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Zahl der Toten in Pakistan steigt

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Genf/Islamabad (dpa) - Die Überschwemmungen im Nordwesten Pakistans mit mehr als 1600 Toten haben aus Sicht der Vereinten Nationen verheerende Dimensionen. «Was wir hier haben, ist eine Katastrophe beträchtlichen Ausmaßes».

Das sagte der Leiter der UN- Hilfseinsatzes, Manuel Bessler, am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz in Genf. Rund eine Woche nach Beginn der heftigsten Monsunregenfälle seit mehr als 80 Jahren seien viele Landesteile nach wie vor von der Außenwelt angeschnitten.

«Ganze Landstriche sind nur aus der Luft erreichbar», sagte der Chefkoordinator der Vereinten Nationen für den humanitären Einsatz in Pakistan. Bessler nannte es «absolut verständlich», dass sich in der Bevölkerung Ärger über die als unzureichend empfundenen Anstrengungen der Regierung in Islamabad breitmacht.

Es seien inzwischen mindestens 1,5 Millionen Menschen von der Jahrhundert-Flut direkt betroffen. Sobald ihr Scheitelpunkt die mittleren Abschnitte des Indus erreiche, drohten weitere 1,4 Millionen Menschen in der Region Punjab ihr Hab und Gut zu verlieren.

Nach den tödlichen Fluten im Norden bereitet sich der Süden des Landes auf verheerendes Hochwasser vor. In der Provinz Sindh seien die am schwersten bedrohte Gebiete entlang des Flusses Indus mit mehr als 350 000 Menschen evakuiert worden, sagte Saleh Farooqi von der Katastrophenbehörde in Sindh. Rund eine Million Pakistaner könnten hier von den Fluten betroffen sein.

Die Behörden erwarten einen weiteren Anstieg des Indus-Pegels in Sindh. Die Überflutungen breiten sich nach den Monsun-Regenfällen in der Nordwestprovinz Khyber-Pakhtunkhwa in Richtung Süden aus und fließen im 3200 Kilometer langen Indus zusammen.

In der zentralpakistanischen Provinz Punjab ist der Indus schon über die Ufer getreten, dort starben Dutzende Menschen. Die Wassermassen überfluteten große Ackerflächen. Betroffene kritisieren die ihrer nach Ansicht nach unzureichende Hilfe der Regierung. Hilfsorganisationen fürchten den Ausbruch von Seuchen wie Cholera. Die Armee setzt nach eigenen Angaben 450 Boote und 40 Hubschrauber ein, um die Menschen aus den Flutgebieten zu retten.

Brian Kelly von der Internationalen Organisation für Migration berichtete von Tausenden «spontanen Siedlungen an den Straßenrändern», die verzweifelte Pakistaner in den vergangenen Tagen provisorisch aufgebaut hätten. Die offizielle Sammelzentren seien mittlerweile «extrem überlastet». In Zusammenarbeit mit dem UN- Flüchtlingshilfswerk UNHCR seien bis zu 30 000 Zelte verteilt worden. Das Welternährungsprogramm der UN startete am Donnerstag im Swat-Tal eine weitere Luftbrücke mit Hubschraubern.

Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef haben zahlreiche Kinder bei den Überflutungen ihre Eltern verloren oder sind von ihnen getrennt worden. Allein im Swat-Tal in Khyber-Pakhtunkhwa kümmern sich Unicef-Partner demnach um 80 Kinder, deren Eltern vermutlich tot sind. Problematisch ist die Trinkwasserversorgung. Da viele Orte immer noch von der Außenwelt abgeschnitten seien, bleibe vielen Menschen nichts anderes übrig als Schmutzwasser zu trinken, teilte das Kinderhilfswerk am Donnerstag in Köln mit.

Unicef versorgt derzeit rund 565 000 Menschen mit Trinkwasser. Dazu werden Brunnen repariert, Tankwagen und Materialien zur Wasseraufbereitung bereitgestellt. Außerdem verteilt Unicef Zusatznahrung und Medikamente.

Wetter / Unwetter / Pakistan
05.08.2010 · 16:35 Uhr
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