knapp 1,1 Milliarden Euro.

ISRA VISION stellt unter anderem Geräte zur Oberflächenprüfung und Präzisionsmesstechnik für die Industrie her. Die Offerte sehe attraktiv aus, schrieb Analyst Henning Breiter von der Investmentbank Hauck & Aufhäuser in einer ersten Reaktion.

Der Schlusskurs des Papiers am Freitagabend lag bei 34,92 Euro. Im September 2018 war die Aktie noch mehr als 61 Euro wert gewesen, hatte danach aber mit dem Abschwung in der Autoindustrie, einer wichtigen Kundengruppe, deutlich Federn lassen müssen.

Durch die Übernahme könne ISRA sein Wachstum weiter beschleunigen, teilte das Unternehmen weiter mit. ISRA-Gründer und -Chef Enis Ersü sowie weitere Mitglieder von Management und Aufsichtsrat hätten ihre Papiere angedient. ISRA würde nach der Fusion eine neue Division im Konzernbereich Industrial Technique von Atlas Copco, aber den Angaben zufolge weiter eigenständig agieren. Das Übernahmeangebot enthält keine Mindestannahmeschwelle, ein Beherrschungsvertrag soll nicht angestrebt werden. Kosteneinschnitte seien bei ISRA VISION nicht geplant, hieß es von schwedischer Seite.

Für Ersü sei der Verkauf an Atlas Copco die favorisierte Nachfolgeregelung, hieß es weiter. Ersü besitzt bisher gut 24 Prozent an ISRA VISION. Atlas Copco hat sich den Angaben zufolge durch unwiderrufliche Andienungsvereinbarungen und einen Aktienkaufvertrag rund 35 Prozent aller ausstehenden ISRA-Aktien gesichert. Im Anschluss an den Vollzug des öffentlichen Angebots soll ein Delisting-Angebot erfolgen.

Atlas Copco ist ein schwedischer Industriekonzern mit weltweit etwa 39 000 Mitarbeitern. Im Jahr 2019 erzielte das Unternehmen umgerechnet rund 10 Milliarden Euro Umsatz. ISRA beschäftigte Ende September 861 Mitarbeiter und kam im Geschäftsjahr 2018/19 auf einen Umsatz von rund 154 Millionen Euro.

So reagierte die ISRA VISION-Aktie

Das Übernahmeangebot hat am Montag die Aktien von ISRA VISION mächtig nach oben katapultiert. Die Papiere des im SDAX notierten Spezialmaschinenbauers schossen im Xetra-Handel um 45,33 Prozent auf 50,75 Euro hoch, nachdem bekannt wurde, dass der schwedische Industriekonzern Atlas Copco 50 Euro je Aktie bietet. Damit notierten sie zuletzt sogar ein wenig über dem Angebotspreis. Auch die Aktien des Bieters notierten in Stockholm 0,94 Prozent im Plus bei 363,90 SEK.

Am Freitag hatte ISRA bei 34,92 Euro geschlossen, woraus sich eine Prämie von 43 Prozent errechnet. Durch die Übernahme könne das Wachstum weiter beschleunigt werden, teilte ISRA VISION weiter mit.

Analysten sind sich einig, dass Anleger die Offerte annehmen sollten. Sie sei attraktiv, hieß es unisono aus den Häusern Pareto und Hauck & Aufhäuser. Beide sehen keine großen Hürden für die Transaktion. In den Bedingungen sei weder eine Mindestannahmequote genannt worden, die zu einem längeren Übernahmeprozess hätte führen können, noch seien Hürden durch Wettbewerbsbehörden zu erwarten, waren sich die beiden Experten Zafer Rüzgar und Henning Breiter einig.

Beide Experten verwiesen auch darauf, dass sich Atlas Copco den Angaben zufolge auch durch unwiderrufliche Andienungsvereinbarungen und einen Aktienkaufvertrag mit einem institutionellen Investor bereits rund 35 Prozent aller ausstehenden ISRA-Aktien gesichert hat. ISRA-Chef Enis Ersü und weitere Mitglieder von Management und Aufsichtsrat haben ihre Papiere angedient.

Im Anschluss an den Vollzug des öffentlichen Angebots soll ein Delisting-Angebot erfolgen, wonach die Aktie im Kleinwerte-Index SDAX einen Platz frei machen würde. Bis Freitag hatten die ISRA-Papiere dort in diesem Jahr noch zu den größeren Verlierern gezählt, durch den Kurssprung wurden sie nun aber mit einem Schlag zum besten Indexwert seit dem Jahreswechsel.

50 Euro bedeuten nun aber beileibe noch keine Bestmarke. 2018 war die Aktie im Rahmen einer Sommerrally einige Monate lang mehr wert. In der Spitze wurden da im September sogar 61,30 Euro für die Aktien gezahlt. Der Markt war dabei voll des Lobes für elektronische Roboteraugen und sogenannte "sehende Systeme" des Unternehmens, mit denen es von den Automatisierungsbewegungen bei seinen Kunden punktete.

Dann aber setzte eine Welle von Gewinnmitnahmen ein, gefolgt von Wachstumssorgen, die den Papieren Ende 2018 bei gut 22 Euro ein Zwischentief bescherten. Eine wichtige Kundengruppe sind die Automobilbauer, an die ISRA VISION Geräte für Oberflächenmessungen bei Karosserie und Lack liefert. Mit dem Abschwung in der Autoindustrie flaute auch die Begeisterung rund um die ISRA-Aktie ab. Von dem Rücksetzer haben sie sich schrittweise wieder erholt. Sie bewegten sich zuletzt aber nahe 35 Euro im Niemandsland der Spanne aus den vergangenen beiden Jahren.

DARMSTADT (dpa-AFX)

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[finanzen.net] · 10.02.2020 · 20:03 Uhr
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