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Wütende Opelaner kämpfen gegen Einschnitte

Messer ins Herz: Opel-Mitarbeiter protestieren vor dem Werk in Kaiserslautern gegen General Motors.Großansicht
Berlin/Rüsselsheim (dpa) - Unter dem Eindruck der Proteste tausender Opel-Mitarbeiter suchen Bund und Länder eine Strategie zur Rettung der deutschen Werke. Der US-Autobauer General Motors (GM) droht der Belegschaft mit Insolvenz, wenn die Betriebsräte nicht zu Zugeständnissen bereit sein sollten.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will den Druck auf GM erhöhen. Sie kündigte an, sich eng mit US- Präsident Barack Obama abzustimmen. Bund und Länder fordern von GM umgehend ein Konzept für die Zukunft von Opel, nachdem der US- Autobauer dem geplanten Verkauf an den Autozulieferer Magna und seinem russischen Partner Sberbank eine Absage erteilt hatte.

«Wir sind uns einig, dass GM jetzt liefern muss und offenlegen, was die neue Konzeption ist», sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Donnerstagabend nach einem Treffen mit den Länderchefs der vier Opel-Standorte in Berlin.

Nordrhein-Westfalens Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) forderte, die Standorte und möglichst viele Arbeitsplätze sollten erhalten bleiben. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte, die Absage von GM an den Opel-Verkauf bedeute nicht, dass Opel kaputt sei, «sondern dass wir um neue Perspektiven ringen müssen». Beide forderten, mögliche neue Staatshilfen an Bedingungen zu knüpfen.

Der Machtkampf um Opel erreichte einen neuen Höhepunkt. Mit Wut im Bauch protestierten tausende von Opel-Mitarbeitern in ganz Deutschland. An allen vier Opel-Standorten demonstrierten sie gegen die von GM geplanten Massenentlassungen und Werkschließungen. Am Stammwerk in Rüsselsheim gingen am Donnerstag rund 10 000 Opelaner mit Trillerpfeifen und Trommeln auf die Straßen. In Bochum und Kaiserslautern waren es ebenfalls tausende, in Eisenach rund 500.

GM als Mutterkonzern will rund 10 000 Stellen in Europa streichen. Das würde etwa dem Konzept des österreichisch-kanadischen Zulieferers Magna entsprechen, der als Bieter abgeschmettert worden war. Nach dem Sanierungskonzept vom Frühjahr, auf dem GM aufbauen will, sollen drei Werke geschlossen werden: Antwerpen, Bochum und vorübergehend Eisenach. Nach GM-Angaben könnte Bochum möglicherweise überleben. Für Opel in Deutschland arbeiten mehr als 25 000 Menschen.

Merkel stellte Forderungen an GM. Sie sagte Obama nach Angaben von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in einem Telefonat, die Bundesregierung werde darauf dringen, dass GM schnellstmöglich eine neue Konzeption zu Opel vorlegt und der Brückenkredit bis Ende November zurückgezahlt wird. Merkel hält das Verhältnis zu den USA trotz der Kehrtwende von GM bei Opel nicht für beeinträchtigt. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verlangte von GM den Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland.

GM ist sich trotz des abgesagten Verkaufs von Opel der Staatshilfe aus Deutschland und den anderen europäischen Opel-Ländern sicher: «Wenn sie den Magna-Plan mögen, mögen sie auch den GM-Plan», sagte Vize-Präsident John Smith. Sollte Deutschland die Unterstützung verweigern, müsse GM einen «Plan B» ziehen. Das «Wall Street Journal» zitierte Experten, wonach der Autobauer aus den eigenen «unbegrenzten Barreserven» schöpfen könne, um die Restrukturierung selbst zu schultern. Das war in Deutschland bezweifelt worden.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz forderte vor den knapp 10 000 Beschäftigten am Stammwerk mehr Eigenständigkeit für den Autobauer unter dem Dach von GM. «Die Adam Opel GmbH muss in eine deutsche Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Wir wollen kein Anhängsel sein, das von Detroit aus durchregiert wird.» Dies sei die Vorbedingung für Verhandlungen. Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter werfen den GM-Managern vor, Opel durch Arroganz gegenüber den Interessen europäischer Kunden und eine falsche Modellpolitik in die Krise geführt zu haben.

Im Bochumer Opelwerk forderte Betriebsratschef Rainer Einenkel den Erhalt möglichst vieler der 6000 Stellen. Die Montage des «Zafira» und weiterer Modelle müssten nach Bochum kommen.

Die Gewerkschaft IG Metall sieht dagegen derzeit keine Veranlassung, Verhandlungen mit GM voranzutreiben. «Es ist den Arbeitnehmern und damit ihren Gewerkschaften überhaupt nicht zuzumuten, nach diesem Paukenschlag aus Detroit, der auch ein Schlag ins Gesicht war, jetzt mit neuen Plänen aufzuwarten», sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild im ZDF. Die von GM genannte Investitionssumme von 3 Milliarden Euro reiche nicht, um neue Autos zu bauen und neue Märkte zu erschließen.

Auto / Opel / GM
06.11.2009 · 07:20 Uhr
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