Die dünnen Mädchen

Original: Die dünnen Mädchen
Regie: Maria Teresa Camoglio
Darsteller: ?????
Laufzeit: 94min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Dokumentation (Deutschland)
Verleih: b. film Verleih
Filmstart: 15. Januar 2009
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Die dünnen Mädchen, das sind acht junge Frauen zwischen 18 und 29 Jahren, die seit langem an Essstörungen leiden und versuchen, diese zu bekämpfen. Sie haben gehungert bis zur Selbstauflösung und können nicht einfach damit aufhören. Diagnose: Magersucht. Die Krankheit frisst sich in ihr Leben – bis zur vollständigen Machtübernahme. Maria Teresa Camoglios Film dokumentiert, wie die jungen Frauen wieder eine Beziehung zu ihrem Körper aufbauen, um damit auch die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen. »Ich habe ganz lang nicht mehr gelacht«, sagt Susanne. Und Sonja erinnert sich: »Ich war mir selber egal. Ich konnte mich nie entscheiden, ob ich leben wollte oder ob ich sterben wollte.« Was bewegt Menschen, sich trotz materiellem Überfluss buchstäblich zu Tode zu hungern? Maria Teresa Camoglio hat in einer Therapieeinrichtung für essgestörte junge Frauen nach Antworten gesucht. Die Erzählungen der Patientinnen zeigen, dass die Auslöser für die Krankheit offenbar sehr unterschiedlich und ganz beiläufig oder banal sein können. Die verbreitete Meinung, Mode und Modemacher seien Schuld, findet hier keine Resonanz. Dick sei sie ohnehin nicht gewesen, erklärt eine der acht Frauen. Eine Medizinstudentin erinnert sich, dass eine Vorlesung über Herzprobleme bei ihr den krankhaften Teufelskreis ausgelöst habe. Oft begann die Krankheit mit Problemen in der Pubertät oder im Teenageralter. Und da scheint eines bei allen Mädchen ähnlich gelaufen zu sein: Sie haben unter einem äußeren Druck und einer Fremdbestimmung gelitten, denen sie nichts entgegenzusetzen wussten, nichts außer der Kontrolle des eigenen Körpers – hin zum langsamen Verblassen und Verschwinden. »Entweder war die Welt zu hart für uns, oder wir waren zu weich für die Welt und deswegen sind wir in eine andere Welt gegangen«, interpretiert Iris ihre Krankheit. Und Karin: »Ich war wie zwei Personen. Ich habe gemerkt, dass es gefährlich ist, dass mein Körper nicht mehr schön ist, dass ich viel zu dünn bin, aber... da war irgendwie keine Verbindung zu mir.« Maria Teresa Camoglio lässt die jungen Frauen selbst über ihr Leiden an der Anorexie reden und gewinnt so einen neuen unverstellten Blick auf die Magersucht. Die Krankheit, die oft als Modeerscheinung abgetan wird, zeigt hier ihre lebensgefährliche Brutalität. Wer darin gefangen ist, kann eben nicht einfach wieder anfangen zu essen. Zunächst ist da, wie eines der Mädchen erklärt, die verführerische Sucht nach dem Hochgefühl, das das Hungern eine Zeit lang vermitteln kann. Doch bald entgleitet die Kontrolle und verwandelt sich in Zwang. Ihre Magersucht begleitet die Betroffenen in der Regel ein Leben lang. Auch nach einer Therapie bleiben Rückfälle oft eine latente Gefahr. Denn anders als bei vielen anderen Süchten lässt sich diese Abhängigkeit nicht durch die Vermeidung des auslösenden Stoffes bekämpfen – ganz im Gegenteil. Die Betroffenen müssen lernen, ein »gesundes« Maß an Nahrungszunahme wiederzuerlangen – das ist noch schwieriger, und das erreichte Gleichgewicht bleibt oft labil. Gemeinsam mit den dünnen Mädchen hat Maria Teresa Camoglio für den Film eindrucksvolle und ästhetische Szenen entwickelt: einen Flamenco-Kurs, gemeinsames Kochen, Schattenspiele. Sie sind nicht Teil der regulären Therapie, sondern sinnlich erfahrbare Bilder für das Wesen dieser Krankheit, für das Selbstverständnis der Mädchen, für ihre Weigerung, eine erwachsene Frau zu werden. Die pointierten und kalkulierten Bewegungsabläufe des Flamenco-Tanzes demonstrieren eine selbstbewusste Weiblichkeit, die ihnen fehlt und vielleicht Angst macht. Noch bewegen sie sich unsicher und zurückgenommen. Flamenco aber, so sagt die Tanzlehrerin, »das hat mit Stolz zu tun. Man muss präsent sein, man muss stolz sein.« Präsent und stolz zu sein müssen die Mädchen erst wieder lernen. Die Flamenco-Lehrerin macht es vor: »Ich bin da. Es müssen alle merken, dass ich da bin.« Die dünnen Mädchen arbeiten daran. Susanne beispielsweise berichtet, wie ihre Gefühle »langsam wieder kommen, so Stück für Stück, und ich würde fast sagen, mit jedem Kilo, das wiederkommt, merke ich wieder mehr, was meine Gefühle sind...«

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