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Zwanziger: Hinfahren mit dem Willen zum Sieg

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Hamburg (dpa) - DFB-Präsident Theo Zwanziger würde den Vertrag mit Fußball-Bundestrainer Joachim Löw sogar bei einem WM-Scheitern in der Vorrunde verlängern wollen. «Ich kann mir das sehr gut vorstellen», sagte der Verbandschef in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

«Mein Wunsch wäre es schon, mit ihm weitermachen zu können, auch nach der WM, unabhängig vom Abschneiden», sagte Zwanziger. Zugleich setzte der 64-Jährige das Team unter Erfolgsdruck. «Aber du musst dort hinfahren mit dem Willen zum Sieg», betonte er. «Just for Fun, in Südafrika eine schöne Meisterschaft erleben, das kann es nicht sein, und das wird es auch nicht geben.»

Was erwarten Sie von der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika?

Zwanziger: «Ein attraktives Spiel und mit einem bisschen Glück, das man bei einer Weltmeisterschaft ja immer braucht, auch Erfolg. Wir wollen schon vorne mitspielen. Dass das viele andere auch wollen und können, ist mir klar. Insoweit ist das ein schwieriger Wettbewerb. Aber du musst dort hinfahren mit dem Willen zum Sieg. Anders kann das auch nicht sein, und wird es auch nicht von unserem Trainerstab formuliert. Just for fun, in Südafrika eine schöne Meisterschaft erleben, das kann es nicht sein, und das wird es auch nicht geben.»

Wie schätzen Sie das Potenzial des Teams im Vergleich zu den vergangenen Turnieren ein?

Zwanziger: «Die Perspektive 2010 ist aus meiner Sicht besser als 2008 und 2006. Aber auch unsere Gruppe ist schwieriger. Ich will davor warnen, diese Vorrunde zu unterschätzen. Du hast keinen Gegner, bei dem du sagen kannst, da kann ja gar nichts schiefgehen. So wie es beispielsweise Costa Rica 2006 gewesen ist.»

Wie bewerten Sie denn die deutschen Gruppengegner?

Zwanziger: «Der Einstieg gegen Australien ist gleich eine Hürde. Aber das finde ich gut so. Denn wenn unsere Mannschaft das schafft, und sie wird es schaffen, dann hat sie eine gute Basis, um gegen eine starke europäische Mannschaft wie Serbien gut bestehen zu können. Dann kommen im letzten Gruppenspiel noch die Ghanaer. Wie gesagt, alle drei sind schwierige Gegner, und wenn du mal einen Tag hast, wo nichts zusammen geht, dann kann das natürlich auch mal daneben gehen. Aber davon gehe ich nicht aus.»

Muss Deutschland tatsächlich ein Vorrunden-Aus befürchten?

Zwanziger: «Nein, wie gesagt: Wir können etwas erwarten von dieser Mannschaft und ich bin überzeugt, dass sie ein gutes Turnier spielen wird. Aber ich sage auch, das ist kein Spaziergang.»

Muss das Viertelfinale nicht das Minimalziel sein, wie es Oliver Bierhoff indirekt bezeichnet hat?

Zwanziger: «Ich denke mal, dass unser Ziel sogar noch ein bisschen weiter geht als das Viertelfinale. Das heißt aber nicht, dass es unbedingt so sein muss. Der Erfolg des Turniers hängt auch davon ab, wie die Mannschaft spielt und ob der Funke überspringt. Wenn die Menschen in Deutschland das Gefühl haben, die Mannschaft hat alles gegeben und sich großartig verkauft, dann kann ein Aus im Viertelfinale ein Erfolg sein. Aber das lassen wir mal auf uns zukommen.»

Ist eine Vertragsverlängerung mit Joachim Löw nur vom Erfolg in Südafrika abhängig?

Zwanziger: «Unser sehr gutes Verhältnis ist auch durch die Nichtverlängerung des Vertrages in keinster Weise in Mitleidenschaft gezogen worden. Wir haben seit dieser Zeit schon mehrfach zusammengesessen und Joachim Löw weiß, dass dieser Verband ihn mit aller Kraft unterstützt. Unsere Arbeit wird nicht immer auf ein Turnier bezogen sein. Da müssen wir uns auch als DFB ein Stück anders verhalten. Wir haben viele Erfolge gehabt die letzten Jahre mit der Nationalmannschaft. Wir können die Vertragsverlängerung mit dem Trainer daher nicht allein vom Abschneiden bei dieser WM anhängig machen.»

Aber der Bundestrainer steht doch bei der WM auf dem Prüfstand?

Zwanziger: «Ich weiß, was dieser Bundestrainer leistet. Ich weiß, dass er nahe an der Mannschaft ist und sehr gute Arbeit leistet. Das ist immer das Entscheidende. Mein Wunsch wäre es schon, mit ihm weitermachen zu können. Auch nach der WM, unabhängig vom Abschneiden.»

Das heißt, Löw könnte selbst bei einem Vorrunden-Aus bleiben?

Zwanziger: «Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Aber wir haben in den vergangenen Jahrzehnten immer gesehen, dass ein solches Turnier Veränderungen bringen kann. Das kann man heute nicht absehen.»

Mit welchem Gefühl fahren Sie nach Südafrika?

Zwanziger: «Mit einem guten Gefühl und mit der großen Hoffnung, dass es den Südafrikanern gelingt, dieses Turnier reibungslos und afrikanisch attraktiv über die Bühne zu bringen. Das wäre mein großer Wunsch, unabhängig vom Abschneiden unserer Mannschaft, weil Südafrika und der ganze Kontinent das verdient. Die Menschen sind über Jahrhunderte ausgebeutet und gedemütigt worden. Ich weiß, dass Afrikaner stolz sind. Dass sie nun in diesem Stolz mal bestätigt werden, ist wichtig.»

Wo sehen Sie die größten Gefahren, dass das nicht gelingt?

Zwanziger: «Ich denke, man muss realistisch damit umgehen. Da wird ja immer die Sicherheit genannt. Ich denke, das darf man auch nicht schönreden. Man muss aber auch gleichzeitig sagen, das Ganze ist beherrschbar. Es macht keinen Sinn, jetzt anhand der Statistiken, die es gibt, ein Szenario zu eröffnen, das jeder Angst haben muss, dorthin zu gehen. Die Südafrikaner haben sich vorbereitet auf diese Situation. Man hat die notwendigen Maßnahmen ergriffen und wir haben vollstes Vertrauen in die Organisatoren vor Ort und die FIFA.»

Wie lange werden Sie in Südafrika sein?

Zwanziger: «Ich fliege am 10. Juni nach Südafrika und besuche dann mit dem Bundespräsidenten das Eröffnungsspiel in Johannesburg. Ich werde wahrscheinlich nach dem Achtelfinale kurz zurückgehen, um auch ein paar Dinge in Deutschland zu erledigen. Wenn wir dann das Viertelfinale erreichen, werde ich wieder kommen und dann bleibe ich bis zum Turnier ende. Bis wir hoffentlich den Pokal in den Händen halten.» Auf welche Spieler freuen Sie sich am meisten? Zwanziger: «Alle Welt spricht von Messi. Es gibt fantastische Spieler, eigentlich in fast jeder dieser Mannschaften, die dort sind. Und ich freue mich auf die Spieler der afrikanischen Mannschaften.

Und wer ist ihr WM-Favorit?

Zwanziger: «Ich denke die üblichen Verdächtigen aus Europa. Italien und Frankreich und natürlich vor allem Spanien. Die Klasse des Europameisters ist unverändert. Auch Brasilien und Argentinien werden sicher eine Rolle spielen. Und natürlich unsere Mannschaft. Aus Afrika ist alles möglich. Generell gilt, dass eine dieser Mannschaften, die gut in das Turnier startet und dadurch Selbstvertrauen tankt, auch weit kommen wird.»

Interview: Arne Richter und Wolfgang Müller, dpa

Fußball / WM / Zwanziger / Löw / Deutschland
17.05.2010 · 12:22 Uhr
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