Good Bye Tibet

DVD / Blu-ray / Trailer :: IMDB (3,5)
Regie: Maria Blumencron
Darsteller: ?????
Laufzeit: 90min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Dokumentation (Deutschland, Indien)
Verleih: Prokino Filmverleih
Filmstart: 12. Mai 2011
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Begonnen hat für mich alles mit dem Tod eines kleinen Mädchens, das hier gestorben ist in Kelsang Jigmes Armen auf 5100 Metern Höhe. Es war ein sehr strenger Winter. In diesem Winter sind vier Kinder gestorben. Zufällig hat ein deutsch-iranischer Bergsteiger zwei dieser Kinder gefunden und fotografiert. Diese Fotos haben mich unglaublich berührt, weil diese erfrorenen Kinder in dieser Eiswüste so einsam ausgesehen haben, so verloren. (Maria Blumencron) Warum schicken Eltern ihre Kinder über das höchste Gebirge der Welt, ohne zu wissen, ob sie einander jemals wieder sehen werden? Diese Geschichte hätte überall stattfinden können, wo das Schicksal Menschen zusammenführt. Aber sie hat sich den Himalaja gewählt. In der dünnen Höhenluft sind die Zusammenhänge des Lebens oft klarer zu sehen. Das Grenzgebiet zwischen Tibet und Nepal ist nicht nur Dreh- und Angelpunkt, sondern auch Drehort dieser Geschichte. Hier hat Kelsang Jigme viele Jahre als Fluchthelfer gearbeitet. Hier ist jenes Mädchen in seinen Armen erfroren, dessen Bilder Maria Blumencron vor zehn Jahren auf die Suche nach Flüchtlingen brachten. Hier hat sie den befreundeten Fluchthelfer nach ihrer Verhaftung in Tibet vergeblich gesucht und schließlich sechs Flüchtlingskinder aus Tibet gefunden, die über die Jahre ein Stück weit zu ihren eigenen Kindern geworden sind. Hier ist sie bei ihrem letzten Grenzgang einer Gruppe von Jugendlichen begegnet, die die Flucht aus Tibet fast nicht überlebt hätten. Der Film erzählt Kelsang Jigmes Lebensgeschichte, in die sich irgendwann Marias und schließlich die aller Protagonisten hineinwebt. Kelsang wurde noch im 'alten Tibet' geboren, kurz bevor Chinas Volksbefreiungsarmee einmarschiert ist. Was Mao Zedong als 'Integration Tibets in China' beschrieb, kostete mehr als eine Million Tibeter das Leben. Von 6000 Klöstern blieben nur dreizehn stehen. Ein Volksstamm leistete erbitterten Widerstand: Die Khampa-Tibeter. Mit alten Flinten kämpften sie gegen die chinesischen Besatzer und halfen schließlich dem Dalai Lama bei seiner Flucht über den Himalaja. Im März 1959 hinterließ das religiöse Oberhaupt der Tibeter seinen letzten Fußabdruck auf heimatlichem Boden. Er ging ins Exil nach Indien. Mehr als 100 000 Tibeter sind ihm seither über die verschneiten Himalajapässe gefolgt. Viele von ihnen hat Kelsang über die Grenze gebracht. Unter den Fluchthelfern Tibets ist er eine Legende. Bei ihrem ersten Versuch eine Flüchtlingsgruppe zu filmen, wurden Maria und Kelsang in Tibet verhaftet. Maria blieb zwei Tage in Polizeigewahrsam, Kelsang zweieinhalb Jahre in Folterhaft. Im Jahr 2004 gelang ihm die Flucht nach Indien. Als ehemaliger politischer Häftling hat er nun ein Stück Land in Australien bekommen. Doch bevor Kelsang diesen Kontinent für immer verlässt, geht er noch einmal zur Grenze Tibets hoch, um einen letzten Blick auf seine alte Heimat zu werfen. Auf dem Nangpa'la-Grenzpass wird er die tibetische Staatsflagge hissen – für all jene Opfer, die die wichtigste Fluchtroute der Tibeter über die Jahrzehnte gefordert hat. Und so beginnt eine Reise an die Grenze, die auch eine Annäherung an unsere innere Grenze ist. Der vierzehntägige Aufstieg ist äußerst beschwerlich, der Weg auf den Grenzpass keine ausgetretene Route – wie jene auf das Mt. Everest Basecamp. Es ist ein Weg, der sich wandelt, der nicht wirklich festgelegt ist. Es ist eine Suche. Die Gletschermoränen der nepalesischen Khumbu- Region wandeln Jahr für Jahr ihr Gesicht. Der Boden wankt bisweilen unter den Schritten. Man muss auf der Hut sein vor Gletscherspalten und Wetterumbrüchen. Bei jeder Rast, bei jeder markanten Etappe des Weges erzählt Kelsang ein Stück seines Lebens. Und so wächst seine Geschichte Höhenmeter für Höhenmeter zu einer außergewöhnlichen Biographie. Ihr vorläufiger Endpunkt wird mit dem Hissen der Fahne auf fast 6000 Meter Höhe gesetzt. Auch die Geschichten der sechs Kinder, die nun in einem tibetischen Kinderdorf in Nordindien aufwachsen, erfahren wir auf dem Weg zum Pass. Bebildert werden all diese Episoden durch Momente und Situationen, die der gefährliche Aufstieg uns brachte, aber auch durch spektakuläres Archivmaterial von der Flucht der sechs Kinder vor nun mehr zehn Jahren. Das höchste Gebirge der Welt trennt Kinder von Ihren Eltern. Wie wirkt sich das auf die Seelen einer heranwachsenden Generation von Exiltibetern aus? 'Amalaa' heißt auf Tibetisch 'Mutter'. In kaum einer anderen Kultur gibt es so viele 'Amalaa-Lieder' wie in jener des tibetischen Exils. Sie spiegeln die traurige Tatsache wieder, die Eltern vermutlich nie wieder zu sehen. Nur eines der sechs Kinder konnte seiner Mutter nach sieben Jahren Trennung wieder begegnen. Dieses Wiedersehen ist im Film dokumentiert. „Als ich der Mutter von Dhondup, der es Anfang 2007 gelungen war, aus Tibet zu kommen, gegenüberstand, habe ich begriffen, dass die wahren Opfer dieser Tragödie die Mütter und Väter Tibets sind.“, erzählt die Autorin, „Ein Kind geht nach den Tränen des Abschieds hinein in ein neues Leben. Doch die Eltern bleiben für immer mit ihrem Schmerz zurück.“

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