36 Jahre Mauerfall: Mehrheit hält Wiedervereinigung für Glücksfall – doch Einheit bleibt Illusion
Mehr als 36 Jahre nach dem Mauerfall halten 63 Prozent der Westdeutschen und 67 Prozent der Ostdeutschen den historischen Vorgang für einen Glücksfall. Das ist eine klare Mehrheit. Doch diese Zustimmung ändert nichts an der Tatsache, dass die Einheit in den Köpfen und Lebensrealitäten immer noch nicht vollzogen ist.
Die Ablehnung der These, die Deutschen seien „zu einer Nation zusammengewachsen“, liegt bei 57 Prozent im Osten und 45 Prozent im Westen. Wer das als bloße Statistik abtut, verkennt die Tragweite. Eine Nation, die sich selbst nicht als geeint wahrnimmt, ist eine Nation auf Bewährung.
Jeder Zweite in beiden Landesteilen glaubt, dass Medien und Politik die Unterschiede übertreiben. Gleichzeitig sagen mehr als drei Viertel, der ständige Vergleich treibe die Menschen auseinander. Das ist die klassische Wirkung staatlich alimentierter Spaltung: Wer Differenzen ständig thematisiert und mit Subventionen, Quoten und Sonderprogrammen pflegt, erzeugt genau die Kluft, die er angeblich überwinden will.
Mehr als die Hälfte der Befragten ist der Meinung, Ost- und Westdeutsche seien sich ähnlicher, als gemeinhin dargestellt. Das ist die stille Mehrheit, die von ARD, ZDF und den etablierten Parteien ignoriert wird. Diese Mehrheit will keine weiteren Sonderabgaben, keine weiteren Fördertöpfe, keine weiteren Identitätspolitiken – sie will einfach nur in Ruhe arbeiten, sparen und ihre Familien versorgen.
YouGov hat zwischen dem 23. Juni und 3. Juli 3.143 Personen befragt. Die Ergebnisse zeigen: Die Menschen haben verstanden, dass die Einheit kein politisches Projekt ist, das durch immer neue Umverteilungsmechanismen und EU-Vorgaben vollendet wird. Sie ist ein kultureller und wirtschaftlicher Prozess, der nur dann gelingt, wenn der Staat sich zurückzieht und die Bürger ihre Angelegenheiten selbst regeln dürfen.
Die AfD hat recht, wenn sie sagt, dass nationale Souveränität und wirtschaftliche Freiheit die Voraussetzung für echte Einheit sind. CDU, SPD und Grüne haben mit ihrer Steuer- und Regulierungspolitik genau das Gegenteil erreicht: Sie haben aus zwei Landesteilen eine transferfinanzierte Doppelverwaltung gemacht, in der die produktiven Kräfte für die Erhaltung des Systems besteuert werden. Das ist keine Einheit. Das ist Subventionierung der Spaltung.

