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Zuma warnt vor dramatischen Klima-Folgen für Afrika

Wüstenbildung in Kulun Qi in der inneren Mongolei. Vom 28.11.2011- 09.12.2011 findet der UN-Klimagipfel im südafrikanischen Durban statt. Foto: How Hwee YoungGroßansicht

Durban/Berlin (dpa) - Mit dramatischen Appellen von Politikern und Umweltschützern für einen konkreten Klimaschutz hat im südafrikanischen Durban der 17. UN-Klimagipfel begonnen. Für Afrika gehe es im Kampf gegen den Klimawandel «um Leben und Tod», sagte der südafrikanische Präsident Jacob Zuma zum Auftakt.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) forderte konkrete Schritte zur Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad Celsius. «Wir können den Klimawandel nur dann wirksam begrenzen, wenn sich alle großen Verschmutzer daran beteiligen und sich zu wirksamen Reduktionen verpflichten», sagte Röttgen in Berlin. Er reist erst später nach Durban. «Leider sind die USA, China, Indien und andere Schwellenländer aus politischen oder ökonomischen Gründen dazu nicht oder noch nicht bereit.»

Trotz der eindringlichen Worte Zumas dominierten skeptische Stimmen den Start der Konferenz, zu der etwa 20 000 Delegierte, Experten, Politiker, Funktionäre und Journalisten aus rund 190 Staaten gekommen sind. Im Mittelpunkt der zwölftägigen Veranstaltung steht das Bemühen um ein Folgeabkommen für den Kyoto-Vertrag, der Ende 2012 ausläuft.

Die Lage sei schwierig, sagte Röttgen. «Der Klimaschutzprozess ist ein Marathonlauf, bei dem jeder Schritt der Mühe wert ist.» Zu den Verhandlungen auf UN-Ebene gebe es keine Alternative. Mit dem zunehmendem wirtschaftlichem Wachstum der Schwellenländer steige auch deren Verantwortung für den Klimaschutz. «Heute kommt schon mehr als die Hälfte der globalen Emissionen aus Entwicklungs- und Schwellenländern, Tendenz weiter steigend.» Eine wichtige Frage in Durban werde sein, ob sich die Schwellenländer auf einen Prozess einlassen, der am Ende dazu führt, dass sie sich verbindlichen Minderungszielen beim Kohlendioxid-Ausstoß unterwerfen.

Röttgen stellte in Aussicht, die Regeln des Kyoto-Protokolls womöglich etwas zu verlängern, bis eine Übereinkunft mit den anderen großen Klimasündern für ein gemeinsames Abkommen zur Minderung der Treibhausgase möglich ist.

Südafrikas Präsident Zuma forderte von der internationalen Gemeinschaft rasche Entscheidungen zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen die Klimaerwärmung und ihre Folgen. «Der Klimawandel ist längst nicht mehr nur ein Umweltthema, ... sondern birgt enorme Risiken für die gesamte Menschheit, insbesondere aber für die Entwicklungsländer».

Als Folge der globalen Erwärmung drohe die Agrar-Produktion in vielen afrikanischen Ländern bis 2050 um die Hälfte zu sinken, warnte Zuma. Auch Südafrika leide vermehrt unter extremen Wetterphänomenen, beispielsweise unter enormen Niederschlägen in einigen Regionen mit verheerenden Überschwemmungen als Folge.

Notwendig sei nun, dass die Konferenz eine Fortschreibung der Vereinbarungen im Kyoto-Protokoll sowie die Finanzierung und Ausgestaltung des bereits grundsätzlich vereinbarten Klimafonds erreiche, so Zuma. Dieser Fonds soll ärmeren Staaten die Anpassung an den Klimawandel und klimafreundliche Entwicklungsprojekte erleichtern.

Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer erwartet vom UN-Klimagipfel keine klaren Zielsetzungen oder Zeitpläne. Trotzdem dürfe es keine Resignation geben, meinte er im Deutschlandradio Kultur. Jetzt gehe es darum, Wege zu finden, die auch von den Entwicklungsländern mitgetragen werden könnten. Die Industrieländer müssten mit gutem Beispiel vorangehen.

Auch die deutsche Industrie dringt auf ein international verbindliches Klimaabkommen, damit die Wirtschaft überall in gleichem Maße an Klimakosten beteiligt wird. CO2-Strafzölle auf Produkte aus Ländern, die beim Klimaschutz nicht mitziehen, werden aber strikt abgelehnt. «Diese Maßnahmen würden Vergeltungsmaßnahmen provozieren zum Schaden der europäischen und insbesondere der exportstarken deutschen Industrie», sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel, der Deutschen Presse-Agentur.

Caritas international forderte unter anderem eine Ausweitung der Katastrophenvorsorge in den von Wetterextremen besonders betroffenen Regionen. «Die dramatische Zunahme von Überschwemmungen, Dürren und schweren Stürmen kann für die Betroffenen nur durch verstärkte Katastrophenprävention abgemildert werden», erklärte Oliver Müller, der Leiter des Hilfswerks der deutschen Caritas. Karin Kortmann von der Organisation Care bezeichnete die Verhandlungen über Formulierungen und Abmachungen beim Klimaschutz als einen «Poker mit dem Leben von Millionen Menschen».

Die Umweltstiftung WWF warnte vor dem Verschwinden vieler Wälder in der Welt. Der WWF rechnet einem am Montag in Durban vorgestellten Bericht zufolge bis 2030 mit einem Verlust von 1,25 Millionen Quadratkilometer Wald. Die gigantische Abholzung setze mehr Emissionen frei als der gesamte Verkehr in der Welt. Um diese Entwicklung zu verhindern, seien bis 2020 zwischen 30 bis 50 Milliarden US-Dollar (22,6 bis 37,7 Milliarden Euro) notwendig. Der WWF tritt einen Entwaldungsstopp bis 2020 ein.

UN / Klima
28.11.2011 · 15:24 Uhr
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