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Wo stand die Mauer - Spurensuche in Berlin

Das als East Side Gallery erhalten gebliebene Stück der Berliner Mauer ist gerade restauriert worden.
Berlin (dpa) - Vorm Brandenburger Tor und am belebten Potsdamer Platz stehen immer wieder Touristen und schütteln ungläubig den Kopf: Hier im Zentrum Berlins soll noch vor knapp 20 Jahren eine Mauer die Stadt in zwei Hälften geteilt haben?

Tatsächlich ist davon kaum noch etwas zu sehen. Schließlich wurde nach dem Mauerfall ein Großteil der etwa 45 000 Betonklötze zerkleinert oder komplett abtransportiert. Der Pflasterstreifen, der den Mauerverlauf nachbildet, ist vielen zu abstrakt. Wo finden Besucher Geschichte zum Anfassen?

Brandenburger Tor

Eine rote Fahne mit Hammer und Sichel weht neben der amerikanischen. Die Flaggen werden von zwei Männern gehalten, die als alliierte Soldaten verkleidet sind. Sie warten auf touristische Kundschaft. An Berlins bekanntestem Wahrzeichen gibt es Erinnerungsfotos mit den falschen Militärs gegen Trinkgeld. Wirklich realitätsnah ist das aber nicht: Weder Russen noch Amerikaner patrouillierten zu Mauerzeiten vor dem Tor, das im Grenzgebiet lag.

Wer dagegen mehr über das einst isolierte Wahrzeichen erfahren will, kann sich seit dem Sommer im nahe gelegenen neuen U-Bahnhof Brandenburger Tor auf mehreren Tafeln und Schaubildern informieren - in Deutsch und Englisch.

Checkpoint Charlie

Der Checkpoint Charlie zählte zu den berühmtesten Grenzkontrollpunkten zwischen Ost und West. Hier durften zu DDR- Zeiten nur Ausländer und Diplomaten passieren. Das ehemalige Grenzkontrollhaus der amerikanischen Streitkräfte wurde nach dem Mauerfall entfernt, heute erinnert aber ein Nachbau an die Teilung. Wenige Meter weiter hängt ein originalgetreu nachgebildetes Schild in den Sprachen der Siegermächte sowie auf Deutsch: «Sie verlassen den amerikanischen Sektor».

Auch das private Mauer-Museum «Haus am Checkpoint Charlie» ist das Ziel vieler Berlinbesucher. Für 12,50 Euro Eintritt können Erwachsene unter anderem ein Fluchtauto und Mauersegmente, Pässe und Grenzschilder sehen. Dem Museum wird zwar immer wieder vorgeworfen, ein Erinnerungs-Disneyland zu sein - doch Touristen stört das nicht. Im Gegenteil: Der Checkpoint gehört zu den bestbesuchten Museen der Stadt.

East Side Gallery

Im Ostteil der Stadt finden Besucher das wohl bekannteste Mauerstück - die 1,3 Kilometer lange East Side Gallery. 1990 bemalten Künstler aus aller Welt dieses längste erhaltene Stück Mauer mit riesigen Wandbildern. Zu den bekanntesten Motiven gehört sicherlich Dmitri Wrubels «Bruderkuss» zwischen Honecker und Breschnew. Weil die Farbe bei vielen Gemälden nachließ, wurde die East Side Gallery monatelang aufwendig restauriert. Dafür kamen viele der Künstler wieder nach Berlin, die bereits vor knapp 20 Jahren ihre Bilder an die Mauer gemalt hatten. Pünktlich zum Jahrestag des Mauerfalls erstrahlt die Open-Air-Galerie nun in neuem Glanz.

Bernauer Straße

Auch die Bernauer Straße gilt als wichtiges Symbol der deutschen Teilung. Die Mauer verlief genau an der östlichen Häuserfront der Straße. Nun wird die zentrale Mauer-Gedenkstätte bis 2011 mit Millionenaufwand erweitert. Zunächst soll zum 9. November der Informationspavillon fertig sein.

Schon jetzt können Touristen in der Straße aber den zweiten großen Mauerrest Berlins besuchen. Eine etwa 200 Meter lange Betonreihe erinnert daran, dass in dieser Straße nach dem Mauerbau zahlreiche Menschen aus Häuserfenstern in den Westen sprangen und einige dabei den Tod fanden. Wenige Meter weiter wird in einer schlichten Kapelle auf dem Fundament der Versöhnungskirche regelmäßig an einen dieser Menschen erinnert, der durch die Mauer ums Leben kam.

Martin-Gropius-Bau

Der Martin-Gropius-Bau - eines von Berlins wichtigsten Ausstellungsgebäuden - lag nach dem Mauerbau zwar im Westen, der Eingang zu den Ausstellungsräumen musste aber trotzdem zwangsweise verlegt werden. Warum? Die Grenze verlief direkt vor dem Gebäude, so dass der Bürgersteig vor der Mauer lag, aber dennoch zum Ostteil der Stadt gehörte.

In unmittelbarer Nähe verdeutlicht das dritte der größten Original-Mauerstücke der Stadt eindrucksvoll diesen Verlauf: Auf rund 200 Meter Länge sind zahlreiche hellgraue Betonklötze erhalten. Mauerspechte klopften einst größere Mengen aus den Mauerstücken, doch nun mahnen die kahlen Reste, sich an die Geschichte der Teilung zu erinnern.

Parlament der Bäume

Erlen, Flieder, Kiefer, Gingko, Kastanie und einen Pflaumenbaum hat Aktionskünstler Ben Wargin am Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Bundestages auf einem Stück des früheren Grenzstreifens gepflanzt. Auf Granitplatten sind die Namen von Mauertoten eingraviert. Auch an Chris Gueffroy wird erinnert. Er war im Februar 1989 der letzte erschossene DDR-Flüchtling.

Günter-Litfin-Gedenkstätte

Günter Litfin wurde am 24. August 1961 von Angehörigen der Transportpolizei erschossen, als er versuchte, nach West-Berlin zu fliehen. Der junge Mann war damit das erste Opfer gezielter Schüsse an der Grenze zwischen Ost- und Westberlin. Ihm zu Ehren errichtete sein Bruder Jürgen im Jahr 2003 die Günter-Litfin-Gedenkstätte. In einem ehemaligen Wachturm erfahren Besucher in einer Dauerausstellung mehr über die damalige Todesgrenze und das geteilte Berlin 1961.

Internet: www.berlin.de/mauer

Geschichte / Deutschland
09.11.2009 · 22:24 Uhr
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