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Alt 13.10.2020, 10:44:50   #286
raptor230961
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„Blut ist dicker als Wasser“ / „Blut ist dicker als Tinte“
Bedeutung: Heute bedeuten beide Redewendungen, daß (Bluts-)Verwandte für einen bei einer Entscheidung wichtiger sein sollte, als angeheirateten Familienmitglieder, Freunde oder gar Fremde. Blutsverwandte haben immer den Vorrang und sind wichtiger als andere Bekannte.


Herkunft: Ursprünglich in der vorchristlichen Zeit bedeutet die Redewendung „Blut ist dicker als Wasser“ aber genau das Gegenteil: Das „Blut“ kommt aus den Zeiten des „Blutvertrags, bei dem zur Besiegelung ein Tier geschlachtet wurde. Der Gedanke hinter dem Tieropfer: Der „Blutvertrag“ – die Tieropferung – erinnert an die an die Opferung in den Tempeln für die Götter / den Gott. Der Blutverrag ist „heiliger“ und schwerer zu brechen, als nur das „Ehrenwort“ oder ein mündlicher Vertrag.
Das „Wasser“ – und damit ist das „Geburtswasser“ / „Fruchtwasser“ meint die Geburt, die Blutverwandschaft.
Der ältere Sinn ist also: Bei einer Entscheidung soll die Gerechtigkeit wichtiger sein, als ein Blutsverwandter. Der Blutvertrag – und damit das Recht - soll stärker sein als die Bindung an Blutsverwandte.

Bei „Blut ist dicker als Tinte“: Dieser Spruch kommt aus der Rechtsprechung. Sie ist neuer als der vorige Spruch – und vertritt auch schon den neueren Sinn. Hier geht es vor allem um das Erbschafts-Recht. Die Familie sollte als das wichtigste gelten. Aber sobald es um das Geld geht – sobald es um das Erbe geht – hört die „Freundschaft“ auf! Die Redewendung soll darauf hinweisen, daß die Verwandtschaft – das „Blut“ wichtiger sein sollte, als die „Tinte“ der juristischen Verträge.
Der Sinn: Die Familie sollte immer zusammenhalten.
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Alt 14.10.2020, 07:55:38   #287
raptor230961
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„eine Sache ist gegessen“; „der Käse / Kuchen ist gegessen“
Bedeutung: Eine Tätigkeit ist beendet, eine Sache erledigt.

Herkunft: Diese Redewendung zeigt eigentlich das Ende einer Mahlzeit an. Im Volksmund wurde der Spruch verallgemeinert und auf diverse andere Bereiche übertragen. Die Veränderung mit "Käse" und "Kuchen" sind eigentlich eher selten. Varianten, die mit diesen „Luxus-Nahrungsmitteln“ tauchten vor allen in schlechten Zeiten auf. Bei Seuchen, Kriegsfällen, Ernteausfällen. Früher war es für die Bevölkerung (einfache Arbeiter) selbst in guten Zeiten nur illusorisch, auch nur von solchen Speisen, wie Käse oder gar Kuchen zu träumen. Die Redewendung setzte sich so immer mehr für die Beendigung einer anderen Tätigkeit als einer Mahlzeit durch.
In einigen Fällen finden sich auch Varianten mit anderen Gerichten.
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Alt 15.10.2020, 07:22:01   #288
raptor230961
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„ins Gras beißen“
Bedeutung: Kurz formuliert: „unfreiwillig sterben“.

Herkunft: Der Spruch wird bereits in der „Ilias“, in der „Aeneis“ und im alten Testament erwähnt. Die Redewendung „ins Gras beißen“ tritt verstärkt in deutscher Sprache im 17. Jahrhundert (30 jähriger Krieg) in der Bedeutung „(im Kampf) sterben“ auf. Man vermutete zudem im Verb „beißen“ in der Redewendung ein mittelhochdeutsches „baißen“. Dieses hatte die Bedeutung: „vom Pferd absteigen“ – hier also "vom Pferd ins Gras fallen".

Die Redewendung kommt ebenfalls daher, daß man bei starken Schmerzen die Zähne aufeinander beißt. Früher bissen verwundete Soldaten während einer Behandlung auf Leder, Holz, … oder eben auf die puren Zähne. … und daß so stark, daß dabei sogar Zähne abbrachen. Trotz der Behandlung starben die Soldaten meist an Wundbrand oder an Entzündungen. Ohne die Kenntnis von Bakterien - zu Zeiten als Barbiere oder Schmiede die Aufgaben der heutigen Ärzte versahen - wurde unbewußt die Hygiene vernachlässigt. Hier ist die Bedeutung, daß der Soldat nach der Operation (dem "Beißen") trotzdem unter die Grasnarbe kommt.
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Alt 16.10.2020, 15:53:17   #289
raptor230961
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„die Sau rauslassen“
Bedeutung: Wie es wohl jeder weiß - die Bedeutung für diese Formulierung ist: „Es mal wieder richtig „krachen lassen“ – kräftig feiern – sich hemmungslos gehen lassen.

Herkunft: Im Mittelalter gab es ein Kartenspiel, das einer der Vorläufer des heutigen „Skat-Spiels“ war. Hier waren die höchsten Karten das „Daus“ oder oft auch die „Sau“ genannt. Wer nun aus seinen aufgenommenen Karten die höchste Karte des Spiels ablegte – der „holte die Sau raus“.

In anderen Quellen geht es um die Studentenstreiche. Schon immer übten Kinder, Jugendliche und vor allem betrunkene Studenten kleine Streiche aus. Ein beliebter Streich war, wenn sie mitten in der Nacht auf dem Heimweg von der Zechtour an den Schweineställen vorbei kamen. Sie öffneten die Stalltüren und ließen die Schweine raus – „die Sau rauslassen“.

Eine weitere beliebte Tradition war, wenn man größere Feste feiern wollte. Da es in den kleinen Häusern im Mittelalter keine größeren Räumlichkeiten gab ließ man zu diesem Zweck die Schweine aus dem Stall. So konnte man vor dem Wetter geschützt kräftig feiern, wenn man „die Sau rausgelassen" hatte.

Die vierte Variante ist die mittelalterliche „Müllabfuhr“: Es gab einfach im Mittelalter keine Müllabfuhr. Die Straßen der Ortschaften und der Städte dienten der Bevölkerung als Müllhalde. Jeder warf seinen Müll und seine Fäkalien einfach vor die Tür oder aus dem Fenster. Das war dann auch der Grund dafür, daß sich bei der "Mode" zu jener Zeit die Kleidung vor allem braun oder schwarz gefärbt wurde. Bei der "oberen Gesellschaft" trug die Damenwelt schöne Kleider, die unten einen braunen Saum (einem unten herum laufenden "Streifen") besaß. Bei dem Dreck und den Fäkalien auf der Straße sah man bei dem Kontakt die Verschmutzung nicht so deutlich. Das Schuhwerk befand sich auf Oberschuhen - kleinen hölzernen „Stelzen“ („Trippen“ / das sind hölzerne Schuhe, die unter den normalen Schuhen getragen wurden - siehe Bild). War die Straße überfüllt wurden "die Schweine raus gelassen". Diese fraßen nun den Großteil des Mülls und die Straßen waren wieder ein wenig sauberer.


Ein paar "Trippen"
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Alt 17.10.2020, 07:01:40   #290
raptor230961
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„ei der Daus!“
Bedeutung: Ein Ausruf der Verwunderung, des Erstaunens – oder auch einer Verärgerung.

Herkunft: Wie bereits bei „die Sau rauslassen“ geschrieben: Im 15. Jahrhundert gab es ein Kartenspiel, das einer der Vorläufer des heutigen „Skat-Spiels“ war. Hier war die höchste Karte das „Daus“ oder oft auch die „Sau“ genannt…

Ein „Daus“ ist eigentlich ein Betrüger – in den Niederlanden auch der Teufel selber. (Die Quelle für den Begriff „Teufelskerl“.) Der „Daus“ kommt aus dem „Gallischen“ Raum (ungefähr heutiges Frankreich) und bedeutet ursprünglich „Dämon“ - im Mittelalter der „dusius“. In einer überraschenden Wendung ist der angerufene „Daus“ als Satan gemeint. Auch wird das verwandte „Dus un Düwel!“ („Tausend und Teufel“) bzw. „tausend Teufel noch Mal“ oder „Potz Dus!“ („Potz Tausend“) teilweise selbst heute noch verwendet.

Im 19. Jahrhundert waren umgangssprachlich noch „wie ein Daus“ oder die Verniedlichungen „wie ein Däuschen“ oder „geputzt wie ein Däuschen“ zur Bezeichnung für einen niedlichen oder vortrefflichen Menschen gebräuchlich.
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Alt 18.10.2020, 08:36:46   #291
raptor230961
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„Teufelskerl“
Bedeutung: Ein „Teufelskerl“ ist ein „Draufgänger“ (Bedeutung von „auf etwas losgehen), ein „Heißsporn“, ein „Haudegen“. Er ist ein Mensch, der sich kurz entschlossen, beherzt, teilweise unüberlegt und rücksichtslos auf eine Sache einlässt. Der „Teufelskerl“ ist ein Mann, der wegen seiner Tollkühnheit, seines Draufgängertums von allen bewundert wird.

Herkunft: Wie bereits in „Ei der Daus“ geschrieben: Ein „Daus“ ist eigentlich ein Betrüger – in den Niederlanden auch der Teufel selber. (Die Quelle für den Begriff „Teufelskerl“.) … Im 19. Jahrhundert waren umgangssprachlich noch „wie ein Daus“ oder die Verniedlichungen „wie ein Däuschen“ oder „geputzt wie ein Däuschen“ zur Bezeichnung für einen niedlichen oder vortrefflichen Menschen gebräuchlich.
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Alt 19.10.2020, 07:49:19   #292
raptor230961
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„Kopf und Kragen riskieren“
Bedeutung: Man wagt etwas sehr gefährliches. Man riskiert dabei sein Leben.

Herkunft: „Kopf und Kragen“ ist eine „Zwillingsformel“ (auch Paarformel genannt). Hier werden zwei Worte mit einander verbunden, die mit dem selben Buchstaben beginnen. Man spricht auch von einem „Stabreim“ oder einer „Alliteration“.
Der Spruch „Kopf und Kragen riskieren“ kommt dabei aus der mittelalterlichen Rechtsprechung. Dabei entspricht der „Kragen“ vom Sinn her dem Hals und Nacken. Der damit gemeinte Sinn „Kopf und Hals riskieren“ vertritt somit die Hinrichtungsart, in der der Henker mit einer Axt oder mit einem Schwert den Verurteilten am Hals den Kopf abschlägt. Wer ein schweres Verbrechen beging – der riskierte im wahrsten Sinne des Wortes „Kopf und Kragen“. Dabei galt das „Köpfen“ noch als ein „humanes“ Urteil. Der Adel, die gehobene Klasse und berühmte Verbrecher wurden geköpft. Soldaten, die einfachen Bürger und Leibeigene hingegen meist gehängt –„Ketzer“ und „Hexen“ lebendig verbrannt.
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