16.017 Corona-Neuinfektionen in Deutschland

Hinweisschild
Foto: Marcel Kusch/dpa
Ein Schild mit dem Symbol für Maskenpflicht an einem Straßenschild in der Innenstadt von Düsseldorf.

Berlin (dpa) - Deutschland bereitet sich in der Corona-Pandemie auf die Verteilung und Lagerung von dringend erwarteten Impfstoffen und ihren flächendeckenden Einsatz im Land vor.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) machte deutlich, einen möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus zuerst für den Schutz des Gesundheitssystems selbst einsetzen zu wollen. Die Bundeswehr will einem Medienbericht zufolge bei der Lagerung der Stoffe helfen. Auf ein einheitliches und abgestimmtes Vorgehen zur Versorgung mit Impfstoffen hatten sich die Gesundheitsminister der Länder und Bundesressortchef Jens Spahn (CDU) am Freitag geeinigt.

Der Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz sieht etwa vor, dass der Bund die Impfstoffe beschafft und finanziert und die Länder Impfzentren einrichten. Die Impfstoffe sollen den Angaben zufolge durch die Bundeswehr oder durch die Hersteller angeliefert werden. Die Impfdosen sollen dem Bevölkerungsanteil entsprechend an die Länder verteilt werden.

«Neben der bisherigen Amtshilfe durch unsere Soldatinnen und Soldaten mit ihren helfenden Händen können wir uns auch gut vorstellen, logistisch zu unterstützen, indem wir beispielsweise Impfstoff an dafür geeigneten Orten lagern», sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der «Bild am Sonntag». «Die Lagerung der zu kühlenden Impfstoffe erfordert besondere Sorgfalt, das muss sauber geplant werden.» Nach Informationen der Zeitung soll der Impfstoff gegen das Coronavirus in mehreren Kasernen zwischengelagert und von dort an bundesweit 60 Impfzentren geliefert werden.

In der Debatte um die ersten Impfungen sagte Kanzlerin Merkel, die Frage werde mit der Ständigen Impfkommission, mit der Wissenschaftsakademie Leopoldina und mit der Ethikkommission diskutiert. «Aber ich glaube, ich kann schon so viel verraten, dass ich sage, ganz vorn dran sind natürlich Pflegekräfte, Ärzte und auch Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören. Das sind dann allerdings schon recht viele in unserem Land«, sagte sie am Sonntag zum Tag der offenen Tür der Bundesregierung in einem Video, in dem sie auf Bürgerfragen antwortete.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, mahnte in der Diskussion eine Parlamentsbeteiligung an. «Wer den Impfstoff zuerst erhalten soll, muss vor allem im Bundestag diskutiert und entschieden werden. Allein dessen demokratisch gewählte Mitglieder sind dafür vom Volk legitimiert», betonte Brysch am Sonntag. Bund und Länder hätten dann verbindlich festzulegen, wie das Serum auch die Menschen in den Pflegeheimen vor Ort erreiche. «Mit wenigen Zentren wird das nicht gelingen.» Auch FDP-Fraktionsvize Michael Theurer betonte: «Die Entscheidungen über die deutsche Gesundheitsvorsorge müssen endlich raus aus den Hinterzimmern und 'rein in die Parlamente!»

Merkel betonte: «Niemand wird gezwungen werden, sich impfen zu lassen, sondern es ist eine freiwillige Entscheidung.» Zentrale Aufgabe sei es, die Bevölkerung insgesamt immun gegen das Virus zu machen. Wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun seien - durch Impfung oder eine durchgestandene Krankheit - sei das Virus «mehr oder weniger besiegt», so Merkel. «Dann können wir auch alle Einschränkungen aufheben», sagte sie. Am Montag stellen der Ethikrat, die Impfkommission und die Leopoldina ein gemeinsames Positionspapier zur Regelung des Zugangs zu einem Impfstoff in Berlin vor.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Sonntag lag die Zahl der Neuinfektionen zuletzt bei 16.017 Fällen innerhalb eines Tages. Das waren rund 7000 Fälle weniger als noch am Tag zuvor, an dem mit 23.399 neu gemeldeten Fällen ein neuer Höchstwert erreicht worden war. An Sonntagen sind die erfassten Fallzahlen jedoch meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg um 63 auf insgesamt 11.289.

Deutschland befindet sich seit rund einer Woche im Teil-Lockdown. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder betonte, es brauche mindestens zwei Wochen, um den Erfolg der Maßnahmen bewerten zu können. «Der Lockdown light wird wirken. Die Medizin ist bitter, aber notwendig. Ich hoffe, die Dosis reicht», sagte der CSU-Chef der «Rheinischen Post».

Mediziner waren angesichts zuvor noch stark steigender Zahlen alarmiert. Wenn die Zahl der Patienten mit schweren Verläufen weiter steige wie bisher, «dann sind alle aktuell als frei gemeldeten Betten belegt, schon in drei Wochen», sagte etwa der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» (FAS). Der Teil-Lockdown sei aus medizinischer Sicht zu spät beschlossen worden.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann schließt in diesem Zusammenhang eine weitere Verschärfung der Corona-Auflagen nicht aus. Der Grünen-Politiker sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: «Wenn die Intensivstationen volllaufen, ist es schon zu spät.»

Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen hat in Deutschland fast wieder den Höchstwert vom Frühjahr erreicht. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) meldete am Sonntag, dass 2904 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden. Davon werden 1605 (55 Prozent) invasiv beatmet. Der bisherige Höchststand war laut DIVI am 18. April mit 2933 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen erreicht worden.

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Krankheiten / Corona / Impfung / Impfstoff / Deutschland
08.11.2020 · 19:55 Uhr
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