Fair Game - Nichts ist gefährlicher als die Wahrheit

DVD / Blu-ray / iTunes / Trailer :: Website :: IMDB (6,8)
Original: Fair Game
Regie: Doug Liman
Darsteller: Naomi Watts, Sean Penn
Laufzeit: 105min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Thriller, Action (USA)
Filmstart: 25. November 2010
Bewertung: 7,0 (1 Kommentar, 1 Vote)
Valerie Plame ist eine der besten Agentinnen der CIA. Ihr Spezialgebiet sind komplexe Einsätze in vermeintlichen Krisengebieten. Nicht selten ist Valerie selbst vor Ort und leitet die Ermittlungen. Mit ihrer direkten, aufrechten Art hat sie sich in der arabischen Welt viele Freunde gemacht. Sie gilt als vertrauenswürdig – eine wichtige Währung in ihrem Metier. Wer sie im Einsatz sieht, vor Ort in Kuala Lumpur oder dem Irak, käme nie auf die Idee, dass diese attraktive, entschlossene Frau in ihrer Heimat ein Doppelleben führt, das mit ihrer Arbeit absolut nichts zu tun hat. Valerie Plame ist nämlich auch die Ehefrau von Joseph Wilson IV, der unter George Bush ein Diplomat und Botschafter in verschiedenen afrikanischen Ländern und dem Irak war und später Sonderberater von Bill Clinton in außenpolitischen Fragen. Sie ist Mutter von Zwillingen, die sie in ihrem Haus in Washington DC großzieht. Ihre Freunde und Bekannten kennen Valerie als zuvorkommend, freundlich und herzlich. Keiner von ihnen käme jemals auf die Idee, dass es sich bei ihr um eine Geheimagentin handeln könnte: Außer ihrem Ehemann und ihren Eltern ist außerhalb der CIA niemand über Valerie Plames wahre Identität eingeweiht. Sie öffentlich zu enttarnen ist ein Schwerverbrechen: Hochverrat! Wenige Monate sind seit 9/11 vergangen. Fieberhaft arbeitet der Geheimdienst im Auftrag der Regierung unter zunehmendem Druck daran, etwaige Drahtzieher und Unterstützer der verheerenden Anschläge aufzudecken. Aus Regierungskreisen kommt eine Anfrage, man habe Informationen enthalten, wonach Saddam Hussein im Niger 50 Tonnen Uran gekauft und in den Irak hätte bringen lassen, um die Produktion von Massenvernichtungswaffen anzukurbeln. Die Central Intelligence Agency soll den Hinweisen nachgehen. Auf der Suche nach einem geeigneten Experten, den man mit dieser Mission betrauen könnte, fragt Valeries Vorgesetzter Bill die Agentin, ob ihr Ehemann für diesen Einsatz der Richtige sei. Sie stimmt ihm zu. Joe habe nach wie vor ausgezeichnete Kontakte in den Staat in Westafrika und sei mit Land und Leuten vertraut. Im Auftrag des Geheimdienstes reist Joe Wilson nach Niger und beginnt seine Recherchen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Von Uranverkäufen kann keine Rede sein. Die Metallröhren, die das Interesse der Bush-Regierung geweckt hatten, kommen auch nicht im Entferntesten für die Verarbeitung des radioaktiven Stoffes in Frage. Sie müssten deutlich dicker sein, um das zu gewährleisten. In einem umfassenden, detaillierten Report fasst Wilson seine Erkenntnisse zusammen und informiert die CIA, die den Bericht an die Regierung weiterleitet. Für Wilson ist die Sache erledigt. Im Bewusstsein, der Irak sei damit von der Liste der für 9/11 mit verantwortlichen Länder gestrichen, arbeitet Valerie einstweilen daran, eine Gruppe von irakischen Wissenschaftlern aus dem Land zu schleusen, die einen dezidierten Einblick in Saddams Waffenprogramm geben könnten. Es ist ein höchst gefährlicher Drahtseilakt. Ein einziger falscher Schritt würde unweigerlich den Tod von Valeries Informanten bedeuten. Als Außenminister Colin Powell im Februar 2003 vor den Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen tritt, um Beweise vorzulegen, der Irak sei, anders als von Hans Blix, dem damaligen Chef der UN-Rüstungskontrollkommission, dargelegt, durchaus im Besitz von Massenvernichtungswaffen, führt er auch den Einkauf von Uran im Niger an. Joe Wilson kann nicht glauben, was er im Fernsehen sieht: Er selbst war vor Ort gewesen und hat festgestellt, dass es diesen Einkauf niemals gegeben hat. Er weiß auch, was folgen wird: Am 20. März 2003 beginnt das amerikanische Bombardement Bagdads. Der Krieg hat begonnen. Und er basiert auf einer Lüge, einer bewussten Lüge. Bei einem Abendessen mit ihren Freunden hören Joe Wilson und Valerie Plame zu, was ihre Freunde zu der politischen Entwicklung zu sagen haben. Sie selbst müssen schweigen – obwohl sie viele der geäußerten Thesen und Meinungen mit ihrem Wissen entkräften könnten – da sie sich zur Geheimhaltung verpflichtet haben. Joe kann mit dem Maulkorb nicht leben. Er ist es gewohnt, seine Meinung zu äußern, zu protestieren, wenn er es für richtig hält – die Wahrheit zu sagen, wenn andere lügen. Als er nach einigen Monaten feststellt, dass niemand sonst den Mund aufmacht oder versucht, dem Treiben der eigenen Regierung Einhalt zu gebieten, kann er nicht länger an sich halten. Er schreibt einen Meinungsartikel für die New York Times, der am 6. Juli 2003 veröffentlicht wird. In „What I Didn’t Find in Africa?“ – „Was ich in Afrika nicht gefunden habe?“ beschreibt er eindringlich, warum er überzeugt ist, dass die Bush-Administration unbedingt in den Krieg ziehen wollte, auch wenn man dafür lügen und täuschen musste. Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten – wenngleich sie anders ausfallen, als von Wilson erwartet. Nur eine Woche später folgt eine Replik in Form einer Kolumne von Robert Novak: Darin schreibt er, dass Wilson niemals Agent der CIA gewesen sei, wohl aber seine Frau, Valerie Plame – womit er sie nicht nur enttarnt und damit ein Verbrechen begeht, sondern auch die Wilsons der Öffentlichkeit auf einem silbernen Tablett serviert. Kurz nach Veröffentlichung des Artikels brechen alle Dämme. Das Zuhause des Ehepaars wird von Reportern belagert, sie werden auf Schritt und Tritt von Kameras verfolgt. Freunde wenden sich von Valerie ab, die sich von ihr betrogen und ausgenutzt fühlen. Auch für ihre Arbeit hat die brutale Enthüllung Konsequenzen: Valerie Plame wird sofort vom aktiven Dienst bei der CIA abgezogen. Obwohl sie ihre Vorgesetzten anfleht, ihren laufenden Auftrag noch erledigen zu dürfen – das Leben von einer Gruppe von Wissenschaftlern im Irak hängt davon ab – ist alles Bitten umsonst. Valerie ist es nicht länger gestattet, die Räume des Geheimdienstes zu betreten. Ihre Kontakte sind verloren und bleiben einfach sich selbst überlassen. In weiteren, wohl platzierten Zeitungsartikeln wird Valerie desavouiert: Sie sei gar keine Agentin, sondern eine bessere Sekretärin gewesen. Joe wird einstweilen als Wichtigtuer diskreditiert: Seinen Betrachtungen sei keine Bedeutung beizumessen. Vor allem aber bedeutet diese politische Affäre eine Zerreißprobe für die Ehe von Valerie und Joe. Obwohl beide überzeugt sind, das Richtige getan zu haben und für die Handlungen des anderen einstehen, erhöht sich der Druck auf die beiden. Valerie und Joe reagieren völlig unterschiedlich auf die Krise, die schnell unter dem Begriff „Plamegate“ die Runde macht. Während sich Valerie zurückzieht und schweigt, geht Joe zum Angriff über. Er weiß, dass die Informationen über Valeries Status aus obersten Regierungskreisen kommen mussten. Und er zögert nicht, seine Meinung publik zu machen. Er rechnet allerdings nicht damit, dass die Stimmung im Land längst umgeschlagen ist und Zivilcourage als Dissens gewertet wird. Auf einmal geht es für die Wilsons um alles: ihre Ehe, ihre Ehre, ihre Zukunft, ihr Leben.

Kommentare

1Stephan-aus-HH29. November 20107/10
Ein sehenswerter Politthriller. Ich hätte mir allerdings noch mehr erwartet.