Alt 14.12.2007, 17:29:03   #1 (permalink)
Necrolord
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Reg: 01.05.2006
Beiträge: 1.934
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Ich brauche Hilfe bei der Interpretation des Musikstücks Guten Abend Gut'Nacht.
Die Noten könnt ihr hier im Word Format downloaden.

Momentan finde ich nicht mehr als die Tonart E-Dur und ein paar E-Dur Dreiklänge. Ansonsten scheint mir das ein ganz normales Lied zu sein.

Fällt jemandem von euch vielleicht noch irgendetwas ein, was da auffält oder was man dazu schreiben kann?

Gruß Steffen
 
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Alt 16.12.2007, 23:38:17   #2 (permalink)
Majusa
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Reg: 15.12.2007
Beiträge: 7
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auf was hin sollst dus denn interpretieren?
hauptsache mal *schubidu* und *trallala* gesagt
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Alt 18.12.2007, 09:46:10   #3 (permalink)
dubberle
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Was heißt schon "Lied"? Es handelt sich um ein "Kunstlied" (für das die Franzosen, weil diese Form so extrem deutsch ist, den Begriff "le lied" verwenden"). Es ist im 3/4 Takt - (der gäbe einen ganz passablen Wiener Walzer ab, aber auf Schlaflieder sollte man nicht tanzen).
Mit dem Dreivierteltakt ist von jeher das Göttliche assoziiert (die 3 steht für die Dreifaltigkeit ). Vielleicht kennst Du das große C als Symbol für den 4/4-Takt - dieses C ist eigentlich ein nicht perfekter Kreis. Für den dreiviertel-Takt wurde in manchen Zeiten der perfekte Kreis (also ein geschlossener) notiert, weil die Dreifaltigkeit eben perfekt ist. Die Taktwahl könnte also auch ein versteckter Hinweis auf eine Bitte um Gottes Schutz für die Nacht sein.

Wenn Du das Stück in seiner Harmonie analysierst:
Guten Abend, gut' Nacht, mit Rosen be- --> Tonika
dacht, mit Näglein besteckt, schlüpf unter die --> Dominante
Deck. Morgen -->Tonika
früh, wenn Gott --> Subdominante
will, wirst Du --> Tonika
Wieder ge- --> Dominante
weckt --> Tonika

Ich hoffe, das System Tonika-Dominante-Subdominante ist Dir bekannt. Die allereinfachsten Lieder verwenden nur Tonika und Dominante. Aber auch wenn die Subdominante dazukommt ist es noch zu den einfach harmonisierten Liedern zu rechnen. Es kommen ja keine Paralleltonarten, Doppeldominanten, Medianten oder gar Neapolitaner vor. Das mögen Böhmische Dörfer für Dich sein, aber so Zeugs gibt's wirklich und gerade in der Romantik wurden solche Sauereien exzessiv benutzt. So eine einfache Harmonisierung ist besonders kindgerecht, das Lied ist also an die Zielgruppe "Kind" angepaßt.

Die Subdominante wird sehr häufig dort verwendet, wo auf den Text eine besondere Betonung gelegt werden soll. In diesem Falle wird das "Morgen früh, wenn Gott will" betont. Da in der Romantik eigentlich alles irgendwie ein verklärtes Gebet sein sollte (Gemälde, Gedichte, Musik...), so ist auch hier die Betonung auf den Willen Gottes, dem sich wir Menschen - also insbesondere auch das Kind, das gefälligst schlafen soll - beugen müssen. Die Aussage ist also: Es gibt keine Garantie, daß Du morgen wieder aufwachst, aber wenn Gott es will, wachst Du auf. Natürlich sind die meisten Kinder wieder aufgewacht und haben daraus - wenn sie aufmerksam waren - die Lehre gezogen, daß es Gottes Wille war, sie wieder aufzuwecken, daß sie also einen gütigen Gott erleben.

Dann könnte man noch etwas über die Symbolik der Blumen herausfinden: Es werden Rosen und Näglein = Nelken erwähnt. Die Rose steht für die Liebe: Sie ist wunderschön, kann ungmein erfreuen mit ihrem Duft und ihrer Schönheit, aber wenn man nicht zart mit ihr umgeht, kann man sich an ihren Stacheln (man sagt Dornen, aber es sind aus botanischer Sicht Stacheln) verletzen.
Die Nelke galt als Symbol der ehelichen Liebe, soll also vielleicht ein Hinweis darauf sein, daß dieses Kind ein Produkt der ehelichen Liebe seiner Eltern ist. Dem Kind wird gesagt: Du bist kein Bastard, kein uneheliches Schandmal, Du bist ein von Deinem Vater und Deiner Mutter gewünschtes, legitimes Kind, das alle Ehrenrechte hat. Man muß sich halt ein bisserl in die Zeit versetzen.

Soweit mal etwas zur Musik und zur ersten Strophe als Anregung. In dieser Richtung kannst Du was erarbeiten.
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Alt 18.12.2007, 10:15:20   #4 (permalink)
poopsie
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wow...nicht schlecht jetzt ist mir das Lied gleich noch sympathischer mit dieser Analyse.

Ich sing das Lied, zumindest die erste Strophe, manchmal nachts im Bett meiner Katze vor. Ich komme gar nicht bis zum Ende der Strophe, da ist sie abgehauen und ich habe meine Ruhe *lach*

Gruß, Poo
6. Havamal, Loddfafnir's-Lied, Strophe 122:
Gewannst du den Freund, dem du wohl vertraust, so besuch ihn nicht selten,
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Alt 18.12.2007, 13:31:18   #5 (permalink)
Necrolord
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Vielen Dank an alle Das Referat war leider schon gestern

Ich habe es mit einer ganz anderen Interpreationsweise versucht, die auch Anklang bei meinen Zuhörern gefunden hat.

Grob gesagt: Es ist ein einfaches Kinderlied, dass beim Einschlafen helfen soll.
=> kein Stilmittel keine Symboliken, sondern einfach nur ein beruhigendes Klanggefühl.

Der Lehrer war damit zwar anfangs nicht zufrieden, konnte es dann aber auch nicht vernünftig widerlegen. Im Zweifel für den Schüler

Danke nochmal an alle.
Gruß Steffen
 
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Alt 18.12.2007, 13:52:43   #6 (permalink)
dubberle
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Zitat:
Zitat von poopsie Beitrag anzeigen
wow...nicht schlecht jetzt ist mir das Lied gleich noch sympathischer mit dieser Analyse.

Ich sing das Lied, zumindest die erste Strophe, manchmal nachts im Bett meiner Katze vor. Ich komme gar nicht bis zum Ende der Strophe, da ist sie abgehauen und ich habe meine Ruhe *lach*

Gruß, Poo
Naja, ich habe vor langer Zeit mal neben Mathematik den Leistungskurs Musik belegt. Da lernt man sowas...
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Alt 18.12.2007, 14:16:20   #7 (permalink)
poopsie
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Ich hatte damals Musik im Mündlichen.... und da hat man vorrangig Klavier oder Gitarre gelernt zu spielen, und zu singen. Alles andere war nebenbei
6. Havamal, Loddfafnir's-Lied, Strophe 122:
Gewannst du den Freund, dem du wohl vertraust, so besuch ihn nicht selten,
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