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WM-Party geht weiter

Fans in FrankfurtGroßansicht
Berlin (dpa) - In Südafrika hüpfte die Kanzlerin, daheim bebte das Volk: Zum deutschen Tor-Festival von Kapstadt gegen Argentinien (4:0) haben Millionen Menschen im ganzen Land den Vorstoß der Nationalelf in das WM-Halbfinale gefeiert.

Ob Angela Merkel im Stadion oder Hunderttausende auf den Fanmeilen - der Freudentaumel nach dem Triumph rückt den WM-Titel einen riesigen Schritt näher. Die Republik steht wieder vor einer bewegten Woche. Und auch Tintenfisch Paul aus dem Aquarium von Oberhausen muss wieder orakeln. Schließlich hatte er das Ergebnis vorausgesagt und wurde damit weltberühmt.

Mit dem Sieg über Messi und Co. ist auch so gut wie gewiss: Egal wie das Halbfinalspiel gegen Spanien am Mittwoch (20.30 Uhr) ausgeht - die Mannschaft von Jogi Löw wird sich in Berlin am Brandenburger Tor feiern lassen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte die Reise in die Hauptstadt für den Fall des Weiterkommens bis zum Halbfinale beschlossen.

«Das ist ein Traum, einfach ein Traum», sagte die Kanzlerin im ZDF. Nach einer beschwerlichen politischen Woche in Berlin konnte sie nun in Südafrika «einfach als Fan» mit der Mannschaft und den Landesleuten feiern. Besonders beeindruckt sei sie, «wie abgeklärt» das Team Löw gespielt habe. «Beim 4:0 war mir gut ums Herz», sagte die CDU-Politikerin, «tolle Sache».

Bis in die Nacht zum Sonntag feierten die Menschen auf den Straßen weitgehend friedlich. «Finale, ooohhooo, Fiiinaaaale», riefen sie etwa auf der Münchener Leopoldstraße oder «Oh, wie ist das schön» im Olympiastadion der bayerischen Hauptstadt. In Berlin, wo rund 300 000 Menschen zur größten Fanmeile strömten, setzten die Triumphfahrten der Auto-Jubler die Innenstadt matt.

Ob rund um den gesperrten Kurfürstendamm, der zur Fußgängerzone wurde, oder in Kreuzberg - die Menschen lehnten sich aus ihren Autofenstern mit Fahnen in Schwarz-Rot-Gold oder auch türkischen Flaggen. Hupkonzerte brachen aus, die Menschen setzten sich wie etwa in den Großstädten Nordrhein-Westfalens überall in ihre Autos zum Fahnenschwenken im Schritttempo.

Selbst auf dem deutschen Forschungsschiff «Walther Herwig III», das zur Zeit auf der Barentssee im nördlichen Polarkreis fährt, wurde gefeiert. Fischereiforscher und Matrosen versammelten sich zum Gucken an Bord - mit Vuvuzelas, wie das Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei in Braunschweig mitteilte.

Doch auch bis in die letzte WM-Woche haben sich nicht alle mit den südafrikanischen Tröten angefreundet. «Freibier für jeden, der seine Vuvuzela vor den Augen des Lokalchefs zerstört», lautete etwa ein Schild an einem Bierlokal in Berlin-Frohnau.

Kontrastprogramm im Berliner Restaurant «Paracas»: Hier hatten sich rund 100 in der Hauptstadt lebende Argentinier zum Maradona- Gucken versammelt. «Ich habe keine Worte. Vielleicht hätte Maradona früher Spieler auswechseln sollen. Die Deutschen haben gut gespielt und den Sieg verdient», sagte Roberto Núñez, der eine etwas welke argentinische Fahne in Händen hielt, nach dem Spiel. Auch in seiner Heimat Argentinien trugen die Menschen Trauer. Die Fans reagierten aber auch fair auf die äußerst bittere Niederlage. «Glückwunsch Deutschland» und «verdienter Sieg» lauteten die Kommentare in der Hauptstadt Buenos Aires.

In Deutschland erlebten bei Temperaturen von bis zu 38 Grad diesmal die Party-Zonen keinen so starken Ansturm wie beim Achtelfinal-Spiel gegen England (4:1). Die Tropenhitze und die sengende Sonne schreckte offenbar viele Fans ab. In Berlin musste das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in etwa 180 Fällen Nothilfe leisten, aber nur wenige Fans kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus.

Doch selbst Donner und Regenschauer hielten viele Menschen nicht vom Public Viewing ab. Auf dem Dortmunder Friedensplatz schützten sich 7500 Fans mit Schwarz-Rot-Gold-Fahnen vor dem Regen. Glück hatten mehrere zehntausend Fußballfreunde, die sich einen Platz in den Arenen in Köln, Gelsenkirchen, Dortmund oder Düsseldorf gesichert hatten.

TV-Zuschauer in Hessen und Nordrhein-Westfalen mussten sich während der Live-Übertragung in Geduld üben. In der Halbzeitpause und in den ersten fünf Minuten der zweiten Hälfte blieb der Fernsehschirm bei Tausenden schwarz, dann kehrte das Bild zurück. Als Ursache nannte ein ZDF-Sprecher einen Wechsel des Satellitenkanals. Damit habe man Störungen durch Gewitter vermeiden wollen.

Auch auf anderen großen Fanmeilen und in kleineren Städten wie Heilbronn oder Konstanz wurden die erhitzten Fans mit Wassernebel und Nieselregen abgekühlt. Die Live-Übertragung wurde in Deutschland auf etwa 2000 öffentlichen Fan-Partys gezeigt. Der Fußball-Weltverband FIFA zog ein positives Fazit seiner offiziellen Fan-Meilen. Zu den Festen in Sydney, San Francisco, Mexiko-Stadt, Paris, London und Berlin seien bisher rund 4,1 Millionen Besucher gekommen.

Fußball / WM / Fans / Wetter
05.07.2010 · 06:52 Uhr
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