Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.

raptor230961

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24 Juli 2016
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„Kampf gegen Windmühlen“
Bedeutung:
Man führt einen sinnlosen Kampf (gegen einen eingebildeten Gegner), bei der man keine Aussicht auf Erfolg hat.

Herkunft: Diese Wortschöpfung geht natürlich auf die Romangestalt „Don Quijote“ von Cervantes (1605/15) zurück. Don Quijote ist hier ein Ritter, der gegen Windmühlen kämpft (der "Ritter von der traurigen Gestalt"), die er für Riesen hält. Im 9. Kapitel wird beschrieben, wie er schon bei der ersten Windmühle scheitert: Trotz Warnung seines Knappen Sancho galoppiert er mit einer Lanze auf die Mühle zu. Als er gegen den sich drehenden Flügel stößt, werden Ross und Reiter hinweggeschleudert.
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Die Redensart selbst ist aus dem Spanischen entlehnt (luchar contra molinos de viento) und auch in anderen europäischen Sprachen vorhanden. Bereits Lessing verwendet das Sinnbild in einer Abhandlung über den Gelehrtenstreit über den "moralischen Endzweck" der Tragödie: "Und so haben die Herren gut streiten; ihre Einbildung verwandelt Windmühlen in Riesen; sie jagen, in der gewissen Hoffnung des Sieges, darauf los, und kehren sich an keinen Sancho, der weiter nichts als gesunden Menschenverstand hat."
 

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24 Juli 2016
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„Klar wie Kloßbrühe“
Bedeutung:
Bei dieser Formulierung gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ist etwas klar, deutlich, offensichtlich – oder ironisch gemeint: Etwas ist überhaupt nicht klar, gar nicht offensichtlich.

Herkunft: Genau, wie es beide Auslegungen dieser Redensart gibt existieren auch für beide Auslegungen zwei Quellen:
Die erste bezieht sich auf das Kloster. Die Fastensuppe der Klöster galt früher als besonders gehaltlos und war durchsichtig (klar) bis auf den Tellergrund, eben: klar wie Klosterbrühe.

Die ironische Version bezieht die Alltagserfahrung ein, daß eine Brühe, in der Klöße gekocht werden, stets trübe ist.

Es gibt noch eine weitere Variante: „Klar wie Klärchen" ist ein Wortspiel mit dem weiblichen Vornamen Klara (20. Jahrhundert)
 

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24 Juli 2016
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„Die eierlegende Wollmilchsau“
Bedeutung:
Etwas ist mit vielen verschiedenen Fähigkeiten ausgestattet, erfüllt viele Wünsche auf einmal. Mit einer „eierlegenden Wollmilchsau“ wird etwas (eine Sache, Person oder Problemlösung) umschrieben, das nur Vorteile bringt. Etwas, das alle Bedürfnisse befriedigt, allen Ansprüchen genügt.

Hier wird das Bild eines Nutztiers verwendet, das Eigenschaften von Huhn (Eier legen), Schaf (Wolle liefern), Kuh (Milch geben) und Schwein (Fleisch) in sich vereint.
 

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24 Juli 2016
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„Nicht aus Zucker sein“
Bedeutung:
Wenn einer sagt: „Ich bin doch nicht aus Zucker“, dann meint er damit, daß er sich nicht scheut, etwas zu machen, ist unempfindlich.

Die zweite Bedeutung kann ein Beispiel verdeutlichen: Meist sind übervorsichtige Eltern besorgt, wenn die Kinder im kalten Regen spielen. Man könnte sich ja erkälten. Hier meint der Spruch, daß man nicht aus Zucker ist – man kann den Regen schon vertragen.

Herkunft: Zucker: Das altindische Wort „sakkara“ ist über Persien und Arabien nach Europa gekommen. Spanisch „azúcar“ und italienisch „zucchero“ gelangen zusammen mit der Ware im 12. Jahrhundert nach Deutschland, wo beides schnell bekannt wird. Der süße Zucker wird redensartlich zum Gegensymbol des Bitteren und Scharfen, wie es sich etwa in Galle und Wermut manifestiert. Da der Zucker nicht nass werden darf (da es sich sonst entweder auflöst oder verklumpt) hat sich die Redensart Ende des 19. Jahrhunderts verbreiten können
 

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„Abwarten und Tee trinken“
Bedeutung:
Man soll abwarten und Geduld haben. Es wird schon nicht so schlimm werden.
Warten wir es ab! Es wird bestimmt nicht so schlimm! Hab Geduld!

Herkunft: Die Herkunft dieser Redewendung ist nicht endgültig geklärt. Vermutlich war es ursprünglich eine Mahnung an ungeduldige Kranke: Sie sollten ruhig bleiben, Kräutertee trinken und auf ihre Genesung warten. Der Ausspruch ist übrigens seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt.
Eine andere Deutung sieht die literarischen Salons der Zeit des Biedermeier als Ursprung, in denen auch Tee gereicht worden ist.
 

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24 Juli 2016
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„Tomaten auf den Augen haben“
Bedeutung:
Man übersieht etwas, kann etwas nicht erkennen.

Herkunft: Tomaten sind bekanntlich rot. Genauso rot sehen auch unsere Augen aus, wenn wir müde oder verschlafen sind. Und müde Menschen sind oft auch nicht ganz so aufmerksam und bemerken wichtige Sachen nicht. Deshalb haben sie dann die sprichwörtlichen "Tomaten auf den Augen", denn das weiße um die Pupille ist rötlich gefärbt.
 

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„Das tangiert mich peripher“
Bedeutung:
Etwas interessiert nicht, etwas ist egal. Etwas berührt / betrifft einen nur am Rande.

Herkunft: Das Substantiv zum Adjektiv "peripher", "Peripherie" (Kreisumfang, Umkreis, Randgebiet), wurde im 17. Jahrhundert als mathematischer Fachterminus aus dem Lateinischen entlehnt. Es wird heute in verschiedenen Fachgebieten verwendet, wenn es darum geht, etwas randlich Gelegenes, vom Zentrum Entferntes zu beschreiben. Das lateinische Original wiederum wurde aus dem griechischen "periphérein" entlehnt, das "im Kreis bewegen, herumdrehen, herumtragen, bekannt machen" bedeutet.

Das Verb "tangieren" (innerlich berühren, betreffen, angehen, ein Thema kurz anschneiden) ist aus dem lateinischen "tangere" (u. a. berühren, anfassen) übernommen worden. Das entsprechende Substantiv, die Tangente, bezeichnet eine Linie, die einen Kreis berührt, ohne sie zu schneiden, und daraus abgeleitet eine Straße, die nahe an einer Siedlung vorbeiführt.

Die Redensart "Das tangiert mich peripher!" bedeutet also "Das berührt mich nur am Rande" - sie simuliert die Bildungssprache und wird daher in der Umgangssprache vorwiegend scherzhaft eingesetzt - auch deshalb, weil die sehr zahlreichen gleichbedeutenden Redewendungen oft einen saloppen oder gar derben Charakter haben ("Das juckt mich (doch) nicht!", "Das kümmert mich einen Dreck!", "etwas geht jemandem am Arsch vorbei", "Scheiß der Hund drauf!", "Das ist mir latte!", "jemandem furzegal sein", "scheißegal" u. a.).

Es ist recht populär, Redensarten oder Sprichwörter zum Spaß in einen mit möglichst vielen schwer verständlichen Fremdwörtern gespickten Satz zu übersetzen. Das kann auch als versteckte Kritik angesehen werden, wenn höher gebildete Personen etwas allzu kompliziert formulieren, was man - eingebildet oder tatsächlich - auch in einfachere Worte fassen könnte. Die genannte Redensart ist ein kurzes, bekanntes Beispiel dafür und die einzige, die es in die allgemeine Umgangssprache geschafft hat. Dabei kann auch der scherzhafte Charakter zurücktreten und die Wendung dann eingesetzt werden, wenn man "böse" Wörter vermeiden will.
 

raptor230961

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„Wehret den Anfängen“
Bedeutung:
Diese Formulierung ist die Aufforderung, eine gefährliche Entwicklung rechtzeitig zu stoppen.

Herkunft: Stammt ursprünglich vom römischen Dichter Ovid (43 v. Chr. bis um 18 n. Chr.). In seiner "Remedia Amoris" warnte er mit dem Satz vor den Folgen des Sich-Verliebens.

Heute findet sich der Satz vor allem im gesellschaftspolitischen Bereich. Insbesondere seit Ende des Zweiten Weltkrieges wird der Spruch häufiger gebraucht, oft bezogen auf die Gefahr des Erstarkens rechtsradikaler Kräfte.