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Zwei deutsche Entwicklungshelfer in Darfur entführt

Krisenstab im Auswärtigen AmtGroßansicht
Berlin (dpa) - In der westsudanesischen Krisenregion Darfur sind zwei deutsche Entwicklungshelfer entführt worden. Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin handelt sich um Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes (THW). Die Männer seien 34 und 52 Jahre alt.

Die THW-Mitarbeiter seien am Dienstagabend von bewaffneten Unbekannten in ihrer Unterkunft in der Stadt Nyala im Süden der Krisenregion verschleppt worden, hieß es am Mittwoch in Sicherheitskreisen in Berlin. Der Hintergrund der Entführung sei noch völlig offen. Das THW in Bonn wollte sich zunächst nicht äußern und verwies auf das Auswärtige Amt in Berlin.

Der Sprecher des Außenministeriums, Andreas Peschke, wollte mit Rücksicht auf die Sicherheit der Betroffenen keine Details nennen. Zunächst müsse man sich in Zusammenarbeit mit den dortigen Behörden ein Bild der Lage verschaffen.

Im Sudan halten sich nach Peschkes Angaben derzeit mit amtlichem Auftrag 58 Deutsche auf. Sie arbeiteten überwiegend für die dortigen UN-Missionen. Über die Zahl der für Nichtregierungsorganisationen arbeitenden Deutschen könne er keine Angaben machen.

Nach eigenen Angaben ist das THW seit 2004 im Sudan tätig. Der Schwerpunkt lag demnach lange auf dem Aufbau und Wiederaufbau der Trinkwasserversorgung für Rückkehrer im Süd-Sudan. Das Hilfswerk beteiligte sich aber auch an der Errichtung von Flüchtlingscamps im Tschad im Grenzgebiet zum Sudan.

Im Juni 2008 richtete das THW in Nyala eine Zentralwerkstatt zur Instandsetzung von Fahrzeugen, Pumpen und Generatoren der UN und anderer Hilfsorganisationen ein. Zum Aufbau der Werkstatt wurden damals vier Experten entsandt. Wie viele deutsche THW-Mitarbeiter zum Zeitpunkt der Entführung in Nyala waren, konnte das THW nicht sagen. Seit 2004 ist das THW in Darfur wiederholt im Einsatz gewesen.

Der stellvertretende UN-Leiter für humanitäre Einsätze im Sudan, George Charpentier, hatte die sudanesische Regierung erst am Wochenende aufgefordert, bessere Sicherheit für Hilfsorganisationen in Süddarfur zu gewährleisten. Bei einem Besuch in Nyala klagte er über gravierende Sicherheitsmängel. Die Hauptstraßen zu den Flüchtlingslagern müssten gesichert werden, damit die Helfer Zugang zu den rund 2,3 Millionen Flüchtlingen in Darfur haben, verlangte er im Rundfunksender SRS.

In der Vergangenheit kam es in Darfur zu einer Reihe von Angriffen und Überfällen. Wiederholt wurden ausländische Helfer entführt und manchmal erst nach Monaten und gegen Zahlung eines Lösegeldes wieder frei gelassen. Nach UN-Schätzungen sind in Darfur seit 2003 mehr als 300 000 Menschen ums Leben gekommen. Noch immer leben mehr als eine Million Menschen in Darfur in Flüchtlingslagern.

Die UN-Friedenstruppen in Darfur sprachen in den vergangenen Tagen von einer angespannten Lage in der Konfliktregion. Es kam wiederholt zu Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen der Bewegug für Gleichheit und Gerechtigkeit (JEM), einer der größten Rebellengruppen.

Der Bundestag hatte in der vergangenen Woche die Verlängerung der deutschen Beteiligung am UNAMID-Einsatz beschlossen. Die Mandatsobergrenze wurde von 250 auf 50 Soldaten gesenkt. Derzeit sind dort acht deutsche Soldaten im Einsatz. Die UNAMID-Friedenstruppen sichern vor allem die Flüchtlingslager und Dörfer in der Konfliktregion. Unverändert blieb die Obergrenze von 75 deutschen Einsatzkräften für die UNMIS-Mission im Südsudan. Sie sollen das 2005 geschlossene Friedensabkommen zwischen Regierung und Rebellen überwachen.

Konflikte / Sudan / Deutschland
23.06.2010 · 16:31 Uhr
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