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Zardari: Pakistan braucht Jahre für Wiederaufbau

Flutkatastrophe in PakistanGroßansicht

Islamabad/Genf/Berlin (dpa) - Der Wiederaufbau nach der Jahrhundertflut in Pakistan wird nach Ansicht von Präsident Asif Ali Zardari mehrere Jahre dauern. «Drei Jahre sind das Minimum», zitierte die Zeitung «The Dawn» den Staatschef.

«Ich glaube nicht, dass sich Pakistan jemals vollständig (von der Flut) erholt, aber wir werden vorankommen.» In Islamabad beriet die Regierung mit Vertretern von Behörden und internationalen Organisationen über die angespannte Gesundheitslage in den Überschwemmungsgebieten. Die Deutschen haben nach Angaben des größten Hilfsbündnisses bisher etwa 16 Millionen Euro für die Flutopfer gespendet.

Etwa 3,5 Millionen Menschen seien von Krankheiten bedroht, sagte Premierminister Yousuf Raza Gilani nach dem Treffen. Bislang habe die Regierung jedoch erst 2,2 Millionen Betroffene medizinisch versorgen können. Zudem würden in den kommenden Monaten etwa eine halbe Million schwangere Frauen, die von den Fluten vertrieben wurden, ihre Kinder zur Welt bringen. Das sei eine besondere Herausforderung.

Ziel der Gespräche war nach Angaben eines Regierungssprecher die Ausarbeitung einer einheitlichen Strategie, um mit der angespannten Situation fertig zu werden. Vor allem Maßnahmen zur Verhinderung des Ausbruchs von Seuchen seien erörtert werden. Premier Gilani kündigte die Einberufung einer Regierungskommission an, die sich mit dem gesundheitlichen Zustand der Flüchtlinge befassen soll. Gleichzeitig rief er die Staatengemeinschaft dazu auf, sein Land weiter zu unterstützen.

Präsident Zardari räumte ein, dass die Kritik an der Reaktion der pakistanischen Regierung auf die Katastrophe teilweise berechtigt sei. Im Nachhinein sei man immer klüger, sagte er. «Sie müssen aber verstehen, wie gewaltig die Sache (das Ausmaß der Katastrophe) ist.»

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzeichnet in den von Hochwasser betroffenen Gebieten bislang mehr als 200 000 Fälle von akutem Durchfall, mehr als 260 000 Fälle von Hautkrankheiten und mehr als 200 000 Erkrankungen der Atemwege. Das erklärte WHO-Sprecherin Fadela Chaib am Dienstag in Genf. Die Organisation benötige dringend weitere Hilfsgelder, etwa um Impfungen gegen Masern unterstützen zu können, sagte Chaib. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind insgesamt mehr als 16 Millionen Pakistaner von der Flut betroffen.

Die Deutschen haben nach Angaben des größten Hilfsbündnisses bisher rund 16 Millionen Euro für die Flutopfer in Pakistan gespendet. Wie das Bündnis Aktion Deutschland Hilft am Dienstag in Berlin mitteilte, fließen die Spenden nach anfänglichem Zögern mittlerweile gut. Von dem Geld seien bislang etwa 250 000 Menschen mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln, Decken, Planen und Hygieneartikeln versorgt worden, tausende Flutopfer erhielten Zelte und Medikamente.

Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von zehn Hilfsorganisationen, die unter einer gemeinsamen Kontonummer Spenden für Pakistan sammeln. Peter Schwarz, Sprecher der Hilfsorganisation Care, war in den vergangenen Wochen im Flutgebiet. Die Lage sei erschütternd, sagte er. «Die Flutopfer trinken vor lauter Durst bei 42 Grad Hitze das stehende Wasser voller Viren und Bakterien.» Die Folge seien schwerste Durchfälle bis zum Tod sowie Haut- und Augenkrankheiten.

In Berlin startete am Dienstag ein zweiter Hilfsflug des Deutschen Roten Kreuzes nach Pakistan. Mit an Bord ist eine Anlage zur Aufbereitung von Trinkwasser für 15 000 Menschen.

Die Fluthilfe aus Europa überschritt unterdessen die 200 Millionen-Euro-Grenze. Nach Angaben der EU-Kommission in Brüssel haben die Regierungen der EU-Staaten bisher 130 Millionen Euro humanitäre Hilfe bereitgestellt. Zu diesen addiert sich ein Betrag von 70 Millionen Euro aus dem Haushalt der EU. Hinzu kommen Spenden in Form von Gütern und anderen Leistungen in Höhe von 6,6 Millionen Euro.

«The Dawn»-Artikel

Mitteilung der EU-Kommission

Katastrophen / Pakistan
24.08.2010 · 15:46 Uhr
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