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«Xynthia» geht die Puste aus

Bei einem Unfall durch eine Windböe des Sturmtiefs Großansicht
Hamburg/Paris (dpa) - Trauer um die Toten, Aufräumen nach der Katastrophe: Das Orkantief «Xynthia» hat in Westeuropa mindestens 58 Menschen in den Tod gerissen und Schäden in Millionenhöhe verursacht. Am schlimmsten traf es Frankreich.

Dort stieg die Zahl der Toten nach dem Sturm auf 47, wie Innenminister Brice Hortefeux am Montag mitteilte. Staatspräsident Nicolas Sarkozy wurde an der besonders hart getroffenen Atlantikküste erwartet, wo am Sonntag viele Menschen ertrunken waren. Die Regierung will den Notstand ausrufen, um Entschädigungen durch die Versicherungen zu erleichtern, und die EU um Hilfe bitten.

Sechs Todesopfer in Deutschland

In Deutschland sind mindestens sechs Menschen in dem Unwetter umgekommen, die meisten wurden von Bäumen erschlagen, die durch gewaltige Orkanböen abgeknickt waren. In Nordspanien und Portugal gab es vier Tote. In Belgien wurde ein Mann in seinem Garten von einem Baum erschlagen.

In Niedersachsen wurde ein 46 Jahre alter Mann bei Bückeburg mit seinem Auto von der Fahrbahn geweht. Er krachte gegen einen Baum und starb an der Unfallstelle, teilte die Polizei am Montagmorgen mit. Im südhessischen Biblis wurde ein Zweijähriger vermutlich in einen Fluss geweht, wo er ertrank. Im Schwarzwald kam ein 74-jähriger Autofahrer ums Leben, bei Wiesbaden ein 69 Jahre alter Wanderer. In Nordrhein- Westfalen starben eine Joggerin und eine Autofahrerin.

Gemessen an der Zahl der Opfer war «Xynthia» ein schlimmerer Orkan als «Kyrill» (2007) mit 47 Toten und «Lothar» (1999) mit 50 Toten. Der Wetterdienst Meteomedia registrierte Windspitzen bis 180 Kilometer pro Stunde. Dieser Wert wurde auf dem Brocken gemessen. Für Schätzungen der Schadenshöhe sei es noch zu früh, teilte die Versicherung Münchner Rück mit.

Am schlimmsten wütete der Sturm in Rheinland-Pfalz, Nordrhein- Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Dort wurden selbst im Flachland bis 133 Stundenkilometer schnelle Böen gemessen. «Xynthia» hatte in der Nacht deutlich an Kraft verloren und zog am Montag nach Osten ab. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte nur noch vor Orkanböen auf dem Brocken.

Reiseverkehr normalisiert sich

In einigen Regionen Deutschlands, darunter ganz Nordrhein- Westfalen und Saarland, war der Zugverkehr am Sonntag komplett eingestellt worden. Bahnmitarbeiter hatten in der Nacht die verwüsteten Gleise wieder freigeräumt. Langsam löste sich der Stau gestrandeter Züge am Montagmorgen auf. Bis zum frühen Nachmittag sollten Fernzüge wieder planmäßig fahren, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Dafür mussten viele Züge, die in der Sturmnacht gestoppt worden waren, erst an die für ihre Linie vorgesehenen Standorte gebracht werden. Im Regionalverkehr gab es in besonders von Sturmschäden betroffenen Gebieten in Nordrhein-Westfalen und Hessen noch einzelne gesperrte Strecken.

Die Deutsche Bahn AG verteidigte ihre Strategie Sicherheit vor Pünktlichkeit. «Die Sicherheit unserer Passagiere und Mitarbeiter hatte zu jedem Zeitpunkt höchste Priorität», sagte ein Sprecher am Montag.

Auch auf dem Frankfurter Flughafen gab es am Montag noch Verspätungen. In den Morgenstunden wurden 15 Flüge gestrichen, teilte eine Sprecherin des Flughafenbetreibers Fraport mit. Die Passagiere sollten sich auf Verspätungen von bis zu zwei Stunden einstellen. «Wir hoffen aber, dass sich die Lage im Verlauf des Tages entspannt», sagte die Sprecherin. Am Sonntag waren auf dem Rhein-Main-Airport etwa 250 von 1270 Starts und Landungen gestrichen worden.

Die meisten größeren Straßen waren bundesweit am Montag wieder befahrbar. In Rheinland-Pfalz blieb die Bundesstraße 327 im Hunsrück zwischen Hinzerath und Hochscheid wegen umgefallener Bäume gesperrt. Auch im Kreis Trier-Saarburg waren noch Straßen dicht: «Es ist eine Menge Holz, die da weggemacht werden muss», sagte der Sprecher der Kreisverwaltung, Thomas Müller. Stromausfälle gab es noch in elf Ortschaften der Region Trier. Wie der Sprecher der RWE Rheinland Westfalen Netz AG, Rolf Lorig, in Trier mitteilte, sollte die Versorgung im Laufe des Vormittags über Notstromaggregate wieder hergestellt werden.

5400 Sturmeinsätze in NRW

In Nordrhein-Westfalen war die Polizei zwischen Sonntag, 13.00 Uhr und Montag, 5.00 Uhr zu 5400 Sturmeinsätzen gerufen. «Die Meldungen liefen fast im Minutentakt ein», berichtete die Beamten. Auch die Feuerwehren hatten alle Hände voll zu tun. In den Sturmregionen drohte weiter die Gefahr umstürzender Bäume.

Neben kubikmeterweise Holz, das Straßen und Wege versperrte, mussten demolierte Autos, herausgerissene Verkehrsschilder und herabgestürzte Ziegel weggeschafft werden. Der Sturm hatte auch Bahn- Oberleitungen heruntergerissen und Dächer abgedeckt. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, flog durch die Luft: Baustellen-Ampeln, Gerüstteile oder mobile Toilettenhäuschen.

Freuen durften sich die Schüler im osthessischen Hünfeld. Dort gab es am Montag unterrichtsfrei, weil der Sturm eine Realschule und ein Gymnasium stark beschädigt hatte. Wegen der starken Regenfälle, die «Xynthia» mitbrachte, steigen nun auch die Pegel der Flüsse weiter an - vielerorts droht Hochwasser.

Wetter / Unwetter
01.03.2010 · 12:09 Uhr
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