Filmkritik - Rize (2005)
 
 

Rize

DVD / Blu-ray :: IMDB (7,1)
Regie: David LaChapelle
Darsteller: ?????
Laufzeit: 86min
FSK: ab 6 Jahren
Genre: Musik, Dokumentation (USA)
Verleih: Rapid Eye Movies
Filmstart: 20. Oktober 2005
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
South Central Los Angeles ist so etwas wie die Bronx der Westküstenmetropole. Armut und Verbrechen bestimmen den Alltag, Gewalt regiert die Straßen. Regisseur David LaChapelle lässt daran keinen Zweifel, wenn er seinen Dokumentarfilm mit Archivmaterial aus der Vergangenheit South Centrals eröffnet: Ausschreitungen in schwarz-weiß, 1965, die Watts Riots – Ausschreitungen in Farbe, 1992, die Reaktion auf die Ermordung Rodney Kings, der von Polizisten erschlagen wurde. Doch „Rize“ handelt nicht von dieser Gewalt, die das Leben der Menschen in South Central prägt, nicht von Gangrivalitäten oder Drogenproblemen. „Rize“ ist ein Film über das Tanzen. LaChapelles Protagonist ist Thomas Johnson, das Thema seines Films ein Tanzstil, den Johnson 1992 als Antwort auf die Unruhen in L.A. nach dem Mord an Rodney King erfand. „Clowning“ heißt es, wenn Tommy mit geschminktem Gesicht, Harlekinskostüm, seiner regenbogenfarbenen Afro-Perücke und einem Ghetto-Blaster durch South Central tanzt. Was auf Kindergeburtstagen begann, entwickelte sich zu einer Subkultur auf den Straßen und in Parks, in Schul- und Hinterhöfen: Jugendliche bemalten sich ihre Gesichter und fingen an, zu tanzen. Sie kreierten einen expressiven Stil, geprägt von plötzlichen, schnellen Bewegungen, einen explosiven und intuitiven Tanzstil, ebenso aggressiv wie athletisch. Ein Stil, der sich von Tag zu Tag ändert, vielleicht in Nuancen, vielleicht grundlegend. Heute nennen die Jugendlichen das, wofür Tommy „The Clown“ als Vorbild diente, „Krumping“. LaChapelles Film porträtiert den Vater der Bewegung ebenso wie die jungen Leute, die Tommys Art zu tanzen weiterentwickelt haben. Für sie ist „Krumping“ ein Ventil, ein Weg, ihre traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten. Der 22jährige Lil „C“ etwa erzählt vom Selbstmord seines Vaters, ein anderer Junge, Ceasare „Tight Eyez“ Willis, berichtet darüber, wie er seine Mutter aus einem Crack-Haus abholen musste. Für sie bedeutet „Krumping“ nicht nur, frei zu tanzen, sondern auch, sich freizutanzen von dieser brutalen Wirklichkeit. Damit einher geht eine Rückbesinnung auf die Wurzeln der gewaltsam entwurzelten, schwarzen Bevölkerung Amerikas: LaChapelle unterschneidet seine Tanzsequenzen mit Aufnahmen afrikanischer Stämme, zeigt Krieger mit bemalten Gesichtern, die sich im Tanz miteinander messen, und parallelisiert sie mit seinen modernen, tanzenden Kriegern. „Rize“ endet dementsprechend im Kampf: im Wettkampf zweier Stilrichtungen. „Clowning“ vs. „Krumping“ heißt es bei der Battle Zone V, von Tommy Johnson organisiert und von LaChapelle mit seiner Kamera dokumentiert. Austragungsort der Auseinandersetzung ist das Great Western Forum in L.A., was eine große Bühne und tausende Zuschauer für die Tänzer bedeutet. Hier treten sie in Duellen gegeneinander an, liefern sich einen stilisierten, artifiziellen Schlagabtausch, aggressiv, aber völlig gewaltlos. Doch die Realität holt Tommy auch an diesem großen Abend ein: während er mit den Vorbereitungen für die Battle Zone beschäftigt war, wurde in sein Haus eingebrochen – South Central ist eben nicht der Broadway.

Kommentare

Dieser Film wurde leider noch nicht kommentiert.
Hier können Sie einen Kommentar abgeben.