Die Klasse

DVD / Blu-ray / Trailer :: Website :: IMDB (7,5)
Original: Entre les murs | The Class
Regie: Laurent Cantet
Darsteller: Francois Begaudeau, Nassim Amrabt
Laufzeit: 124min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Drama (Frankreich)
Verleih: Concorde Filmverleih
Filmstart: 15. Januar 2009
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Anfang des Schuljahres in Paris: Die Lehrer begrüßen und stellen sich vor, die meisten sind schon einige Jahre an der Mittelschule. Manche haben resigniert, andere sind mit Elan dabei, wie Fran­zösischlehrer François. Seine Schüler der 7. Klasse rangeln sich erst einmal um die Plätze, be­vor Ruhe einkehrt. François drängt sie, sich zu beeilen, er möchte eine ganze Stunde Unter­richt abhalten und zählt auf, wie viel Zeit jedes Mal unnötig verplempert wird. Und schon kom­men die ersten Widerworte von Khoumba und ihre Banknachbarin Esmeralda weigert sich gar, ihren Na­men auf einen Zettel zu schreiben und vor sich aufzustellen. Sie will nur mitma­chen, wenn auch er seinen Namen schreibt. Also kritzelt der Lehrer „Monsieur Marin“ an die Ta­fel, was die Kids zu Witzen hinreißt. Konzentration? Nein danke! Im Unterricht geht es um die Erklärung von Worten wie „Herablassung“, „spirituell“ oder einen Satz wie „Der Groschen ist gefallen“. Die Schüler machen mit, nur Souleymane aus Mali hat Null Bock auf Mitschreiben, ist zu faul Papier und Stift auszupacken und demonstriert Coolness. Wäh­renddessen Esmeralda, mit tunesischen Wurzeln, sich in einer Diskussion über die Qualität von Chee­seburgern darüber ärgert, dass François amerikanische Namen wie Bill einsetzt und nie Na­men wie Rachid oder Aissata oder Ahmed, Namen die sie und die anderen aus ihrem sozia­len Um­feld kennen. Außerdem weist sie darauf hin, nicht unbedingt stolz auf ihre französi­sche Staatsbür­gerschaft zu sein. In den Pausen toben alle herum und vergessen den Schul­stress. Kids, wie alle anderen. Schwierig wird es, als François ihnen die nicht ganz einfachen französischen Vergangenheits­zei­ten beibringen will. Sie fragen sich, wofür sie das brauchen. In diesen altmodischen Grammatik­for­men redet doch kein Mensch. Vor allem die beiden Mädchen Esmeralda und Khoumba ma­chen sich lustig über seine Bemühungen, äffen ihn nach. Auch andere Schüler und Schülerinnen mischen sich ein. Anjelica fragt geradeaus, wann er denn jemand habe so künst­lich sprechen hö­ren. Um Ruhe in die Diskussion zu bringen, gibt François zu, dass viele Snobs diese Sprache benut­zen, manierierte Leute. Boubacar meldet sich und behauptet, Souley­mane würde unbedingt et­was sagen wollen, fast prügeln sich die beiden. Dann rückt Souley­mane heraus: „Ich habe ge­hört, dass sie Männer mögen“. Die Klasse johlt, François lässt sich nichts anmerken und versucht ihn mit Nachfragen zu verunsichern und auch klarzumachen, dass Homosexualität nichts Schlech­tes ist. Zum Abschluss erklärt er, er sei nicht homosexuell. Dann geht`s weiter mit dem Kon­junktiv Imperfekt. Khoumba und Souleymane sticheln gegeneinan­der, niemand hört mehr so richtig dem Lehrer zu. Aber François lässt nicht locker, er will ihnen etwas beibringen, fühlt Verantwor­tung. Auf dem Stundenplan steht das „Tagebuch der Anne Frank“. Khoumba will nicht lesen, hat schlicht und einfach keine Lust dazu. François verliert den Geduldsfaden, ein Wort gibt das an­dere, Khoumba wird immer aufsässiger. Esmeralda springt ein und liest den Text. François schlägt vor, dass alle ein Selbstporträt von sich schreiben. Eine Idee, die nicht alle unbedingt gut finden. Was sollen sie schon groß erzählen: „Wir gehen zur Schule, wir gehen nach Hause, wir es­sen, wir schlafen“, so eine Schülerin. Es entspinnt sich eine heiße Diskussion über das was in­tim ist, mentale, kulturelle und soziale Unterschiede treten zu Tage. Bis zur nächsten Wo­che sol­len sie das Selbstporträt anfertigen, ihre Persönlichkeiten beschreiben und vor der Klasse vorle­sen. Nach der Unterrichtsstunde kommt es zum Krach zwischen Khoumba und dem Lehrer, der ihr eigentlich nur helfen will, aber mit seinem Ansinnen auf Widerstand stößt. Sie will einfach kein Kind mehr sein. Für ihr freches Verhalten verlangt er eine Entschuldigung, die sie nur unwillig von sich gibt und auch nicht ernst meint. Er lässt sie die Entschuldigung ei­nige Male wiederholen, bis ihm der Ton passt. Überzeugen kann er sie nicht. Um Disziplin zu schaffen, überlegen sich die Lehrer bei ihrem Routinetreffen, ein Punktesystem einzu­führen, verwerfen den Plan dann wieder, weil sie sich nicht darüber einigen können. Ein viel größeres „Problem“ gilt es zu lösen: Den Preis einer Tasse Kaffee und die mögliche Neuan­schaf­fung einer Kaffeemaschine. Es ist der Tag, an dem die Schüler ihre Selbstporträts vorlesen sollen. Khoumba grollt noch vor sich hin, fühlt sich nicht respektiert und entscheidet, vorerst nicht mehr mit dem Lehrer zu spre­chen. Als erste liest Esmeralda ihren Text vor. Sie möchte Polizistin oder Rapperin werden. Der sehr fleißige Chinese Wey berichtet von zu Hause und dass er Videospiele liebt, wenig ausgeht und allergisch ist. Das Lob vom Lehrer bringt die anderen gegen ihn auf. Nach einigem Drän­gen liest auch Rabah sein Selbstporträt, er mag sein Dorf in der Kabylei, Musik, Rap, Slam und natür­lich Fußball und Zidane. Dass er unterschlägt, Sex, Frauen und Dekolletés zu lieben, bringt die ande­ren zum kreischen und lachen. Die Klasse tobt. Nur Souleymane schert wieder aus, er hat nichts geschrieben, außer einem kurzen Satz, dass er eben nichts über sich zu erzäh­len hat. Der Rest der Klasse klatscht Beifall, bewundert seine forsche Art. Zwischen ihm und Esmeralda flie­gen die Fetzen bis zur persönlichen Beleidigung des Mädchens. Unterschwel­lig geht es auch um eine Auseinandersetzung um Religion und den Koran, auf den ein Tattoo auf Souleymanes Arm hinweist. Mitten in der Diskussion kommt der Direktor und stellt einen neuen Schüler vor, den von ei­ner anderen Schule relegierten Carl. Der macht auf ganz sanft und darf neben Esmeralda die Bank drücken, François bietet ihm unter vier Augen Hilfe zur Eingewöhnung an und verteilt die Auf­gabe, bis zum nächsten Montag die Selbstport­räts noch einmal zu überarbeiten und zu verfei­nern. Elternsprechtag: Weis Eltern, Nassims Vater, Arthurs und Buraks Mutter, die ihren Sohn sogar auf das berühmte Henri IV-Gymnasium schicken möchte und mehr Anreiz zur Herausforderung ver­langt, hören dem Lehrer aufmerksam zu, sie wollen das Beste für ihre Kinder. Souleymanes Mut­ter spricht kein französisch unterschreibt das Schülerheft blindlings, sie kommt mit ihrem älte­ren Sohn. François erklärt ihnen die Situation mit dem renitenten Souleymane, möchte aber keine Be­strafung. Der Bruder verspricht, mit ihm zu reden. Während die anderen Schüler auf dem Computer ihre Selbstporträts schreiben, betrachtet Souley­mane Fotos auf seinem Handy und François schlägt ihm vor, dazu kleine Bildtexte zu verfas­sen, so dass eine ganz andere Art von Selbstporträt entsteht. Er hängt die Fotos wie eine Se­rie auf und lobt ihn, aber Souleymane glaubt ihm nicht, er kennt kein Lob. Auch die anderen Schü­ler sind angetan von seinen Fotos. Als letzter liest Carl sein sehr gut formuliertes Selbstport­rät vor und gibt dabei einiges von sich preis. Aufregung im Lehrerzimmer. Weis Mutter ist ohne Papiere verhaftet worden, sie ist illegal in Frank­reich, es droht die Abschiebung. Die Familie ist seit drei Jahren im Land, der Vater bleibt erst einmal ungeschoren. Weis Zukunft ist noch unsicher. Die Lehrer überlegen eine Spendenak­tion und eine Solidaritätsaktion vor Gericht. Bevor sie zu einem Resultat kommen, platzt eine junge Lehrerin mit einer Neuigkeit heraus. Sie ist schwanger und feiert das bei einer Flasche Scham­pus mit den Kollegen. Sie wünscht sich zwei Dinge: Dass Weis Mutter in Frank­reich blei­ben darf und ihr Kind so klug wird wie Wei. Zwischen den Schülern kommt es immer wieder zu kleinen Prügeleien und Beschimpfungen, Carl wird von Souleymane schon mal als „Karibikscheisser“ angeredet, Arthur, das „Gothic Kid“, we­gen seiner Klamotten gehänselt. Die Aggressionen steigen; sukzessive, diffamierende und rassis­tische Äußerungen nehmen zu. Bei einer Diskussion über Fußball in Afrika kommt es zum Ek­lat. Vor allem Souleymane rastet aus, beschimpft Carl als „Scheißschwuchtel“ und pöbelt auch Esme­ralda als „Scheißtussi“ an. Die Situation eskaliert, Souleymane duzt total respektlos sogar den Lehrer, der ihn erbost der Klasse verweist und den Unruhestifter zum Direktor bringt. Lehrerkonferenz: Die Leistungen und das Verhalten der einzelnen Schüler werden besprochen, so­wie die möglichen Noten. François ergreift oft Partei für gefährdete Schüler. Anwesend sind auch Louise und Esmeralda als Klassenvertreterinnen. Als die Sprache auf Souleymane kommt, sind sich die Lehrer einig, der Junge ist ein schwieriger Fall. Esmeralda weist darauf hin, dass sich sein Notenschnitt doch etwas verbessert hat. Es geht den Lehrern aber weniger um seine Leistun­gen als um sein Benehmen, einige fordern harte Sanktionen. François versucht zu beschwich­ti­gen, möchte harte Strafen vermeiden und wendet sich auch gegen eine Verwar­nung. Er hält es für sinnvoller, die Dinge zu würdigen, die er gut macht, um ihn zu motivieren. Für ihn ist Sou­leymane intellektuell begrenzt. Was die beiden Klassenvertreterinnen empört. Im Unterricht lernen die Jugendlichen die Bedeutung von Poesie. Plötzlich meldet sich Rabah und beschwert sich über die Senkung seines Notenschnitts. Esmeralda hat ihm das Ergebnis aus der Lehrerkonferenz verraten, François ärgert sich darüber, dass die Vertreterinnen den Mund nicht halten können, will aber den Unterricht fortsetzen. Da brüllt Souleymane dazwischen und beschul­digt ihn, ihn in der Konferenz „niedergemacht“ zu haben, wirft ihm Rache vor, lässt sich nicht beruhigen, wird immer lauter und aggressiver. Esmeralda und Louise gießen noch Öl ins Feuer. Es fällt das Wort „begrenzt“ und Souleymane fühlt sich diskriminiert. Auch mit den bei­den Mädchen gibt es jetzt Zoff. François wirft ihnen vor, sich mit ihrer Kicherei wie „Schlam­pen“ benommen zu haben während der Konferenz. Es gibt kein Halten mehr. Die Mädchen empfin­den das Wort „Schlampen“ als grobe Beleidigung, beschimpfen den Lehrer, der versucht, den Begriff zu erklären und einen Rückzieher macht. Carl mischt sich rüde ein und stellt sich auf die Seite von Esmeralda und Louise, Souleymane macht den Lehrer an, duzt ihn permanent und nennt ihn gar „Alter“, will ihn „fertig machen“. Einen tätlichen Angriff verhindert Carl. Als der Junge wut­entbrannt die Klasse verlässt, haut er noch einem Mädchen versehentlich den Ruck­sack ins Ge­sicht. Der Direktor verweist ihn für 48 Stunden von der Schule. Die Sache ist auch für François noch nicht ausgestanden. Eine Lehrerin hat erfahren, dass er seine Schülerinnen als „Schlampen“ bezeichnet hat und vermisst diesen Vorfall in seinem Be­richt. François wiegelt ab. Das habe nichts mit dem Ausrasten von Souleymane zu tun. Frust­riert geht er auf den Schulhof und „bedankt“ sich ironisch bei den Mädchen, die seine Bestra­fung fordern. Für sie bedeutet das Wort „Schlampe“ Prostituierte. François gibt sich überlegen, aber die Unsicher­heit und das schlechte Gewissen ist dem eigentlich kumpelhaftem Lehrer anzumer­ken. Khoumba ist dagegen, dass Souleymane vor den Disziplinarausschuss kommt, weil der Vater ihn dann nach Mali zurück schicken wird. Das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Schü­lern ist ge­stört. Die Jugendlichen glauben, dass sie gegen Autorität und Hierarchie auf verlore­nem Posten stehen. Das Kollegium berät in einem Meeting das weitere Vorgehen. François versucht, die Angelegen­heit herunterzuspielen und Souleymanes Verhalten als einmaligen Ausrutscher abzu­tun. Der Direk­tor verlangt von ihm, seine verbale Entgleisung in den Bericht mit aufzuneh­men, damit der Diszip­linarausschuss nicht angegriffen werden kann. Der Disziplinarausschuss tritt zusammen, Sou­leymanes Mutter ist da und auch der Sohn, der sich widerborstig und unbelehr­bar gibt. Sein Va­ter moniert die Anwesenheit von François im Ausschuss und wirft ihm falsches Verhalten gegen­über den Mädchen vor, hält die Veranstaltung für eine Farce. Der Diszipli­narausschuss entschei­det sich dafür, Souleymane von der Schule zu verweisen. Das Ende des Schuljahres. Die Stimmung ist gelöst, die Ferien nahen. François fragt seine Schü­ler, was sie gelernt haben, was ihnen Spaß gemacht hat. Und sie erzählen von den verschie­densten Fächern und ihren Interessen. Eine neuerliche Annäherung zwischen Lehrer und Schülern ist offensichtlich. Nur Esmeralda stänkert herum, behauptet, dass sie nichts ge­lernt hat und übt Kritik an den Büchern, die sie im Unterricht gelesen haben. Und dann ein klei­nes Wun­der: Sie berichtet völlig unbekümmert von ihrer Lektüre, Platons „Der Staat“ und Sokra­tes, ei­nem „echt starkem Typen“. Bevor sie in die Ferien gehen, erhalten alle noch ihr Selbstport­rät mit einem Klassenfoto. Ganz am Ende kommt ein Mädchen und beichtet dem Leh­rer fast verzweifelt, dass sie nichts gelernt hat. François zeigt sich irritiert und fast fassungs­los, versucht sie aufzumun­tern. Das nächste Schuljahr kommt bestimmt …

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