Johann Strauss: Die Fledermaus (Wiener Staatsoper)

Regie: Otto Schenk
Darsteller: Lucia Popp, Joseph Hopferwieser
Laufzeit: 169min
FSK: ???
Genre: Musik (Österreich)
Filmstart: 01. Januar 1980
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Aufführungen der Fledermaus gehören in Wien zum Ritual des Jahresausklanges – des im deutschsprachigen Raum so genannten »Silvesterabends« – wie am folgenden Morgen das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Zumindest eines der Wiener Opernhäuser muss Die Fledermaus am 31. Dezember im Programm haben. In früheren Jahren war das die auf das leichtere Genre spezialisierte Wiener Volksoper, in deren Repertoire die Strauß-Operette natürlich niemals fehlen durfte – nur dass gerade für Aufführungen an besonderen Tagen auch dort die erste Garnitur des Wiener Opernensembles zur Verfügung stand. Seit der legendären Aufführung unter Herbert von Karajan, die am Silvesterabend 1960 Premiere hatte, ist Die Fledermaus aber auch in der großen Oper am Ring heimisch geworden, und hier prunken die Aufführungen nicht nur an Feiertagen mit großen Namen – von Rosalinde bis zu Ida, von Eisenstein bis zu Dr. Falke lesen sich die Besetzungslisten seit 1960 wie ein Auszug aus dem Sänger-Gotha. Mit den Tenören, die an der Wiener Staatsoper den Alfred gesungen haben, könnte man alle Opern von Mozart bis Verdi besetzen; für die Rolle des Frosch im 3. Akt waren sich weder Burgschauspieler wie Josef Meinrad oder Karl Paryla noch prominente Gäste wie Heinz Rühmann oder hochkarätige Sänger wie Erich Kunz zu schade. Auch Otto Schenk, der populäre Wiener Schauspieler, Regisseur und Theaterintendant, hatte in nicht weniger als 29 Vorstellungen als Frosch auf der Bühne gestanden, bevor er am Silvester-Abend des Jahres 1979 den Wiener Opernfreunden als Regisseur »seine« Version der Fledermaus zeigte. Eine im besten Sinne Wienerische Inszenierung, die alle guten Geister der Opera buffa, der klassischen Operette und des Volksstückes in sich vereinigt; komödiantisch, ein wenig sentimental (weil das natürlich, zumal an einem Altjahresabend, auch dazu gehört), jeder Pointe zugeneigt und offen für den Moment spontaner Improvisation; doch auch sehr genau gearbeitet, weil das scheinbar Leichte nur dann wirklich überzeugt, wenn es von größter Disziplin getragen wird. Die Premiere wurde vom Publikum stürmisch bejubelt, die Aufführung ist nicht nur unter Wiener Opernfreunden so etwas wie eine Legende geworden – wohl auch deshalb, weil die Fernsehaufzeichnung sie in ihrer Ur-Form und mitreißenden Silvester-Laune erhalten hat. Denn als das Österreichische Fernsehen nur ein Jahr später daran ging, Die Fledermaus direkt aus der Oper zu übertragen und so ein Millionenpublikum zu glücklichen Besuchern eines Silvesterabends in der Wiener Staatsoper zu machen, war alles noch frisch wie am ersten Tag. Nicht nur das Publikum spürte die Freude aller Beteiligten. So schrieb Franz Endler in der Wiener Presse über die Aufführung, die der Fernsehübertragung vorausging, unter der Überschrift »Diese Fledermaus überflügelt alles« einen Hymnus, wie man ihn aus kritischer Feder selten zu lesen bekommt: »In der Staatsoper ist mit der Fledermaus die hinreißendste aller Wiener Operetten in einer adäquaten Inszenierung und Besetzung zu genießen. Wenn man Glück und diese Besetzung hat – und schon weiß man nicht, in welcher Reihenfolge da geschrieben werden soll. Denn alle, alle sind herrlich und Glücksfälle sondergleichen: Da ist Lucia Popp eine Rosalinde, wie man sie nur sehr selten zu sehen und zu hören bekommt. Da hat Edita Gruberova Hirn und Herz ganz offensichtlich (ein Wunder der Natur) in ihrer Kehle, ist somit für die Adele nahezu eine Verschwendung, aber wir haben sie halt. Da ist Brigitte Fassbaender ein Orlofsky, dem man Hymnen schreiben müsste – gewiss, sie singt auch, aber wie sie dem Csárdás der Lucia Popp zuhört, so können andere nicht einmal mit voller Stimme singen. Jeder Blick ist da ein paar Koloraturen wert. Und da sind Bernd Weikl, baritonales Gegenstück zur Gruberova (siehe Sitz von Herz und Hirn), Erich Kunz, Josef Hopferwieser, Walter Berry, Anton Wendler – und Helmut Lohner, als Frosch wiederum das Gegenstück zur Fassbaender (siehe Luxus). Und ein präziser Chor, ein herrliches Orchester, ein seit dem vergangenen Silvester hörbar animierter gewordener Theodor Guschlbauer als Dirigent und ein für Proben offenbar engagierter Otto Schenk als – als Erfinder der sichtbar gewordenen Champagnerlaune, die im zweiten Akt der Fledermaus zugleich mit den Pfropfen aus den Flaschenhälsen einem so etwas wie Freudentränen aus den Augen schießen lässt. Kurz und unendlich dankbar: Die Wiener Staatsoper ist mit dieser Fledermaus, die uns die Terminkalender aller Mitwirkenden oft bescheren möge, genauso gut, wie ihr Direktor immer behauptet, sie ist nämlich einfach die beste aller Opern. Und das schon am 28. Dezember und nicht erst am Silvesterabend, an dem es hoffentlich noch einmal so klingen wird wie diesmal – so wienerisch-pressburgerisch, dass man nichts als lachen und glücklich sein kann.«

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