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Wulff feiert trotz Kritik schon einmal Weihnachten

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Wittenberg (dpa) - Bundespräsident Christian Wulff ist der immense Druck nicht anzusehen, der auf ihm lastet. Während in Berlin massive Kritik auf ihn niederprasselt, begibt sich 52-Jährige in Wittenberg in eine scheinbar heile Welt.

Reich geschmückte Tannenbäume, glitzernde Lichter und mit reiner Stimme singende Kinderchöre prägen am Samstagabend die Schlosskirche von Wittenberg. Weihnachten in einer Stadt, wo Martin Luther einst moralische Werte ganz neu erfand. Der Bundespräsident sitzt mit seiner Gattin Bettina (38) in der ersten Reihe. Als ob es die Vorwürfe nie gegeben hätte.

Das ZDF-Weihnachtskonzert ist bestens vorbereitet. Moderatorin Carmen Nebel führt souverän durch das Programm. Einen großen Auftritt hat das Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt. Aber auch der Kinder- und Jugendchor der Stadt Magdeburg - die jüngsten Kehlen der Stadt, heißt es in der Werbung - kann die 300 geladenen Menschen in der Stadtkirche begeistern. Über den Gästen schwebt eine Fernsehkamera - sanft, wie ein Engel. Zum Auftakt singen alle mit: «O du fröhliche». Am 24. Dezember soll die Sendung ausgestrahlt werden.

Wulffs Begleitung versucht den Bundespräsidenten lange Zeit von jedweden Nachfragen der Journalisten abzuschirmen. Nicht einmal die Frage, ob Wulff denn inzwischen in der Stadt eingetroffen ist, will eine Mitarbeiterin bis kurz vor der Veranstaltung beantworten. Auch bei einem Termin zuvor in Frankfurt, wo Wulff zum 100-jährigen Bestehen des Fechter-Bundes gratuliert, heißt es nur: «Jetzt kein Interview». Erst am späten Abend äußert sich Wulff knapp: «Man muss selber wissen, was man macht», sagt der Bundespräsident der dpa. Man müsse unterscheiden, «wo ist etwas real und wo ist etwas mit sehr viel Staub aufwirbeln verbunden».

In der Schloßkirche in Wittenberg wird an diesem Abend kein Staub aufgewirbelt. Im Gegenteil. Das Programm für Wulff stand schon lange vor den Vorwürfen fest. Wie üblich bei dieser Sendung trägt er aus der Weihnachtsgeschichte der Bibel vor. «Fürchtet Euch nicht», liest Wulf die Worte, die der Engel zu Maria und Josef sprach.

Für eine Weihnachtssendung eignet sich die Schloßkirche in Wittenberg mit ihrem alten Gemäuer gut. Vor rund 500 Jahren schlug Martin Luther der Überlieferung nach seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür. Von hier ging einst ein mächtiger Anstoß zu einer moralischen Kehrtwende aus. So mächtig, dass er heute noch Religion, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft prägt. Doch das hat so richtig nichts mit dem Auftritt Wulffs zu tun. Vielen Besuchern wird vor allem in Erinnerung bleiben: Ein schönes Konzert - mit einem umstrittenen Bundespräsidenten.

Bundespräsident / Medien
18.12.2011 · 08:23 Uhr
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