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Zwangsehen vor allem in sehr religiösen Familien

Rund 95 Prozent der Opfer von Zwangsehen sind Frauen und Mädchen. Archivfoto: Wolfram SteinbergGroßansicht

Berlin (dpa) - Die meisten Opfer von Zwangsehen in Deutschland stammen aus sehr religiösen Migrantenfamilien. Zu diesem Ergebnis kommt nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» eine Studie des Bundesfamilienministeriums.

Familienministerin Kristina Schröder und die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer (beide CDU) werden diese heute in Berlin vorstellen. Sie liegt der Zeitung bereits vor.

Demnach stammen fast zwei Drittel (59,4 Prozent) der erfassten Fälle aus stark religiös geprägten Familien. Knapp die Hälfte (44 Prozent) der Zwangsverheirateten oder davon Bedrohten sind deutsche Staatsbürger, rund 95 Prozent sind Frauen und Mädchen, fast 30 Prozent von ihnen Minderjährige. Die Zeitung «Die Welt» schreibt unter Berufung auf die Studie, jede dritte Betroffene werde im Zusammenhang mit der Zwangsverheiratung mit dem Tod bedroht. Zwei Drittel hätten bereits in ihrer Erziehung Gewalt erlebt. Bei den Herkunftsländern der Familien sei die Türkei am stärksten vertreten, gefolgt von Serbien/Kosovo/Montenegro und dem Irak.

Die Studie fußt den Berichten zufolge auf Angaben aus bundesweit 830 Beratungseinrichtungen, die im Jahr 2008 etwa 3400 Menschen betreut hatten, der Dokumentation von Einzelfällen sowie Informationen von Schulen und Migrantenorganisationen.

Die Integrationsbeauftragte Böhmer sagte der «Süddeutschen Zeitung», das Verbot von Zwangsheiraten sowie das jüngst eingeführte Rückkehrrecht von in Ausland verheirateten Partnern müsse unter Migranten noch besser bekanntgemacht werden. «Wir brauchen mehr Beratungs- und Hilfsangebote, auch für Männer.» Auch die Herkunftsländer seien gefragt, weil viele dieser Ehen im Ausland geschlossen würden.

Gesellschaft / Integration / Zwangsheiraten
09.11.2011 · 07:31 Uhr
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