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Zensur kurios - Kirche verbietet Bibel

Der Film Huhn mit Pflaumen der iranischen Comiczeichnerin Marjane Satrapi hat kein politisches Sprengpotenzial. Es prangert auch nicht explizit soziale Missstände im Ajatollah-Land an, trotzdem ist die Liebesgeschichte den islamischen Regime-Oberen in Teheran ein Dorn im Auge. Wie die Süddeutsche berichtet, könnte der Film zumindest teilweise der Zensur zum Opfer fallen – denn es wird lecker zubereitetes Hühnchen gezeigt.

Die Darstellung von Hühnern ist an sich wohl nicht systemkritisch, gehören sie doch zu den Grundnahrungsmitteln der Iraner. Weil aber die Lebensmittelpreise derart in die Höhe geschossen sind, können sich nur noch wenige Menschen Huhn leisten. Durch den Film und die schmackhafte Darstellung von leckeren Hühnchen, so befürchtet das Regime, könnte es zu sozialen Unruhen kommen.

Iran ist wohl derzeitiger Vorreiter in Sachen kuriose Zensur. Erst Anfang des Jahres ist Homer Simpson zur Persona non grata erklärt worden. Die Figuren der Chaos-Familie aus dem imaginären Springfield dürfen nicht mehr im Iran verkauft werden, erklärte das Staatliche Institut für die intellektuelle Entwicklung von Kindern. Gründe gab es nicht, außer, dass Teheran seit Jahren gegen das Einströmen westlicher Kultur kämpft. Aber immerhin dürfen Superman und Spiderman bleiben, weil sie ausdrücklich für die Armen kämpften, so das intellektuelle Kinder-Staats-Institut.

Auch die arme Barbie darf nicht mehr im Iran verkauft werden. Die blonde, langbeinige Puppe sei ein Symbol westlicher unmoralischer Kultur, so das bereits erwähnte Institut. Als Alternative zu Barbie und Ken hatte der Iran bereits vor einiger Zeit das islamische Geschwisterpaar Sara und Dara eingeführt. Das züchtig gekleidete, brünette Duo kam allerdings nur mäßig bei den Kindern an.

[pagebreak]Verlag entschärft Mozarts Arschleck-Song, Kirche verbietet die Bibel[/pagebreak]

Verlag entschärft Mozarts Arschleck-Song

Wolfgang Amadeus Mozart war offenbar ein Ferkel. Einige Werke des Gottes der Klassik zumindest sind derbe unzüchtig. Etwa der sechsstimmige Kanon, Nummer 231 im Köchelverzeichnis: «Leck mich im Arsch g'schwindi, g'schwindi!», beginnt das Werk, die Kernbotschaft im Folgenden repititierend: «Leck im Arsch mich g'schwindi!». Der Verlag Breitkopg & Härtel änderte die ferkligen Zeilen um in «Lasst uns froh sein! Murren ist vergebens!».

Ein weiteres Werke, Nummer 233 im Köchelverzeichnis, wurde lange Mozart als Komponist zugeschrieben, allerdings hatte der wohl nur den Text verfasst. Das aber macht es nicht besser: «Leck mir den Arsch recht schon, fein sauber lecke ihn», so heißt es dort, «fein sauber lecke, leck mir den Arsch». Auch hier scheute der Verlag die deftigen Zeilen und ändert sie um in «Nichts labt mich mehr als Wein, er schleicht so sacht hinein». Klarer Fall von Künstlerzensur!

Kirche verbietet die Bibel

Die katholische Kirche zensierte in ihrer nicht gerade kurzen Geschichte schon einige Male die Bibel. Im 12. Jahrhundert wurde etwa die Bibellektüre in privaten Kreisen verboten, ein Jahrhundert später der Besitz von Bibelübersetzungen in Teilen Frankreichs und Spaniens. Um Herr über die grassierenden Bibel-Versionen zu bleiben, wurde schließlich die Vorzensur eingeführt.

NS-Regime verbietet Tarzan aus Tierliebe

Die Nationalsozialisten, die Millionen Menschen vernichteten, waren ungemein große Tierfreunde. Deshalb wurde im Frühjahr 1934 der Film Tarzan verboten. Die Behörden erhielten Kenntnis von Kino-Besuchern, die in einer Szene lachten, als ein Affe in Todesangst vor einem Panther davonläuft. «Tierquälerei» und «sittlich verrohend» sei der Film, so das NS-Regime in seiner Verbotsbegründung.

[news.de] · 21.07.2012 · 11:20 Uhr
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