Die Herren der Spiele

Original: Lords of the Game | Fairytale
Regie: Uta Bodenstein
Darsteller: ?????
Laufzeit: 88min
FSK: ???
Genre: Dokumentation (Deutschland)
Filmstart: 13. Juni 2012
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Der Film folgt drei ausgewählten Protagonisten, Matthias, Nick und Chris, in die Welt des „Live Action Role Play“ - ein Hobby, das mittlerweile von Tausenden betrieben wird, trotzdem aber weitgehend unbekannt geblieben ist. Menschen aller Schichten, aller Altersklassen treffen sich ein Wochenende lang an abgeschiedenen Orten - und spielen miteinander. Sie schlüpfen in die Rollen von Rittern, Elfen, Orks, Zombies oder anderen Fabelwesen und erleben Abenteuer, lösen Rätsel und kämpfen in Schlachten. Ihre "Charaktere" sind mit viel Liebe entwickelt, die Kostüme mit hohem Niveau selbst hergestellt. Liverollenspieler gelten als Freaks, Spinner und Realitätsflüchtlinge. Und obwohl das Hobby teils wirklich schräg anmutet, entfaltet es auf den zweiten Blick tiefenpsychologische Qualitäten - wie ist es, ein Wochenende lang ein Widerling zu sein? Wie ist es, Macht über andere zu haben, sie mit einem Fingerzeig zum Schweigen bringen zu können, ihnen den eigenen Willen aufzuzwingen? Gefährlich, dabei nicht in einen Machtrausch zu geraten, sagt Chris, im echten Leben Lehrerin, in der Liverollenspielszene eine Berühmtheit; sie spielt Aniesha Fey, eine unbesiegbare Endgegnerin, das personifizierte Böse, die Herrin der Leere. Jedoch ist ihre Rolle ein von der Spielleitung gesetzter Charakter, d.h. sie darf ihre Macht nur zum Wohle und zum Spaß der Spieler einsetzen. Durch diese Rolle ist Chris Hobby allerdings auch sehr anstrengend geworden, sie eilt von Termin zu Termin, wie ein Popstar. Ganz anders der Abiturient Nick: "Ich spiele gerne Antihelden", sagt er. Zu seinen Lieblingsrollen gehören ein Barbar, ein Zombie und ein armer Bauer. Er beweist Mut zur Hässlichkeit, zu unattraktiven Rollen; er beteiligt sich nicht an den vorgegebenen Geschichten, sondern improvisiert, nur nach dem Lustprinzip. "Urlaub von sich selbst" nennt er das. Nick ist ein talentierter Masken- und Kostümbauer, der diesen Teil seines Hobbys zum Beruf machen möchte. Matthias hat es geschafft, den ersten und mit über einhundert Hektar auch größten "LARPspielplatz" in Deutschland zu eröffnen, ein Gelände im Saarland, auf dem nun das ganze Jahr über Veranstaltungen stattfinden können. Doch damit zerstörte er sich um ein Haar den eigenen Traum - da er seitdem gezwungenermaßen Organisator und nicht mehr Spieler ist. Hin- und hergerissen zwischen seinem Beruf als Apotheker mit fünf Apotheken, Familienvater, seinen weitgreifenden Hobbys und dem Liverollenspiel, ist der hochintelligente Mann den ganzen Tag unterwegs, der für ihn scheinbar mehr Stunden hat, als für normale Menschen. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie aufwändig es ist, eine LARP-Veranstaltung zu organisieren. Hunderte freiwilliger Helfer verwandeln in einer Woche eine Kuhweide in eine mittelalterliche Stadt, hundert Autoren schreiben ein Jahr lang an einem Geflecht an Geschichten, die die fast 7000 Teilnehmer ein Wochenende lang spielen und erleben können. Da LARP ein Hobby ist, das sich größtenteils in den Köpfen der Teilnehmer abspielt, verlässt der Film streckenweise die dokumentarische Ebene - der Zuschauer wird mit hineingezogen in das "Kopfkino" des Spielers - keine störenden Autos, Strommasten oder Spielleiter mit Jeans und T-Shirt - man befindet sich mitten in einem lebendigen Abenteuerroman.

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