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Zu Guttenberg - Schwarzwälder-Kirsch als Chance

In einem Brief an die CSU ließ Karl Theodor zu Guttenberg verlauten, dass er kein politisches Comeback plane. Zumindest nicht für 2013. «Die Phase der Aufarbeitung von Verfehlungen, eigenem Verschulden und meiner persönlichen Neuorientierung beinhaltet auch einen notwendigen Rückzug aus dem Licht der deutschen Öffentlichkeit», schrieb er.

Verwunderlich ist das nicht. Der fränkische Baron ist tief gefallen, so tief, dass es ihm gut zu Gesicht stünde, sich für einige Zeit völlig aus der Politik zurückzuziehen, die Äffare um seine Doktorarbeit in den Hintergrund treten zu lassen.

Andere, die stolperten verhielten sich so. Gregor Gysi, Cem Özdemir, Rudolf Scharping oder Jürgen Möllemann dienen als Beispiel für Politiker, die zurücktreten mussten und nach einigen Jahren die politische Bühne erneut betraten.

Cem Özdemir (Die Grünen) legte im Jahr 2002 sein Amt als innenpolitischer Sprecher der Grünen nieder. Er war über ein 80.000 Mark-Darlehen des PR-Beraters Moritz Hunzinger gestolpert. Hinzu kam eine Flugmeilen-Affäre. Dienstlich gesammelte Bonusmeilen hat er privat genutzt. Heute ist Özdemir Vorsitzender der Grünen, seine Verfehlungen von vor zehn Jahren wirft ihm niemand mehr vor.

Im Juli 2002 , kurz nach Özdemirs Rücktritt, gab Gregor Gysi (PDS/Die Linke) sein Amt als Wirtschaftssenator in Berlin auf. Dienstlich gesammelte und privat genutzte Flugmeilen wurden ihm gleichfalls zum Verhängnis. Doch auch Gysi ist längst zurück auf der politischen Bühne.

Die Briefbogen-Affäre um den FDPler Jürgen Möllemann ließ ebenfalls ein Comeback zu. 1993 war der damalige Wirtschaftsminister und Vizekanzler zurückgetreten. Möllemann hatte unter dem Briefkopf des Wirtschaftsministeriums deutschen Handelsketten den Einkaufswagenchip eines Cousins empfohlen. Im Jahr 2000 feierte er sein Comeback als Politiker.

Auch Rudolf Scharping (SPD) verschwand nach der Plansch-Affäre nicht völlig von der politischen Bühne. 2002 wurde der damalige Verteidigungsminister kurz vor der Bundestagswahl entlassen. In die Bunte hatte er sich mit seiner Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati-Borggreve planschend im Pool fotografieren lassen - während sich die Bundeswehr auf ihren Mazedonien-Einsatz vorbereitete.

Zu Guttenbergs ständige Präsenz

Im Gegensatz zu jenen, die stolperten, um danach ihre Rückkehr unaufgeregt zu planen, verhält sich Karl Theodor zu Guttenberg anders. Zwar hält er sich von der politischen Bühne fern, als Privatmann mit politischen Ambitionen bleibt er gleichzeitig präsent. Bislang allerdings mit mäßigem Erfolg was seine Beliebtheit in der Bevölkerung betrifft.

Sein Buch löste Verwunderung aus, ebenso der Auftritt im kanadischen Fernsehen oder seine Entscheidung, eine Beratertätigkeit in Brüssel anzunehmen. Ungeschickt schien zuweilen dieses trotzige Drängen an die Öffentlichkeit. Vergessend machen schien Guttenberg die Affäre um seine Doktorarbeit auf diesem Wege nicht. Im Gegenteil.

Ausgerechnet eine Torten-Attacke scheint für den Ex-Politiker aber die Chance zu bieten, neue Sympathiepunkte zu sammeln. Unaufgeregt reagiert er auf Kirschen und Schokocreme im Gesicht, probiert vom Zuckerwerk, postet auf Facebook, ordert für das nächste Mal Käsesahne. Spöttisch zwar, aber liebevoll wird über seine «Tortung» berichtet.

Das Internet hatte zu Gutteberg zu Fall gebracht. Nun nutzt er es für sich.

[news.de] · 04.02.2012 · 11:03 Uhr
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