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Zehntausende protestieren gegen Putin

Zehntausende nahmen an der Anti-Putin-Demo in Moskau teil. Foto: Sergei IlnitskyGroßansicht

Moskau (dpa) - Zehntausende russische Regierungsgegner haben erstmals gemeinsam mit Anhängern der Kommunistischen Partei in Moskau den Rücktritt von Präsident Wladimir Putin gefordert.

«Russland ohne Putin» und «Putin ist ein Dieb» skandierte die Menge immer wieder bei der ersten Großkundgebung seit drei Monaten am Samstag im Zentrum der Hauptstadt. Redner forderten auch Freiheit für politische Gefangene wie die zu Gefängnishaft verurteilte Punkband Pussy Riot.

Sergej Udalzow, einer der Oppositionsführer, sprach am Samstag von etwa 150 000 Teilnehmern, die Polizei hingegen von maximal 14 000 Demonstranten. Nach dem offiziellen Ende der Kundgebung am späten Abend nahm die Polizei Udalzow fest, weil er zu einem illegalen Protestmarsch aufgerufen und den Verkehr behindert habe. Auch einige seiner Anhänger wurden abgeführt. Die Kommunisten als stärkste Oppositionspartei in der Duma hatten sich bislang nicht an den Massenprotesten beteiligt.

«Falls wir nicht Putins Rücktritt fordern, falls wir nicht neue Präsidentenwahlen fordern, werden wir nichts im Land ändern», rief der frühere Vizeregierungschef Boris Nemzow von der Bühne. Redner verlangten auch soziale und wirtschaftliche Reformen. Die Behörden hatten den Protest für 25 000 Menschen genehmigt. Ein massives Aufgebot von 7000 Sicherheitskräften sollte für Ordnung sorgen.

Vor der Kundgebung hatte sich die zerstrittene Opposition in Blöcken zu einem «Marsch der Millionen» formiert. Redner betonten aber, dass linke, rechte und liberale Gruppen gemeinsam demonstrierten. «Wir müssen vereint sein, wir dürfen einander nicht wehtun, auch wenn wir nicht dieselben Ansichten haben», rief der Oppositionspolitiker Gennadi Gudkow der Menge zu.

Die von der Kremlpartei Geeintes Russland dominierte Staatsduma hatte Gudkow am Vortag wegen angeblich illegaler Nebenverdienste am Vortag das Mandat entzogen. Kommentatoren betonten, dass sich die Opposition weder davon noch von schärferen Strafen etwa für Verstöße gegen das Demonstrationsrecht habe einschüchtern lassen.

Auch Schwule und Lesben, die von der russischen Gesellschaft oft diskriminiert werden, nahmen teil und schwenkten die Fahnen mit dem Regenbogen-Symbol.

«Wichtig ist jetzt, dass die Opposition geeint auftritt, jede Spaltung nutzt allein dem Machterhalt Putins», sagte der Grünen-Europaparlamentarier Werner Schulz laut einer Mitteilung. «Nur eine geschlossene Opposition, die weder provoziert noch sich provozieren lässt, hat eine Chance gegen das Regime.»

An der Spitze der Kundgebung, für die erstmals Straßen im Zentrum weiträumig abgesperrt wurden, marschierten prominente Regierungsgegner wie Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow und der Blogger Alexej Nawalny. Udalzow von der Linken Front kündigte den nächsten Massenprotest für den 20. Oktober an.

In der Touristenmetropole St. Petersburg gingen bis zu 2000 Regierungsgegner auf die Straße. Auch in anderen Städten gab es Proteste, an denen sich nach Polizeiangaben jeweils einige Dutzend Menschen beteiligten. In Nischni Nowgorod nahm die Polizei etwa 15 Teilnehmer einer nicht genehmigten Aktion fest. Wie die Opposition mitteilte, soll dabei eine junge Frau am Kopf verletzt worden sein.

Demonstrationen / Russland
15.09.2012 · 21:17 Uhr
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