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Wunsch oder Wirklichkeit? - Statistiken zur Einheit

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Berlin (dpa) - Gibt es zwei Jahrzehnte nach der deutschen Wiedervereinigung noch unterschiedliche Lebensbedingungen in Ost und West? Oftmals ja, bilanzieren die Statistiker. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt ist die Republik noch gespalten.

«Wir Statistiker werden ja oft als Erbsenzähler bezeichnet.» Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, gibt sich am Mittwoch in Berlin selbstironisch, als er das Statistische Jahrbuch 2010 vorstellt. Das mehr als 700 Seiten starke Konvolut umfasst alles, was das statistisch interessierte Herz begehrt - und noch mehr: 20 Jahre nach der Wiedervereinigung haben die Zahlenexperten auch etwas genauer hingesehen, wie es um den Westen und den Osten der Republik bestellt ist. Ihre Bilanz fällt nüchterner aus als das Fazit so manchen Politikers im Jubiläumsjahr.

Alle neuen Bundesländer verzeichnen seit der deutschen Einheit einen Bevölkerungsrückgang. Am stärksten merken dies Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Insgesamt schrumpfte die Bevölkerung im Osten um ganze 1,7 Millionen Menschen - etwa ein Achtel. Gründe sind sinkende Geburtenzahlen und vor allem Abwanderung. Während 2,7 Millionen Menschen von Ost nach West gingen, zogen aber auch 1,6 Millionen Bürger aus dem alten Bundesgebiet in die neuen Länder. Dies verhindert aber nicht den Anstieg des Durchschnittsalters: Im Osten sind die Menschen durchschnittlich 2,6 Jahre älter als im Westen.

Das häufig angeführte Positiv-Beispiel, der Osten habe bei der Kinderbetreuung die Nase vorn, wird klar von der Statistik belegt. In den neuen Ländern und Berlin beträgt die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren im Durchschnitt 45 Prozent. Im früheren Bundesgebiet liegt der Wert dagegen nur bei 15 Prozent.

Obwohl der Osten in der Wirtschaft in vielen Bereichen noch hinterherhinkt, gibt es auch Statistiken, bei denen ein Ostland vorn liegt: Mecklenburg-Vorpommern ist führend beim ökologischen Landbau und hat die meisten Gästeübernachtungen je Einwohner. Seit 1992 ist die Zahl der Übernachtungen in dem Land um 200 Prozent gestiegen.

Beim Thema Arbeitsmarkt geht nach wie vor ein Riss durch die Republik. Neben dem geringeren Durchschnittsverdienst ist die höhere Arbeitslosigkeit ein Problem. «Mit 13,9 Prozent war die Erwerbslosenquote 2009 in Mecklenburg-Vorpommern am höchsten, gefolgt von Berlin und den anderen vier ostdeutschen Ländern, die allesamt zweistellige Quoten aufwiesen», bilanzieren die Statistiker. «Letzteres ist in keinem der westdeutschen Länder der Fall.»

Menschen im Osten haben im Durchschnitt ein geringeres Haushaltseinkommen zur Verfügung und sind häufiger von Armut bedroht. «Der Anteil der Personen, die Hartz IV-Leistungen erhalten, ist in den neuen Ländern und Berlin rund doppelt so hoch wie im früheren Bundesgebiet», schreiben die Experten.

Kaum Unterschiede gibt es dagegen bei der Haushaltsausstattung: 86 Prozent der privaten Haushalte haben ein Handy - egal, ob in den alten oder neuen Bundesländern. Das Fernsehgerät ist mittlerweile überall selbstverständlich. Etwas zurück liegen die neuen Länder noch bei der Ausstattung mit Geschirrspülmaschinen und Wäschetrocknern. Euphorie ist den Statistikern fremd - Worte wie «Erfolgsstory» oder «Erfolgsbilanz» sind bei ihren Ausführungen zu 20 Jahre deutsche Einheit nicht zu hören. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt ist die deutsche Einheit noch nicht vollzogen. Für Egeler gehören diese Themen zur Rubrik «Eher Wunsch als Wirklichkeit».

Gesellschaft / Statistik / Einheit
03.10.2010 · 10:26 Uhr
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