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Zelaya baut Zeltlager an honduranischer Grenze

Manuel ZelayaGroßansicht
Managua/Tegucigalpa (dpa) - Nach seinem zweiten Fehlversuch zur Rückkehr an die Macht in Honduras hat der gestürzte Präsident Manuel Zelaya jetzt an der Grenze ein Zeltlager aufgeschlagen.

Mit der ungewöhnlichen Aktion im nicaraguanischen Grenzort Las Manos will er seinem Ziel näher kommen, doch noch in sein Heimatland zurückzukehren. In dem Zeltlager will Zelaya mit seinen Anhängern auf eine günstige Gelegenheit dafür warten. Las Manos liegt knapp 150 Kilometer südöstlich der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa. In dem Lager will Zelaya nach eigenen Worten «Tag und Nacht ausharren» und zudem auf seine Familie warten.

Am Freitag hatte Zelaya medienwirksam zum ersten Mal nach seinem Sturz die Grenze nach Honduras überschritten. Begleitet von Dutzenden von Reportern hielt er sich kurzfristig auf honduranischem Gebiet auf, ehe er angesichts der starken Präsenz von Polizei und Armee unverrichteter Dinge nach Nicaragua zurückkehrte. Die «symbolische» Aktion hatte weltweit Kopfschütteln hervorgerufen. In Honduras kam es zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitstruppen und Anhängern Zelayas, die an die Grenze gelangen wollten.

Nahe der Grenze wurde am Samstag ein Toter entdeckt. Wie lokale Medien berichteten, handelt es sich um einen Anhänger Zelayas aus Tegucigalpa. Der Körper weise Folterspuren auf, hieß es. Die Hintergründe der Tat sind noch nicht bekannt. Anderen Berichten zufolge kam es auch zu Angriffen von Polizisten auf Reporter.

Die Interims-Regierung von Roberto Micheletti in Tegucigalpa hat in der Grenzregion eine mindestens bis zum Sonntag andauernde Ausgangssperre verhängt, um Gegner daran zu hindern, erneut in die Region zu gelangen. Unterdessen traf am Samstag zum ersten Mal seit dem Staatstreich vor einem Monat eine Delegation konservativer US-Politiker in Tegucigalpa ein, um mit der international isolierten Interims-Regierung über die Lage zu sprechen.

Die US-Regierung, die Zelaya zuvor wegen der instabilen Lage in Honduras von derartigen Aktionen abgeraten hatte, bezeichnete den Marsch zur Grenze als unklug und lud Zelaya zu Gesprächen nach Washington ein. Dagegen bezog der venezolanische Präsident Hugo Chávez scharf Stellung gegen US-Außenministerin Hillary Clinton. Er warf ihr vor, sie habe den Honduras-Konflikt mit dem Vermittlungsdialog beim costaricanischen Präsidenten Óscar Arias in eine Sackgasse geführt.

Chávez hat seinen Außenminister Nicolás Maduro nach Nicaragua geschickt, um Zelaya dort zu unterstützen. Zelaya bekräftigte am Samstag, er werde sich nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen, nach Honduras heimzukehren. «Die Welt unterstützt uns und die Präsidenten haben die Oligarchie verurteilt, die den Staatsstreich verübt hat.»

Zelaya war am 28. Juni entmachtet und aus dem Land gebracht worden. Ihm werden Verfassungsverstöße zur Last gelegt. Seine Rückkehrversuche werden allerdings zunehmend kritisiert, weil sie eine Konfrontation und Blutvergießen auslösen könnten. Zuletzt warnte die EU im Konflikt zwischen Zelaya und der Interimsregierung in Tegucigalpa vor Provokationen. Die schwedische EU-Ratspräsidentschaft appellierte am Samstag in Stockholm an die Konfliktparteien, «durch friedliche Verhandlungen die Demokratie und die verfassungsmäßige Ordnung in Honduras wiederherzustellen».

Konflikte / Regierung / Honduras
26.07.2009 · 16:01 Uhr
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