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Zollitsch weist Vertuschungsvorwurf zurück

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Freiburg (dpa) - Der Vorsitzende der katholischen deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat gegen ihn erhobene Vertuschungsvorwürfe in Zusammenhang mit einem Missbrauchsskandal zurückgewiesen.

«Ich nehme für die Bistumsleitung und mich in Anspruch, immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben», sagte der Freiburger Erzbischof am Samstag. Nach heutiger Erkenntnis würde er jedoch anders handeln, «konsequenter und mit größerem Nachdruck nach Zeugen und Opfern suchen und suchen lassen.» Zollitsch wird in Recherchen der TV-Sendung «Report Mainz» und der «Badischen Zeitung» vorgeworfen, einem 1991 unter Missbrauchsverdacht stehenden Pfarrer lediglich in den Ruhestand versetzt zu haben, ohne die Staatsanwaltschaft einzuschalten.

Die Missbrauchsfälle im badischen Oberharmersbach (Ortenaukreis), «bedrücken mich bis heute persönlich», sagte Zollitsch bei einer Pressekonferenz. «Und ich entschuldige mich noch einmal im Namen der Erzdiözese bei den Opfern und bitte um Verzeihung.» Als damaliger Personalreferent der Diözese habe er nach dem Bekanntwerden der ersten Vorwürfe gegen den Gemeindepfarrer von Oberharmersbach vor 19 Jahren sofort gehandelt. Dies gelte auch für den damaligen Erzbischof Oskar Saier (1932-2008). «Wir waren darauf bedacht, jeweils entsprechend unserem Kenntnisstand zu handeln. Es ging uns nie darum etwas zu vertuschen.»

«Als uns im Jahre 1991, ohne Benennung von Zeugen oder Betroffenen, allgemein gehaltene Vorwürfe gegen den Pfarrer bekannt wurden, hat der damalige Erzbischof den Pfarrer in den Ruhestand versetzt und von ihm verlangt, den Ort zu verlassen», sagte Zollitsch. Staatliche Behörden seien nicht eingeschaltet worden. 1995 wurden die Vorwürfe konkreter, es meldeten sich insgesamt 17 Opfer. Der Pfarrer sei mit den Anschuldigungen konfrontiert worden. «Wir haben dem Betroffenen klar gesagt, dass wir entschlossen sind die Staatsanwaltschaft einzuschalten», sagte Zollitsch. «Er entzog sich der Strafverfolgung, indem er sich das Leben nahm.»

Zu dem Thema einer Anzeigepflicht sagte Zollitsch dem Nachrichtenmagazin «Focus», er höre immer wieder von Fällen, bei denen Opfer über ihr Leid sprechen wollten, aber eine Anzeige ausdrücklich nicht wünschten. «Das stürzt uns moralisch in Probleme, da wir ja dennoch daran interessiert sind, dass Täter überführt werden und der staatliche Prozess zu einem Urteil kommt.» Seines Erachtens verlange der Weg zur Staatsanwaltschaft zudem Anhaltspunkte für eine mutmaßliche Tat. «Immerhin kann man Menschen durch falsche Beschuldigungen geistig umbringen. Darüber wird vielleicht in der momentanen erhitzten Situation zu wenig nachgedacht.»

Heute würde er anders handeln als bei dem Fall von 1991, sagte Zollitsch auf der Pressekonferenz. «Wir haben alle aus den erschreckenden Fällen von Missbrauch gelernt.» Die Prävention werde ausgebaut. «Soweit überhaupt möglich, werde ich mich dafür einsetzen, dass sich die unsäglichen Vorgänge der Vergangenheit im Raum der Kirche nicht mehr wiederholen.»

Kriminalität / Kirchen
21.03.2010 · 22:03 Uhr
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