Alt 29.07.2019, 07:00:40   #76 (permalink)
raptor230961
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Der giftige Fisch
(Fabel aus Japan)

(Kugelfisch - aus diesem giftigen Fisch bereitet man in Japan das Gericht Fugu zu. Falsch zubereitet ist dieses Gericht absolut tödlich.)


Ein Mann hatte einstmals einen Fisch gefangen, den man Stachelbauch oder Kugelfisch nennt. Er kannte aber dessen böse Eigenschaften nicht und begann, ihn zum Mahle herzurichten, obwohl er doch nicht ohne alle Besorgnis war. Während er mit dem Zubereiten des Fisches beschäftigt war, kam eine hungrige Katze, ergriff ein Stück von dem Fische und lief mit demselben davon. Der Mann verfolgte sie; sie lief deshalb in einen engen Spalt zwischen zwei Häuser, wo sie in Sicherheit war; das Stück Fisch hielt sie fortwährend im Maule. Der Mann dachte nun, als er von der Verfolgung der Katze zu seiner früheren Beschäftigung zurückgekehrt war, daß seine Besorgniß wohl unbegründet sein müsse, denn wenn die schlaue Katze den Fisch nicht verschmähe, könne er ihm unmöglich schaden. Er begann daher, als sein Mahl fertig war, ruhig den Fisch zu verspeisen. Die Katze aber hatte, nachdem sie ihre Beute in Sicherheit gebracht, doch auch einige Bedenken gehabt. Sie kam daher aus ihrem Verstecke wieder hervor und sah zu, ob der Mann den Fisch auch wirklich verzehre. Als sie nun sah, daß er ihn wirklich aß, da zögerte sie nicht länger und fraß ihr Stück ebenfalls. Beide, Mann und Katze, starben elendiglich. So täuschen sich die schlauesten oft am allerleichtesten.
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Alt 30.07.2019, 16:10:00   #77 (permalink)
raptor230961
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Vom Fuchs, dem Affen und dem Hasen
(Japan / aus der Shintō-Religion … auch in der chinesischen Region sehr bekannt)

Während wir in der europäisch geprägten Welt den „Mann im Mond“ – das Gesicht auf dem Mond kennen sehen im asiatischen Raum die Menschen einen Hasen auf dem Mond.


In den alten Zeiten verband einen Fuchs, einen Affen und einen Hasen eine enge Freundschaft. Während sie am Tage in den Bergen miteinander spielten und gemeinsam jagten, verbrachten sie die Nacht gemeinsam im Wald. Der Herr des Himmels, Taishakuten erfuhr davon und fand dies ungewöhnlich. Er suchte, als alter Wanderer verkleidet, die drei Freunde auf. Er fand sie des Abends am Lagerfeuer und bat sie um etwas zu essen. Der Affe brachte ihm sogleich Nüsse, der Fuchs gab ihm einen Fisch. Der Hase aber fand nichts, was er dem Alten geben konnte. Als der Affe und der Fuchs den Hasen deswegen mit Schmähungen überhäuften, sprang dieser verzweifelt ins Lagerfeuer und rief: „Iss mich!“. Der Herr des Himmels war so gerührt von dieser Geste, dass er den Körper des Hasen wieder herstellte und ihn mit zum Mond nahm, wo er in Taishakutens Tempel begraben wurde. Der Rauch, den der Hase bei seiner Opferung erzeugt hatte, schlug sich auf der glänzenden Mondoberfläche nieder und ahmt noch heute seine Gestalt nach.
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Alt 31.07.2019, 18:10:28   #78 (permalink)
raptor230961
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Die Wünsche des Bauern
(eine weitere Geschichte über den „Mondhasen“ aus China)
Es war einmal ein armer chinesischer Reisbauer, der trotz all seines Fleißes in seinem Leben nicht vorwärts kam. Eines Abends begegnete ihm der Mondhase, von dem jedes Kind weiß, dass er den Menschen jeden Wunsch erfüllen kann. “Ich bin gekommen”, sagte der Mondhase, “um dir zu helfen. Ich werde dich auf den Wunschberg bringen, wo du dir aussuchen kannst, was immer du willst.” Und ehe er sich versah, fand sich der Reisbauer vor einem prächtigen Tor wieder. Über dem Tor stand geschrieben: “Jeder Wunsch wird Wirklichkeit”. “Schön”, dachte der Bauer und rieb sich die Hände, “mein armseliges Leben hat nun endlich ein Ende.” Und erwartungsvoll trat er durch das Tor. Ein weißhaariger, alter Mann stand am Tor und begrüßte den Bauern mit den Worten: “Was immer du dir wünschst, wird sich erfüllen. Aber zuerst musst du ja wissen, was man sich überhaupt alles wünschen kann. Daher folge mir!” Der alte Mann führte den Bauern durch mehrere Säle, einer schöner als der andere. “Hier”, sprach der Weise, “im ersten Saal siehst du das Schwert des Ruhms. Wer sich das wünscht, wird ein gewaltiger General; er eilt von Sieg zu Sieg und sein Name wird auch noch in den fernsten Zeiten genannt. Willst du das?” “Nicht schlecht”, dachte sich der Bauer, “Ruhm ist ein schöne Sache und ich möchte zu gerne die Gesichter der Leute im Dorf sehen, wenn ich General werden würde. Aber ich will es mir noch einmal überlegen.” Also sagte er: “Gehen wir erst einmal weiter.” “Gut, gehen wir weiter”, sagte lächelnd der Weise. Im zweiten Saal zeigte er dem Bauern das Buch der Weisheit. “Wer sich das wünscht, dem werden alle Geheimnisse des Himmels und der Erde offenbar.” sagte er. Der Bauer meinte: “Ich habe mir schon immer gewünscht, viel zu wissen. Das wäre vielleicht das Rechte. Aber ich will es mir noch einmal überlegen.” Im dritten Saale befand sich ein Kästchen aus purem Gold. “Das ist die Truhe des Reichtums. Wer sich die wünscht, dem fliegt das Gold zu, ob er nun arbeitet oder nicht.” waren die Worte des alten Mannes. “Ha!”, lachte der Bauer, “Das wird das Richtige sein. Wer reich ist, der ist der glücklichste Mensch der Welt. Aber Moment – Glück und Reichtum sind ja zwei verschiedene Dinge. Ich weiß nicht recht. Gehen wir noch weiter.” Und so ging der Bauer von Saal zu Saal, ohne sich für etwas zu entscheiden. Als sie den letzten Saal gesehen hatten, sagte der alte Mann zum Bauern: “Nun wähle. Was immer du dir wünschst, wird erfüllt werden!” “Du musst mir noch ein wenig Zeit lassen”, sagte der Bauer, “Ich muss mir die Sache noch etwas überlegen.” In diesem Augenblick aber ging das Tor hinter ihm zu und der Weise war verschwunden. Der Bauer fand sich zu Hause wieder. Der Mondhase saß wieder vor ihm und sprach: “Armer Bauer, wie du sind die meisten Menschen. Sie wissen nicht, was sie sich wünschen sollen, sie wünschen sich alles und bekommen nichts. Was immer sich einer wünscht, das schenken ihm die Götter – aber der Mensch muss wissen, was er will …”
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Alt 03.08.2019, 07:57:31   #79 (permalink)
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Der tote Mann und der Mond
(Fabel aus Äquatoria (heute Südsudan)
Ein alter Mann sah einen Toten, auf welchen der Schein des Mondes fiel. Er rief eine große Anzahl Tiere zusammen und redete sie also an: "Wer von euch als tapferen Leuten will es auf sich nehmen, diese Leiche auf das entgegengesetzte Flußufer zu tragen, und wer den toten Mond?" Zwei Arten von Kröten meldeten sich; die eine mit den langen Beinen übernahm den Mond, die andere mit den kurzen Beinen den toten Menschen. Der Trägerin des Mondes gelang ihr Unternehmen; diejenige des Menschen aber ertrank infolge der Kürze ihrer Beine.
Und das ist der Grund, weshalb der tote oder untergegangne Mond immer wieder erscheint, der Mensch dagegen, wenn er einmal tot ist, nicht mehr zurückkehrt.
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Alt 05.08.2019, 14:31:14   #80 (permalink)
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Der Ursprung des Todes
(Fabel der Nama / Südafrika, Namibia)
Einst sandte der Mond den Hasen auf die Erde nieder, um den Menschen zu verkünden, daß wie er (nämlich der Mond) hinstürbe und wieder lebendig würde, so sollte auch ein jedes Menschenkind sterben und wieder lebendig werden. Anstatt aber nun die Botschaft genau auszurichten, sagte der Hase, sei es nun aus Vergeßlichkeit oder aus Böswilligkeit, den Menschen, daß, wie der Mond erschiene und hinstürbe, so sollten auch die Menschen sterben und nicht wieder lebendig werden. Als der Hase dann zum Monde zurückgekehrt war, wurde er von demselben befragt, ob er seine Botschaft ausgerichtet habe. Wie nun der Mond erfuhr, was jener getan, ward er so zornig, daß er ein Beil ergriff, um dem Hasen den Kopf zu spalten. Da der Schlag aber zu kurz geführt wurde, so fiel das Beil auf die Oberlippe des Hasen nieder und verletzte dieselbe nicht unbedeutend. Daher stammt nun die sogenannte Hasenscharte, welche noch jetzt zu sehen ist. Da der Hase nun über eine solche Behandlung höchst empört war, so nahm er seine Nägel zu Hilfe und zerkratzte damit des Mondes Antlitz. Die dunkeln Partien nun, die wir noch jetzt an der Oberfläche des Mondes wahrnehmen, sind die Schrammen, die er bei dieser Gelegenheit erhielt.
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Alt 07.08.2019, 18:33:44   #81 (permalink)
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Der Elefant und der Hahn
(Fabel aus Äquatoria (heute Südsudan)
Eines Tages forderten der Elefant und der Hahn einander zum Wettstreit auf, wer von
ihnen ein beharrlicherer Fresser wäre. Als sie an dem vereinbarten Orte sich getroffen
hatten, machten sie sich sofort ans Werk. Gegen Mittag legte sich der Elefant gesättigt
nieder und versank im Schlaf. Nach einigen Stunden wachte er auf und bemerkte zu
seinem großen Verwundern den Hahn, wie er immer noch unter dem Grase scharrte und
pickte. Auch er begann zu fressen, und, neuerdings gesättigt, zog er sich zurück, indem
er mit stets wachsendem Staunen den Hahn Nahrung zu sich nehmen sah. Als sich die
Sonne zum Untergang wendete, beeilte sich der Hahn, sich auf den Rücken des Elefanten
zu setzen, der sich mittlerweile gelegt hatte. Kurze Zeit verstrich, da fühlte der Elefant
Stiche auf seinem Rücken. "Was machst du da?" rief er halb erschreckt. "Nichts; ich
nähre mich von den Insekten, die ich in den Borsten deiner Haut finde." Entsetzt über
eine derartige ausdauernde Gefräßigkeit, erhob sich der Elefant und suchte wie ein Narr
das Weite.
Und seit diesem Tage flieht der Elefant stets, wenn er das Krähen des Hahnes hört.
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Alt 09.08.2019, 19:28:26   #82 (permalink)
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Die Schlange
(Fabel aus Südafrika / Namibia)
Es war einmal ein Weißer, so erzählt man, der traf eine Schlange,auf die ein großer Stein gefallen war, so daß sie sich nicht aufrichten konnte. Da hob der Weiße den Stein von der Schlange auf. Als er ihn aber aufgehoben hatte, wollte die Schlange ihn beißen. Der Weiße sagte jedoch: "Halt! Laß uns beide erst zu klugen Leuten gehen!" So gingen sie denn und kamen zur Hyäne. Die fragte der Weiße. "Ist es auch wohl recht, daß die Schlange mich nun beißen will, obwohl ich ihr half, da sie hilflos unter dem Steine lag?" Die Hyäne erwiderte: "Nun, was wäre das denn Großes, wenn du gebissen würdest?" Da wollte ihn die Schlange beißen, aber der Weiße sprach wieder: "Warte erst und laß uns zu andern klugen Leuten gehen, damit ich höre, ob es auch recht ist!" Als sie weitergingen, trafen sie den Schakal. Da redete der Weiße den Schakal an: "Ist's auch wohl recht, daß die Schlange mich beißen will, obschon ich den Stein aufhob, der auf ihr lastete?" Der Schakal erwiderte: "Ich kann es mir gar nicht vorstellen, daß die Schlange so vom Stein bedeckt sein konnte, daß sie nicht imstande war aufzustehen. Nur wenn ich's mit meinen eignen Augen sähe, würde ich's glauben. Kommt, wir wollen uns auf den Weg machen und zusehen, ob's möglich ist." So machten sie sich denn alle auf und gingen nach der Stelle, wo es geschehen war. Dort angekommen sprach der Schakal: "Schlange, lege dich nieder und laß dich mit dein Stein bedecken." Da legte der Weiße den Stein auf sie, und, obschon sie sich sehr anstrengte, konnte sie doch nicht aufstehen. Der weiße Mann wollte den Stein wieder aufheben, aber der Schakal sprach: "Laß sie nur liegen, sie wollte dich ja beißen; sie mag allein aufstehen!"
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Alt 12.08.2019, 07:18:44   #83 (permalink)
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Warum hat der Schakal einen langen schwarzen Streifen auf dem Rücken?
(Fabel aus Südafrika / Namibia)
Die Sonne, so erzählt man, befand sich einst auf der Erde. Die Menschen waren damals gerade im Umzug begriffen und sahen sie wohl am Wege sitzen, gingen aber, ohne sie zu beachten, vorüber. Der Schakal aber, der hinter ihnen herkam und die Sonne auch dasitzen sah, ging zu ihr heran und sprach: "Solch ein hübsches Kindlein lassen die Menschen zurück?" Er hob die Sonne dann auf und steckte sie in das Awafell, das er auf dem Rücken trug. Da es ihn aber brannte, so sprach er: "Komm herab!" und schüttelte sich; die Sonne klebte aber auf seinem Rücken fest und brannte von dem Tag an des Schakals Rücken schwarz.
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Alt 14.08.2019, 18:25:18   #84 (permalink)
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Rabe und Fuchs
(Äsop – griechischer Dichter, ca 6. Jahrhundert)
Ein Rabe hatte einen Käse gestohlen, flog damit auf einen Baum und wollte dort seine Beute in Ruhe verzehren. Da es aber der Raben Art ist, beim Essen nicht schweigen zu können, hörte ein vorbeikommender Fuchs den Raben über dem Käse krächzen. Er lief eilig hinzu und begann den Raben zu loben: »O Rabe, was bist du für ein wunderbarer Vogel! Wenn dein Gesang ebenso schön ist wie dein Gefieder, dann sollte man dich zum König aller Vögel krönen!« Dem Raben taten diese Schmeicheleien so wohl, dass er seinen Schnabel weit aufsperrte, um dem Fuchs etwas vorzusingen. Dabei entfiel ihm der Käse. Den nahm der Fuchs behänd, fraß ihn und lachte über den törichten Raben.
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Alt 15.08.2019, 19:08:51   #85 (permalink)
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Vom Fuchs und Hahn
(Äsop – griechischer Dichter, ca 6. Jahrhundert)
Ein hungriger Fuchs kam einstmals in ein Dorf und fand einen Hahn; zu dem sprach er also: »O mein Herr Hahn, welche schöne Stimme hat dein Herr Vater gehabt! Ich bin darum zu dir hierher gekommen, dass ich deine Stimme hören möchte. Darum bitt ich dich, dass du mir singst mit lauter Stimme, damit ich hören möge, ob du eine schönere Stimme habest oder dein Vater.« Da erschwang der Hahn sein Gefieder, und mit geschlossenen Augen fing er an, auf das lauteste zu krähen. Indem sprang der Fuchs auf und fing ihn und trug ihn in den Wald. Als das die Bauern gewahr wurden, liefen sie dem Fuchs nach und schrien: »Der Fuchs trägt unsern Hahn fort!« Als der Hahn das hörte, sprach er zu dem Fuchs: »Hörst du, Herr Fuchs, was die groben Bauern sagen? Sprich du zu ihnen: 'Ich trage meinen Hahn und nicht den euern'.« Da ließ der Fuchs den Hahn aus dem Maule und sprach: »Ich trage meinen Hahn und nicht den euern.« Indem flog der Hahn auf einen Baum und sprach: »Du lügst, Herr Fuchs, du lügst, ich bin des Bauern, nicht dein.« Da schlug der Fuchs sich selbst mit den Händen aufs Maul und sprach: »O du böses Maul, wie viel schwätzest du? wie viel redest du Unnützes? Hättest du jetzt nicht geredet, so hättest du deinen Raub nicht verloren.«
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Alt 17.08.2019, 18:04:44   #86 (permalink)
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Der wilde Hund
(Äsop – griechischer Dichter, ca 6. Jahrhundert)
Ein wilder Hund fror im Winter jämmerlich. Er kroch in eine Höhle, rollte sich zusammen, zitterte vor Kälte und sprach vor sich hin: "Wenn es nur wieder Sommer und warm wird, dann will ich mir eine Hütte bauen, damit ich im nächsten Winter nicht mehr frieren muß." Als aber der Sommer mit seiner wohltuenden Wärme kam, hatte er seine guten Vorsätze vergessen. Er lag da, reckte und streckte sich, blinzelte behaglich in die Sonne und dachte nicht mehr daran, sich eine Hütte zu bauen. Der nächste Winter war bitter kalt, und der Hund mußte erfrieren.
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Alt 19.08.2019, 15:53:52   #87 (permalink)
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Das Schwein und die Eiche
(Iwan Krylow / 1768-1844)
Gefräßig füllt sich seinen Wanst ein Schwein mit Eicheln unter knorrig-altem Baum, grunzt vollgefressen, schläft behaglich ein, erwacht dann wieder, reibt am Stamm den Leib, wühlt nach den Wurzeln so zum Zeitvertreib. Da krächzt ein Rabe hoch vom Ast: "Ist das der Dank für diese Mast? Mißhandelst du die Wurzeln, muß der Baum verdorren!" "Was kümmert's mich!" grunzt faul das Schwein, "hab keine Liebe zu solch altem Knorren! Will meinen Spaß im Sonnenschein, brauch Wurzeln, drin zu wühlen, Eicheln, gut zu fressen, doch weder Baum noch Ast, hab niemals drauf gesessen!" Und wieder krächzt der Rabe: "Dummes Schwein, du kannst nicht Wurzeln für den Rüssel, Eicheln für den Wanst, den ganzen Spaß nicht haben, ohne lebendigen Baum und seine grüne Krone!" Auch mancher Mensch kennt nur dies eine Maß: das eigne Wühlen, nur den eignen Fraß; doch dies ist immer dumm und unverschämt, weil es die menschliche Gemeinschaft lähmt.
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Alt 21.08.2019, 17:03:18   #88 (permalink)
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Der Affe
(Frei nach Babrios / griechischer Fabeldichter ca. 200 n. Chr.)
Ein Affe kam aus dem Walde an den Meeresstrand und beobachtete einen Fischer, wie er erst das gefüllte Netz aus dem Wasser holte und es dann zum Trocknen in der Sonne ausbreitete. Als der Mann nach Hause gegangen war, eilte der Affe hinzu, nahm das Netz, sprang damit in das Fischerboot und warf es von dort aus. Dabei zeigte er sich so ungeschickt und eifrig, daß sein Kopf sich in den Masschen verfing und das ganze Tier mit in die Tiefe gerissen wurde. Da ein Affe nicht schwimmen kann, mußte er ertrinken. Den nahen Tod vor Augen, seufzte er: "Das Zusehen allein genügt doch nicht, um eine Arbeit zu verstehen."
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