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Zwölf Jahre Haft für «Bombenleger von Viernheim»

«Bombenleger von Viernheim» am Tag der TatGroßansicht
Darmstadt (dpa/lsw) - Der sogenannte Bombenleger von Viernheim muss zwölf Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Darmstadt verurteilte den 45-Jährigen am Montag wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen Waffengesetze.

Der Handwerker hatte gestanden, im vergangenen August in Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) und im südhessischen Viernheim (Hessen) - in Militärkleidung und mit Gasmaske - Sprengsätze gegen zwei Häuser geworfen und um sich geschossen zu haben. Zwei Menschen wurden dabei verletzt. Die Staatsanwaltschaft hatte 13 Jahre Haft wegen versuchten Mordes gefordert. Die Verteidigung hatte kein Strafmaß genannt. Keine der Parteien kündigte Revision gegen das Urteil an.

«Sie sind eine gefährliche Person. Sie haben einfach mal den Dicken machen wollen», sagte der Vorsitzende Richter Volker Wagner in seiner knapp einstündigen Urteilsbegründung. «Sie können froh sein, dass nicht mehr passiert ist.» Richter Wagner erklärte ausführlich, dass die Kammer den Mordversuch nur knapp als nicht gegeben ansah. «Wenn er Menschen hätte töten wollen, hätte er es problemlos gekonnt», sagte Wagner angesichts der Sprengkraft der eingesetzten Mittel.

Wegen Pfuschs bei Handwerkerarbeiten in den beiden Häusern war dem Installateur nicht der volle Lohn gebezahlt worden. Die Familie in Weinheim hatte Glück: Sie war bei dem Angriff in Urlaub. Die Familie in Viernheim erlebte dagegen Angst und Schrecken. Hier verletzten sich Vater und Tochter. Dort schoss der Handwerker auch mit einem Sturmgewehr um sich. Ein Sachverständiger stellte 23 Einschüsse an Autos fest.

Nach den Angriffen verschanzte sich der Installateur in Viernheim in seiner zur Festung ausgebauten Wohnung. Fast 28 Stunden lang lieferte er sich einen Nervenkrieg mit der Polizei. «Das hätte ein Fiasko gegeben, wenn die Wohnung hochgegangen wäre», sagte Wagner. Der Waffennarr habe seine Wohnung zum Kommandostand umgebaut, einen Waggon mit Konserven für drei Monate gehortet und jede Menge gefährliche Sprengfallen installiert. «Das war Stalingrad im Zweiten Weltkrieg kurz vor dem Ende», sagte Wagner über das Waffenarsenal. «Es ist kaum vorstellbar, dass ein Privatmann eine solche Menge von Waffen und Munition besitzt.»

Nachdem der Mann aufgegeben hatte, brauchten Sprengstoffexperten drei Tage, um das in Wohnung und Garten gehortete Waffenarsenal abzutransportieren - rund 15 800 Schuss Munition, Schusswaffen, Dutzende Handgranaten und Sprengstoff.

Mitteilung Polizei aus dem Jahr 2009

Prozesse
21.06.2010 · 17:58 Uhr
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