Mein Glück

Original: Schastye moe | My Joy
Regie: Sergei Loznitsa
Darsteller: Viktor Nemets, Vladimir Golovin
Laufzeit: 127min
FSK: ab 16 Jahren
Genre: Drama (Deutschland, Niederlande, Ukraine)
Verleih: Farbfilm Verleih
Filmstart: 03. Februar 2011
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Mein Glück entwirft das verstörende Bild einer Gesellschaft, in der die Menschen Willkür, Korruption und Brutalität ausgeliefert sind und jeder moralische und ethische Kodex seine Bedeutung verloren hat. In einer parabelhaften Erzählung werden verschiedene Handlungsstränge und Zeitebenen montiert und zeigt, wie gesellschaftliche Missstände wie Armut, Krieg und Gewalt den Menschen seelisch deformieren. In dem Film streifen die Menschen durch eine Welt, in der Mitgefühl und Solidarität dem eigenen Überlebenswillen geopfert werden. Die Verzweiflung über die ausweglose Situation entlädt sich in einer ungezügelten Aggression, treibt die Menschen in die Isolation oder lässt sie verstummen. Sie sind Gefangene eines Systems, in dem Autoritäten ihre Macht missbrauchen und Menschen verlernt haben, menschlich zu sein. Auch Lastwagenfahrer Georgy gerät in eine Spirale von Brutalität und Korruption, der er sich nicht entziehen kann. Auf seinem Weg durch das postsowjetische Russland gerät er in eine Polizeikontrolle und sieht sich der Selbstherrlichkeit korrupter Polizisten ausgesetzt, die ihn ohne ersichtlichen Grund festhalten. Als die Beamten für einen Moment unachtsam sind, kann er entkommen und trifft wenig später auf eine junge Prostituierte. Georgy hat Mitleid mit dem Mädchen und will ihr Geld geben, damit sie für sich und ihre Mutter etwas zu essen kaufen kann. Doch sein gut gemeintes Angebot stößt bei der jungen Frau auf Misstrauen. Aufgewachsen in einer korrumpierten Gesellschaft ist ihr Georgys selbstloses Handeln fremd und sie weist ihn wütend zurück. Irritiert setzt Georgy seine Fahrt fort, um bald darauf die Orientierung zu verlieren. Alle Straßen scheinen im Nichts zu enden und führen ihn durch eine entvölkerte Landschaft, die zur Seelenlandschaft wird und zum Abbild der Vereinsamung der Menschen. Georgys Irrfahrt endet schließlich im Nichts, wo er drei herumstreichenden Bewohnern eines nahegelegenen Dorfes begegnet, die ihn niederschlagen und seinen Wagen samt Ladung stehlen. Gestrandet im Nirgendwo gerät Georgy zunehmend in den Sog der archaischen Dorfgemeinschaft, in der Argwohn, Willkür und Unterdrückung herrschen. Georgy versucht, sich den unbarmherzigen Strukturen durch innere Immigration zu entziehen. Doch die Dorfbewohner fühlen sich durch die Weigerung des Außenseiters, sich den Regeln des Systems anzupassen, provoziert und erniedrigen ihn. Als Georgy erneut in einen Konflikt mit der Polizei gerät, muss er erkennen, dass Gewalt nur mit Gewalt zu begegnen ist. In einer Welt, in der kein zivilisatorischer Konsens mehr besteht, ist ein zivilisiertes Leben unmöglich. Das verbrecherische System hat auch Georgy zum Verbrecher gemacht.

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