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Zuspitzung im Konflikt Venezuelas mit Kolumbien

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Mexiko-Stadt (dpa) - «Ich habe das mit einer Träne im Herzen getan», behauptete der venezolanische Präsident Hugo Chávez, als er vor laufenden Kameras die Beziehungen zu den «Brüdern» in Kolumbien abbrach.

Wenige Minuten zuvor hatte Kolumbien Venezuela bei der Sondersitzung der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) in Washington vorgeworfen, die linken FARC-Rebellen aus Kolumbien auf seinem Territorium zu beherbergen.

Chávez hatte wohl darauf gewartet. «Wir müssen in einen Krieg mit Kolumbien ziehen, weinend, aber wir müssen es tun», sagte er im Beisein des argentinischen Fußballlegende Diego Armando Maradona. Mit ihm hatte er vor Studenten über Fußball und darüber gesprochen, warum der Argentinier als die «Hand Gottes» bezeichnet wird. Chávez machte den kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe für der Zuspitzung verantwortlich: «Der ist krank und voller Hass.»

Es ist nicht das erste Mal, dass Chávez dem Nachbarland mit einer kriegerischen Auseinandersetzung droht. In den elf Jahren seiner Herrschaft zogen die Regierungen beider Länder mehrfach ihre Botschafter ab. Doch wurden die Dispute immer wieder beigelegt. Dieses Mal aber, nur wenige Tage bevor Uribe das Präsidentenamt an seinen Gefolgsmann Juan Manuel Santos abgibt, ist die Lage vertrackter.

Venezuela steckt in ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten, obwohl es zu den reichsten Erdölproduzenten der Welt gehört. Nach Angaben der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (Cepal) sind die Volkswirtschaften des Subkontinents auf Erholungskurs, nur Venezuelas Wirtschaft schrumpft. Chávez setzt den Reichtum des Landes ein, um sein politisches Projekt von einem sozialistischen Großreich in Lateinamerika zu verwirklichen. Er gibt Milliardenbeträge aus, um seine ebenfalls in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckenden Verbündeten wie Kuba und Nicaragua über Wasser zu halten. Weitere Milliardensummen hat er für Waffen ausgegeben, die er vorzugsweise in Moskau eingekauft hat.

Doch der Siegeszug der Linken in Lateinamerika ist seit einiger Zeit ins Stocken geraten. Vor allem in Mittelamerika halten die Menschen offensichtlich von den sozialistischen Ideen aus Caracas und dem mit ihm verbündeten Havanna nicht viel. Sie wirken sogar abschreckend. Und in Kolumbien übernimmt am 7. August mit Santos ein Mann die Regierung, der das Land auf dem Kurs von Uribe halten wird.

Kolumbien hat bisher zurückhaltend auf das Säbelrasseln aus Caracas reagiert. «Auf der Seite Kolumbiens wird es niemals Truppenbewegungen geben», sagte der Sprecher des Präsidentenamtes, César Mauricio Velásquez. «Aus Kolumbien wird es nur Brüderlichkeit geben.»

Und der gewählte Präsident Santos, zu Besuch in Mexiko, erklärte: «Ich habe beschlossen, dass es derzeit keinen besseren Beitrag zu den Beziehungen mit Venezuela gibt, als nichts zu sagen. Denn Uribe ist immer noch Präsident von Kolumbien.» Der mexikanischen Zeitung «Reforma» gegenüber fügte er hinzu: «Es ist nicht gerechtfertigt, die Beziehungen zu Kolumbien wegen einer persönlichen Beziehung zu Uribe abzubrechen.»

Damit öffnete Santos die Tür einen Spaltbreit zu einer neuerlichen Aussöhnung. Denn auch Chávez hatte in Caracas die Hoffnung geäußert, Kolumbien werde mit dem neuen Präsidenten auf den Weg der Vernunft zurückkehren, der zu einer Wiederaufnahme der Beziehungen führen werde.

Venezuela / Kolumbien
23.07.2010 · 18:34 Uhr
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