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Witt flüchtet weinend - Olympia 2018 in Südkorea

Auch die Bewohner von Pyeongchang ließen sich etwas einfallen.Großansicht

Durban (dpa) - Also doch Pyeongchang! Südkorea jubelt - Deutschland hat mit München 2018 eine weitere bittere Bewerbungspleite um Olympia kassiert. Das IOC entscheidet sich bereits im ersten Wahlgang für den finanzstarken Favoriten aus Asien. Ein neuer deutscher Anlauf 2022 ist ungewiss.

Katarina Witt flüchtete nach der krachenden Olympia-Pleite mit Tränen vor den jubelnden Südkoreanern. Münchens Wintermärchen-Traum ist geplatzt - gefeiert wird in Pyeongchang. Der Favorit hat es im dritten Anlauf geschafft und lädt die Sportwelt im Jahr 2018 zu den 23. Winterspielen ein. «Wir hatten eine brillante Präsentation», sagte Witt untröstlich, «vielleicht war die Entscheidung schon vorher gefallen.» Nach dem 25:63-Stimmendebakel im ersten Wahlgang vermutete IOC-Vize Thomas Bach «einen Mitleidsfaktor» zugunsten von Pyeongchang. Ein neuer Anlauf für 2022 soll in der kommenden Woche bei einer eingehenden Analyse diskutiert werden. «Wir haben keinen Zeitdruck», erklärte Bach. Frankreichs Kandidat Annecy spielte mit sieben Stimmen keine Rolle.

Bundespräsident Christian Wulff gratulierte im Kongresscenter von Durban gefasst und fair dem südkoreanischen Staatspräsidenten Lee Myung-Bak. Die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat sich am Mittwoch in Südafrika mit ihrem Votum für den neuen Wintersportmarkt auf dem bevölkerungsreichsten Kontinent Asien entschieden und das beharrliche Werben Südkoreas belohnt.

Die bayerische Niederlage hatte auch eine historische Komponente: 46 Jahre nach den Sommerspielen 1972 wollte die Landeshauptstadt als erste Stadt der Welt das «Olympia-Double» schaffen. Doch um 17.18 Uhr verkündete IOC-Präsident Jacques Rogge den Sieger: Pyeongchang. In der erleichterten südkoreanischen Delegation brach Jubel aus, Siegerschals wurden geschwenkt. Im fernen Pyeongchang tanzten und jubelten tausende Menschen unter freiem Himmel.

In Durban verlor nicht nur Katarina Witt ihr Dauerlächeln - Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer fühlte sich zunächst «wie vom Hammer geschlagen». Die Fan-Partys in München, Garmisch-Partenkirchen und am Königssee wurden jäh gestoppt.

Der 44-monatige Kampf blieb ohne Happy-End. Als deutsche Sieger konnten sich allein die Olympia-Gegner in Münchens Partnerstadt Garmisch-Partenkirchen fühlen: «Der Kelch ist an uns vorüber gegangenen», sagte Axel Doering, Mitinintiator von NOlympia.

Witt wollte nur noch weg, Bach dachte gleich voraus. «Mir tut es um das ganze Team leid. Der Sport hat wieder gezeigt: Siege sind nicht alles. Aber Niederlagen sind auch nicht das Ende von allem. Wir müssen nun in Ruhe überlegen, ob es sinnvoll ist, sich noch einmal zu bewerben», sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Nach der Rückkehr aus Südafrika wird die Aufarbeitung der vierten gescheiterten deutschen Bewerbung nacheinander beginnen. Auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) warnte vor übereilten Entschlüssen, Forderungen und Schuldzuweisungen. «Da sollte jetzt keiner vorlaute Töne von sich geben. Da sollte man mal abwarten, wie die Willensbildung ist, wenn man die Dinge überschlafen hat.»

Pyeongchang bekam schon in der ersten Runde mit 63 Stimmen die absolute Mehrheit der 95 votierenden IOC-Mitglieder. Der kräftige Münchner Endspurt in Durban mit Bundespräsident Wulff und Fußball-«Kaiser» Franz Beckenbauer «hat vermutlich null Ausschlag gegeben», meinte Bewerbungschef Bernhard Schwank ungläubig.

Die schwarze deutsche Olympia-Bewerbungsserie hält an: Zuvor waren Berchtesgaden (1992/Winter), Berlin (Sommer/2000) und Leipzig (Sommer/2012) gescheitert. Nur einmal, 1936 in Garmisch- Partenkirchen, fanden Winterspiele in Deutschland statt. Dabei hatte das Münchner Team bis zuletzt verzweifelt gekämpft und sich am Tag der Wahrheit in Topform gezeigt. Die 45-minütige Präsentation bewertete Beckenbauer als «Tüpfelchen auf dem i». Wulff lobte: «Besser kann man Deutschland mit all seinen Möglichkeiten nicht darstellen.»

IOC-Marketingchef Gerhard Heiberg empfahl dem Verlierer, nicht aufzugeben. «Kaum ein Kandidat gewinnt beim ersten Mal. München sollte sich für 2022 noch mal bewerben, dann hätten sie gute Chancen zu gewinnen», sagte der Norweger. 33 Millionen Euro hatte die fehlgeschlagene Bewerbung gekostet. «Wir sehen die Bewerbung nicht als Fehlinvestition an», sagte Ude dennoch zum finanziellen Einsatz.

Ein langer Atem könnte sich auszahlen, wie das Beispiel von Pyeongchang zeigt. «Die IOC-Mitglieder haben unsere Botschaft 'Neue Horizonte' verstanden und fanden, es ist jetzt der richtige Moment», sagte Bewerbungschef Cho Yang Ho nach den Niederlagen für 2010 und 2014. Staatspräsident Myung-Bak «verbürgte» sich für die Erfüllung aller Versprechen und deklarierte die ersten Winterspiele in seinem Land zur «nationalen Priorität». Vom 9. bis 25. Februar 2018 steht das «kompakteste Sportstätten-Konzept» der olympischen Geschichte auf dem Prüfstand. In Südkorea war Olympia schon einmal zu Gast - bei den Sommerspielen 1988 in der Hauptstadt Seoul.

Die «Herren der Ringe» entschieden sich in Durban wieder dafür, «neue Territorien zu erforschen» statt «unser Fundament zu stärken», wie es Bach vor seinen Kollegen in seinem flammenden Plädoyer bei der Präsentation am Morgen gesagt hatte. Der Aufbruch in neue Welten und Märkte hat sich nach den Wahlsiegen von Sotschi (2014/Winter) und Rio de Janeiro (2016/Sommer) erneut durchgesetzt.

Olympia / 2018 / München
06.07.2011 · 21:54 Uhr
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