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Zahlreiche Tote bei Anschlag in Südrussland

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Wolgograd (dpa) - Sechs Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele in Sotschi haben Terroristen bei einem Selbstmordanschlag in Südrussland mindestens 15 Menschen getötet.

Im Bahnhof der Millionenstadt Wolgograd zündete am Sonntag ein Attentäter eine mit Nägeln und Schrauben gefüllten Bombe inmitten einer Menschenmenge. Dabei kam auch der Täter ums Leben. Es war der dritte tödliche Anschlag in der Region Südrussland in den vergangenen Wochen.

Mehr als 30 Menschen wurden verletzt. Fünf der Opfer schwebten am Abend noch in Lebensgefahr. Anfangs hatte es noch geheißen, eine Frau habe den Sprengsatz gezündet.

Der tschetschenische Islamistenführer Doku Umarow hatte im Sommer zu Attentaten aufgerufen, um die Olympischen Spiele zu stören. Wolgograd liegt etwa 700 Kilometer von Sotschi entfernt.

Russlands Präsident Wladimir Putin verurteilte die Tat scharf. Er forderte die Ermittler auf, die Hintermänner der Tat so schnell wie möglich zu enttarnen und zu verhaften, wie ein Kremlsprecher am Abend mitteilte. Die Islamisten im Kaukasus werfen Putin eine «blutige Besatzungspolitik» im Konfliktgebiet vor. Der Kreml verspricht aber sichere Spiele in Sotschi. Die Veranstaltung gilt als Putins Prestigeprojekt.

Russland sorgt sich wegen der jüngsten Anschläge im Süden des Riesenreiches. Ende Oktober hatte ebenfalls in Wolgograd eine Selbstmordattentäterin in einem Linienbus mit einer Bombe sechs Passagiere und sich selbst getötet. Wie diese Frau könnte auch die Attentäterin vom Sonntag aus der Teilrepublik Dagestan im Nordkaukasus stammen, sagte ein Ermittler.

Am Freitagabend hatte die Explosion einer Autobombe vor einer Polizeistation im Kurort Pjatigorsk im Nordkaukasus drei Menschen getötet. In der bergigen Vielvölkerregion Nordkaukasus kommt es immer wieder zu blutigen Gefechten zwischen Kreml-Einheiten und Extremisten.

Bei dem jüngsten Anschlag in Wolgograd sei der Sprengsatz am frühen Nachmittag am Eingang des Bahnhofs detoniert, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, der Agentur Interfax. Dort warteten wegen der Neujahrsferien besonders viele Menschen an einer Sicherheitsschleuse auf die Kontrolle ihres Gepäcks. Auf den Bildern einer Überwachungskamera war ein großer Feuerball und eine Explosion zu sehen, die das dreistöckige Gebäude erschütterte.

Die Explosion der Bombe mit einer Sprengkraft von zehn Kilogramm TNT tötete auch ein Mitglied der Sicherheitskräfte. Zahlreiche Krankenwagen rasten zum Bahnhof der Millionenstadt. Mindestens 37 Menschen wurden in Kliniken gebracht, darunter ein neunjähriges Kind.

«Ich sah einen Blitz im Inneren des Gebäudes, dann riss eine gewaltige Explosion die Fenster aus den Angeln», sagte Taxifahrer Oleg Grams dem Staatsfernsehen. Er hatte vor dem Bahnhof gewartet. «Die Detonation war extrem», schilderte auch Augenzeugin Swetlana Demtschenko. Sie sprach von «großer Panik» kurz nach dem Attentat.

Wolgograds Bürgermeisterin Irina Gussewa nannte die Lage in der Stadt «schwierig» nach dem zweiten Anschlag in zwei Monaten. «Wir werden aber weder Panik noch Verzweiflung in der Stadt erlauben», sagte sie.

Die Gebietsverwaltung von Wolgograd verhängte eine dreitägige Trauer. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nannte den Anschlag einen «barbarischen Akt».

Präsident Putin forderte eine schnelle Aufklärung des Anschlags und sagte Verletzten und Angehörigen unbürokratische Hilfe zu. Er entsandte zudem einen Beauftragten nach Wolgograd, das bis 1961 Stalingrad hieß und im Zweiten Weltkrieg Ort einer der blutigsten Schlachten war. Deutsche Partnerstädte Wolgograds sind Köln und Chemnitz.

Konflikte / Terrorismus / Russland
29.12.2013 · 20:32 Uhr
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