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WM-Gucken oder Arbeiten - Flexibilität gefordert

Fußball-WM im BüroGroßansicht
Berlin (dpa) - Fußballschauen im Biergarten statt Schwitzen in der Werkshalle - zu WM-Zeiten können sich viele Arbeitnehmer Besseres vorstellen als emsige Pflichterfüllung. Viele Spiele beginnen um 13.30 und um 16.00 Uhr, wenn Millionen Deutsche arbeiten.

Doch wer freinehmen will, muss nach Angaben von Arbeitsrechtlern das rechtzeitig mit dem Chef absprechen. Einen Anspruch, kurzerhand das Büro zur Fanmeile zu machen, gibt es nicht. Und auch dem diskreten Fußballschauen am PC sind enge Grenzen gesetzt. Manche Arbeitgeber signalisieren aber, die am (heutigen) Freitag beginnenden WM-Wochen bis 11. Juli flexibel anzugehen.

Wer für die Spieltage seiner Mannschaft rechtzeitig Urlaub nimmt, ist in der Regel fein raus, heißt es beim Deutschen Anwaltverein. Arbeitgeber müssen Urlaub grundsätzlich gewähren, wenn dem keine betrieblichen Belange entgegenstehen, sagt Sprecher Swen Walentowski. vom Deutschen Anwaltverein in Berlin. Wollen aber mehr Kollegen als entbehrlich Urlaub nehmen, dürfe der Chef auswählen. Anspruch, stundenweise Urlaub zu nehmen, gibt es übrigens nicht. Und wer blau macht oder sich als Gesunder krankmeldet, riskiert seinen Job.

Auch wer bei der Arbeit die Spiele sehen will, muss sich mit dem Arbeitgeber einigen. «Grundsätzlich ist Arbeitszeit Arbeits-Zeit», sagt Walentowski. Läuft ein Fußballspiel im Fernseher oder via Internet im Computer, sei grundsätzlich nicht mehr von einer sinnvollen Arbeitsausübung auszugehen. Das WM-Vergnügen in Büro und Werkstatt ist nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Chefs oder der Chefin möglich. «Kommt es nicht zu einer Einigung, besteht Arbeitspflicht.»

Viele Firmen wollen ihren Mitarbeitern aber entgegenkommen, wenn sie zum Fußballschauen wollen, etwa der Siemens-Konzern als einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. «Wenn durch Vorarbeit, Nacharbeit, Tausch von Schichten die Arbeit in der gewohnten Qualität erledigt werden kann, spricht grundsätzlich nichts dagegen, sich ein Spiel anzusehen», sagte ein Sprecher. Auch der Autobauer BMW setzt auf flexible Arbeitsmodelle - die Produktion dürfe aber nicht unterbrochen werden, betonte ein Konzernsprecher.

Das dürfte im Sinne des Arbeitgeberpräsidenten Dieter Hundt sein. Er sagte der «Berliner Zeitung» (Donnerstag). «Ich bin zuversichtlich, dass die Arbeitgeber unter Berücksichtigung der betrieblichen Gegebenheiten flexibel reagieren und gemeinsam mit ihren Belegschaften individuelle Lösungen finden.» Michael Sommer, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds sieht sogar einen Nutzen im gemeinsamen Fußballgucken: «Gerade solche gemeinsamen Erlebnisse fördern den Zusammenhalt und die Motivation der Beschäftigten.»

Fußball / WM / Arbeitsrecht / Thema
11.06.2010 · 23:23 Uhr
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