Alt 06.12.2018, 10:41:09   #1 (permalink)
Nicoletta34346
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Standard Bessere Welt? Das Modell der Alternativen Hegemonie: Die unsichtbare Hand der Erziehung zum Guten

In vielen Wissenschaftsnetzwerken wird im Moment ein neues Modell heiß diskutiert, dass den Kapitalismus zügeln und umleiten soll:

Das Modell der Alternativen Hegemonie: Die unsichtbare Hand der Erziehung zum Guten.


Beispielsweise hier, wo es kostenlos - auf deutsch und englisch - abrufbar ist: https://www.academia.edu/37859436/Da...hung_zum_Guten

Ich finde die Idee tatsächlich interessant und würde sie deswegen gerne vorstellen, da auch ich der Meinung bin, dass wir etwas tun müssen.

Folgende (sehr grobe) Zusammenfassung habe ich von der Seite www.understandandchange.com der Erich von Werner Society übernommen. Ich denke, sie fasst das Ganze aber ordentlich zusammen:



Das Alternative Hegemonie Modell (AH-Modell)
Die unsichtbare Hand der Erziehung zum Guten



Was ist die Grundidee des Alternative-Hegemonie-Modells (AH-Modell)?

Das AH-Modell ist eine Evolution des bisherigen internationalen Politik-und-WirtschaftsSystems. Es entwickelt dieses weiter, behält bestehende Strukturen bei und leitet negativ wirkende Dynamiken um. Das AH-Modell erzieht Staaten, als auch Unternehmen zu einem werthaltigen Verhalten. Es belohnt dieses Verhalten und bestraft negative Abweichungen.

Durch diese Anreize ist positives Verhalten profitabel und nachhaltig. Dabei macht sich das AH-Modell die gleichen Kräfte zu nutzen, die in einem kapitalistischen System herrschen, leitet sie aber in eine neue Richtung: Aus der unsichtbaren Hand des Markts, wird die unsichtbare Hand der Erziehung.

Dieses gelingt über eine Bündelung der technologischen Forschungs- und Entwicklungsarbeit in neueingerichteten Technologiezentren. Besagte Technologiezentren bündeln wissenschaftliche Kompetenz, entwickeln und testen nachhaltige Technologie zur konkreten Nutzung in den Mitgliedsländern. Die Produktion und Verteilung übernehmen kooperierende Unternehmen, die weiter nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten tätig sind. Umgesetzt und finanziert wird das AH-Modell über einen AH-Fonds. Der AH-Fonds wird Eigentümer und Marktteilnehmer. Er übernimmt die Rolle eines nachhaltigen Superkonzerns, der durch einen Vorstand, analog einer Aktiengesellschaft, geleitet wird. Kontrolliert wird der AH-Fonds-Vorstand durch ein Gremium („Aufsichtsrat“), das sich aus Mitgliedern einzelner Länder zusammensetzt und den nationalen demokratischen Instanzen sowie der Geberkonferenz zur Rechenschaftslegung verpflichtet ist.

Die entwickelten Technologien werden nur den Märkten jener Staaten zur Verfügung gestellt, die ein positives und nachhaltiges Verhalten („Mindestkriterien“) aufzeigen. Die Erfüllung der Kriterien ist auch Voraussetzung, um am AH-Fonds beteiligt zu werden. Besagte Kriterien (z.B. Menschenrechte, Pressefreiheut, soziale Standards usw..) werden stetig überwacht. Staaten, die sich den Kriterien verweigern werden vom technologischen Fortschritt ausgeschlossen, aber indirekt durch die unsichtbare Hand der Erziehung zur freiwilligen Anpassung ermuntert. Dadurch, dass Nationalstaaten, Warenwirtschaftssysteme oder kulturelle Besonderheiten erhalten bleiben, ist von einer allgemeinen Akzeptanz der Bevölkerung auszugehen, die wiederum für ihr positives und friedliches Verhalten belohnt wird.

Die Finanzierung erfolgt über eine prozentuale Abgabe des Bruttosozialproduktes. Weitere Einnahme rühren durch Lizenzvergaben. Der AH-Fonds vergibt Nutzungs- und Produktionslizenzen an kooperierende, Kriterien einhaltende Unternehmen gegen Entgelt. Die Unternehmen beliefern die festgelegten Märkte. Sie werden bei diesen Produkten reglementiert. Damit werden nachhaltige Technologien und der Fortschritt über bekannte Vertriebswege eingestreut.

Durch die reine Marktmacht des AH-Fonds, sowie Exklusivität, werden bestehende Unternehmen zur Kooperation hin erzogen. Diese Marktmacht wird auch für die Beschaffung von Ressourcen (Wissenstransfer, Personal usw.) eingesetzt. Für Staaten und Unternehmen gilt gleichermaßen: Sie werden sich weiter egoistisch verhalten und einen maximalen Nutzen für sich herbeiführen wollen. Nun aber, verheißt positives Verhalten, d.h. Kooperation und Erfüllung der Kriterien, Profitmaximierung und maximalen Nutzen. Daher passen sich Staaten und Unternehmen großenteils freiwillig an. Die Kräfte des Marktes werden in eine positive Richtung gelenkt. Die unsichtbare Hand der Erziehung wirkt und sie ist das zentrale Element des AH-Modells.

Durch dieses werthaltige Verhalten und der Entwicklung des Fortschrittes sollen die zentralen Probleme des Planeten gelöst oder zumindest eingedämmt werden. Diktaturen und Autokratien werden langfristig zum Auslaufmodell. Es entsteht eine neue Weltgemeinschaft, die auf kulturelle Besonderheiten Rücksicht nimmt und trotzdem zukunftsgewandt ist. Eine alternative Hegemonie, die zum Guten erzieht.


Wie sähe der Fahrplan des AH-Modells aus?

Phase 0 (2019 – 2023)
• Verbreitung der Idee des AH-Modells
• Versuch des Startens einer Volksbewegung • Überzeugung von prominenten Fürsprechern
• Lobbyarbeit bei Regierungen und Unternehmen
• Ausarbeitung der Mindestkriterien für Staaten und Unternehmen
• Abklären der rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Dimension des Modells
• Dauerhafte Propaganda-Offensive

Phase 1 (2023 – 2025)
• Erste Geberkonferenzen o Teilnehmende Staaten müssen Mindestkriterien erfüllen
o Autokratien und Diktaturen bleiben ausgeschlossen
o Stufenmodell für Zwischenstaaten denkbar
• Finanzierung und Kontrollmechanismen sowie Forschungs- und Entwicklungsziele werden festgelegt
• Erste Mitarbeiter- und Wissensbeschaffung
• Erste Gespräche mit Unternehmen • Auflage des AH-Fonds

Phase 2 (2025 – 2030)
• AH-Fonds errichtet erstes Technologiezentrum
• Nutzen der Marktmacht, um Wissens- und Personaltransfer einzuleiten
• Kooperationsvereinbarung mit Unternehmen, die Nachhaltigkeitskriterien (Produktionsbedingungen, Umweltschutz usw..) erfüllen oder dieses anstreben
• Beginn der Forschungs- und Entwicklungsarbeit

Phase 3 (ab 2030)
• AH-Fonds ist kapitalgewaltiger Marktteilnehmer
• Forschungs- und Produktionslizenzvergabe an kooperierende Unternehmen
• Lizenz nur für werthaltige Staaten • Überwachung der Lizenzen; ggf. Entzug
• Stopp des technologischen Transfers bei Verstoß gegen Mindestkriterien
• Der Erziehungsmechanismus wirkt („unsichtbare Hand der Erziehung“)

Phase 4 (ab 2033)
• Neue Technologien bewirken Boom in teilnehmenden Staaten
• „Kapitalistische Auswüchse“ verschwinden
• Die bisherige Marktwirtschaft bleibt aber erhalten
• Einschränkungen betreffen nur die Lizenzen, zwingen aber zu werthaltigem unternehmerischen Verhalten
• Diese Staaten werden zu Leuchttürmen und Sehnsuchtsorten für technologisch rückständige Gebilde • Bevölkerung der „Nichterfüller“ nimmt Rückstand wahr
• Druck auf „Nichterfüller-Regierungen“
• Nationalstaaten werden daher zu Werten und zur Nachhaltigkeit erzogen
• Die unsichtbare Hand der Erziehung entfaltet totale Wirkung

Phase 5 (ab 2060)
• Autokratien und Diktaturen gibt es nicht mehr
• Nationalstaaten und kulturelle Integrität werden nicht in Frage gestellt, werden aber durch das Anreizsystem in eine positive Richtung gesteuert. Daher ist ein hohes Identifikationspotential gegeben
• Daher Versöhnung des Internationalismus mit dem Patriotismus
• Forschung- und Entwicklung wird nicht mehr durch den Gedanken der Profitmaximierung eingeschränkt
• Das AH-Modell hat große Probleme gelöst (z.B. Klimaproblematik, Umweltschutz, Demokratieprobleme, Kriege) und kann nun weitere angehen (z.B. Überbevölkerung oder globaler Hunger)

Finanzierung
• 2% des BIP der Mitglieder
• Alternative Beteiligung der Bevölkerung z.B. über das Altersvorsorgesystem
• Alternative Beteiligung von nachhaltigen Unternehmen denkbar
• Einnahmen aus Lizenzvergaben
• Einnahmen aus aufgekauften Unternehmen (z.B. über Aktienbeteiligungen)

Kontrolle und Vermeidung von Machtmissbrauch
Der AH-Fonds wird wie ein Unternehmen geleitet und durch einen bestellten Vorstand geführt. Der Vorstand ist dem Aufsichtsrat Rechenschaft schuldig, dessen Mitgliedern von den Geberländern berufen werden. Der Aufsichtsrat ist der Geberkonferenz, der Öffentlichkeit und den nationalen Parlamenten Rechenschaft schuldig. Zudem gibt es gesonderte Transparenzpflichten. Innerhalb des Fonds wird zusätzlich eine unabhängige Stelle installiert, welche die Mindestkriterien für Staaten und Unternehmen überwacht. Der Vorstand ist dieser gegenüber nicht weisungsbefugt.

Umsetzbarkeit
Realistisch, da weitaus tiefergehende Kooperationen (z.B. Europäische Union, Weltbank, Internationale Währungsfonds) bereits realpolitisch durchgesetzt wurden und es sich nicht um eine Revolution, sondern um eine Evolution zum Vorteil der Bevölkerung handelt: Erziehung zum Guten.

Fazit
Das Alternative-Hegemonie-Modell ist mehr als nur ein Regierungsmodell. Das alleine würde an den bestehenden Strukturen scheitern. Es ist allumfassend und eine Idee. Mit ihm beginnt eine neue Zeit. Es erhält und entwickelt weiter. Letztendlich ist das AH-Modell die bessere unsichtbare Hand: Alternative Hegemonie durch Technologie und Erziehung zum Guten.


Was denkt ihr? Ich und viele halten die Idee für verbreitungswürdig und mache das hier auch.
 
Nicoletta34346 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.12.2018, 19:30:05   #2 (permalink)
darkkurt PREMIUM-User
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Klingt ein bisschen nach der neoliberalen Version des Sozialismus...
darkkurt ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.12.2018, 19:44:32   #3 (permalink)
Wasweissdennich
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Klingt für mich nicht so als ob dieses Modell der Realität stand halten könnte. Genauso gut könnte man den Kommunismus perfekt planen und am Ende wird er ganz Schnöde an den menschlichen Schwächen scheitern.
 
Wasweissdennich ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.12.2018, 12:56:43   #4 (permalink)
Nicoletta34346
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Zitat:
Zitat von darkkurt Beitrag anzeigen
Klingt ein bisschen nach der neoliberalen Version des Sozialismus...
Oder eine soziale Form des Kapitalismus?
 
Nicoletta34346 ist offline Threadstarter   Mit Zitat antworten
Alt 07.12.2018, 12:57:15   #5 (permalink)
Nicoletta34346
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Reg: 06.12.2018
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Zitat:
Zitat von Wasweissdennich Beitrag anzeigen
Klingt für mich nicht so als ob dieses Modell der Realität stand halten könnte. Genauso gut könnte man den Kommunismus perfekt planen und am Ende wird er ganz Schnöde an den menschlichen Schwächen scheitern.
Theorie und Praxis sind natürlich immer zweierlei und dass der Praxis viel Arbeit bevorsteht, ist auch klar.
 
Nicoletta34346 ist offline Threadstarter   Mit Zitat antworten
Alt 07.12.2018, 12:58:37   #6 (permalink)
Nicoletta34346
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Reg: 06.12.2018
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In einem anderen Forum habe ich eine schönere Beschreibung gefunden. Vielleicht macht das die Sache plastischer:


1. Es geht um die Auflage eines Fonds, der demokratisch legitimiert ist, weil er von demokratisch legitimierten Regierungen finanziert und indirekt kontrolliert wird. Solche internationalen Einrichtungen sind keine Seltenheit und existieren. Beispiel sind die EU und die UNO. Wer behauptet, das hier eine Diktatur entsteht, muss daher zwangsläufig auch der Meinung sein, dass EU und UNO eine Diktatur sind. Der Fonds wird von einem Aufsichtsratmodell kontrolliert. Gegebenfalls kann man die Aufsichtsräte auch wählen lassen, wenn die indirekte Legitimation durch die Regierungen nicht demokratisch genug ist.

2. An dem Fonds sind nur Nationen beteiligt, die Mindeststandards erfüllen. Zu denen gehören u.a. Menschenrechte, Demokratie usw.. dafür gibt es bereits heute verlässliche Indizies, die auch angewandt werden. Gewisse Länder bleiben damit bewusst ausgeschlossen. Dass sich Bündnisse in Institutionen bündeln ist auch keine neue Erfindung. Oder gibt es die Nato nicht? Oder die EU? Auch daran ist nichts nebulös.

3. Der Fonds erhält Kapital und einen klaren Auftrag: Die Förderung von nachhaltigen Technologien mit dem Schwerpunkt Forschung und Entwicklung. Dafür braucht der Fonds Personal und Know-How. Die nimmt er sich nicht mit Gewalt. Wieder falsch. Er nutzt sein Kapital und seine Marktmacht, um das zu erwerben. Er kann auch Aktienmehrheiten aufkaufen und so Unternehmen teilweise oder ganz übernehmen. Er kann Personal abwerben oder Patente lizensieren. Die Möglichkeiten sind vielfältig und auch daran ist nichts nebulös.

4. Mit seinen Möglichkeiten leistet er Arbeit in Forschung und Entwicklung. Bei der Produktentwicklung und dem Vetrieb kooperiert er im Idealfall mit Unternehmen. Allerdings nur mit solchen, die ebenfalls Mindeststandards nachweisen (z.B. gute Arbeitsbedingungen, Löhne, Rechte). Auch wieder Dinge, die quanititativ messbar sind. Nichts nebulös. Diese Lizenzieren und Endentwickeln dann und zahlen dafür entsprechende Lizenzgebühren. Nichts daran ist nebulös.

5. Die Unternehmen werden daher für eine werthaltige Struktur belohnt und profitieren. Dementsprechend werden sich Unternehmen auch so verhalten, dass sie Kooperationspartner werden können. Sie müssen das aber nicht tun, stehen aber dann im Wettbewerb. Das ist etwas, was ein Gewinnmaximiertes Unternehmen eher nicht tun wird, oder? Es gibt keinen Zwang, aber reiner Egoismus wird sie zur Kooperation treiben.

6. An diesem Punkt kann man überlegen, wie weite die Kooperation gehen soll. Möchte man auch Forschung und Entwicklung zusammenlegen? Solche Bündnisse gibt es in der Wirtschaft und auch auf Länderebene. Airbus wäre so ein Beispiel zwischen Deutschland und Frankreich. Oder möchte man das als Unternehmen nicht? Die Möglichkeiten sind groß.

7. Die Einnahmen des Fonds können schließlich an die beteiligten Staaten ausgeschüttet werden und werden irgendwann die Einzahlungen übersteigen. Damit können dringende Probleme im Bereich Entwicklung, Rente oder Pflege angegangen werden. Das Geschäft lohnt sich daher am Ende für die beteiligten Staaten. Im Vergleich dazu sind Uno oder EU für viele tendenziell eher ein krasses Verlustgeschäft.

8. Was ist denn jetzt mit Ländern, die nicht mitspielen dürfen? Die müssen sich verändern, um zu partizipieren oder sich dem Wettbewerb stellen. Den werden sie wahrscheinlich gegen so eine Übermacht verlieren, aber auch heute verliert Nordkorea immer. Die Hoffnung ist, dass eine solche Situation zu Reformen in diesen Ländern führt, denn sie haben eine klare Perspektive, wie sie die Situation verbessern können und das macht Druck. Was ist daran schlimm? Machen wir das nicht immer schon so? Nur, ist der Druck ein zahnloser Tiger, denn man hat nichts zu geben. Das AH-Modell aber schon und zwar in konkreter Münze. Das ist die unsichtbare Hand der Erziehung, die zum Gute führt.

9. Wird irgendeinem Land die Autonomie genommen? Nein, denn der Fonds greift in nationale Belange überhaupt nicht ein, wenn man von den Mindestkriterien mal absieht, die hoffentlich in der westlichen Welt immer gelten. Der Nationalstaat kann bestehen bleiben, ebenso die EU.
 
Nicoletta34346 ist offline Threadstarter   Mit Zitat antworten
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