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Zahl der EHEC-Opfer steigt

EHEC-Bakterien unter einem Mikroskop.

Berlin (dpa) - Die EHEC-Welle rollt unvermindert vor allem durch den Norden Deutschlands. Bis zum Samstag sind dem gefährlichen Darmkeim neun Menschen zum Opfer gefallen. Auch die Zahl der Krankheits- und Verdachtsfälle steigt. Nach offizieller Schätzung ist der Höhepunkt noch nicht erreicht.

Wo die Ursache liegt, ist weiter unklar. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger verzichtet auf rohe Tomaten, Gurken und Salat. Betroffene Bauern beklagen Riesenschäden.

In einem Krankenhaus in Schleswig-Holstein starb am Samstag eine 84 Jahre alte Frau an der schweren Komplikation HUS. HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom. Im Hamburger Uniklinikum Eppendorf (UKE) starb daran in der Nacht zu Samstag eine 87-jährige Frau. Eine 38 Jahre alte Frau aus Schleswig-Holstein war bereits am Donnerstagabend in einem Kieler Krankenhaus am HUS gestorben. Bundesweit schweben mehrere Menschen weiter in Lebensgefahr.

Deutschlandweit wurden mittlerweile mehr als 1000 bestätigte und EHEC-Verdachtsfälle registriert. Normalerweise gibt es im ganzen Jahr etwa 900 gemeldete Infektionen mit den Bakterien. Von den neun Toten waren acht Opfer Frauen. Bislang stammen alle Todesopfer aus Norddeutschland.

Allein in Niedersachsen wurden bis Samstag 141 bestätigte Erkrankungen, 48 EHEC-Verdachtsfälle und 42 HUS-Fälle registriert. «Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahl der Schwererkrankten noch weiter steigt», sagte der Sprecher des Sozialministeriums. Wegen Überlastungen verlegen Hamburger Kliniken Erkrankte derzeit nach Niedersachsen. In Hamburg liegt die Zahl bei etwa 400 Patienten.

In Mecklenburg-Vorpommern haben sich weitere EHEC-Patienten in Behandlung begeben. Bei einer 58-jährigen EHEC-Patientin im Karlsruher Klinikum bestand keine akute Lebensgefahr mehr. «Aber die Patientin wird nach wie vor beatmet», sagte eine Kliniksprecherin. Sie hatte zuvor nach Angaben der Klinik viel Rohkost gegessen. Aus Nordrhein-Westfalen wurden am Samstag keine neuen EHEC-Fälle gemeldet, hier erkrankten 48 Menschen.

Am Hamburger UKE setzen die Mediziner inzwischen auf eine neue Behandlung. Sechs EHEC-Infizierte mit Komplikationen bekämen einen speziellen Antikörper, sagte Prof. Rolf Stahl am Samstag. Der Antikörper Eculizumab soll gegen das akute Nierenversagen bei HUS wirken, wie das «Hamburger Abendblatt» berichtete. Ärzte und Wissenschaftler aus Heidelberg, Montreal und Paris stellten im Fachblatt «New England Journal of Medicine» die erfolgreiche Behandlung von drei Kleinkindern mit diesem Antikörper vor.

Nach Einschätzung von Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) ist der Höhepunkt der Krankheitswelle noch nicht erreicht. Denn zwischen einer Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit könnten bis zu zehn Tage liegen. Er gehe außerdem davon aus, dass es außer den identifizierten spanischen Salatgurken vom Hamburger Großmarkt noch weitere Ansteckungsquellen geben müsse.

Spanische Behörden wiesen Informationen der EU-Kommission zurück, wonach zwei Agrarbetriebe in Südspanien wegen EHEC-Verdachts vorübergehend geschlossen worden seien. In den beiden Betrieben in den Provinzen Almería und Málaga seien lediglich abgeerntete Gurken vorsichtshalber sichergestellt worden, teilte das andalusische Gesundheitsministerium in Sevilla mit. Sie könnten womöglich mit den in Deutschland aufgetretenen EHEC-Infektionen in Verbindung stehen. Experten entnahmen Boden-, Wasser und Produktproben.

Mehr als jeder zweite Bundesbürger verzichtet jetzt auf ungekochte Tomaten, rohe Gurken und Salat. 58 Prozent gaben in einer Umfrage im Auftrag der «Bild am Sonntag» an, auf diese Rohkost zu verzichten. 41 Prozent würden dagegen weiterhin rohes Gemüse essen. Das Institut Emnid hatte 500 Menschen ab 14 Jahren repräsentativ befragt.

Deutschlands Bauern klagen über starke Absatzeinbrüche. Der Vizechef des schleswig-holsteinischen Bauernverbands, Hans-Peter Witt, sieht «irrsinnige Schäden». Salat sei praktisch nicht zu verkaufen, sogar bei Erdbeeren sei der Verkauf mancherorts um 50 Prozent zurückgegangen. Dies sei für viele Bauern existenzgefährdend.

Schweden hatte 25 nachgewiesene EHEC-Erkrankungen, Dänemark sieben, Großbritannien drei, Österreich zwei und die Niederlande eine.

Gesundheit / Infektionen
28.05.2011 · 14:42 Uhr
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