News
 

Wirbel um Özkan - Doch Türken sind stolz auf sie

Türken sind stolz auf ÖzkanGroßansicht
Hannover (dpa) - Die einzige, die sich am Montag nicht in der Öffentlichkeit äußern wollte, war Aygül Özkan. Die 38-Jährige Juristin aus Hamburg wird als erste muslimische Ministerin in Deutschland vereidigt, sie übernimmt das Sozialressort in Niedersachsen.

Doch wegen ihrer Äußerungen zu Kreuzen in Schulen stand die CDU-Politikerin in den vergangenen Tagen unter dem Dauerbeschuss vor allem von konservativen Kreisen in ihrer Partei. Die CSU in Bayern heulte auf, auch in Kirchenkreisen eckte Özkan an.

Die Deutsch-Türkin Özkan hat einen alten Streit erneut aufflammen lassen, der seit 25 Jahren schwelt. Damals klagte ein Vater aus Bayern gegen die Kreuze im Klassenzimmer seiner Kinder. Er bekam vom Bundesverfassungsgericht Recht.

Doch was genau hat die neue Ministerin eigentlich gesagt? «Christliche Symbole gehören nicht an staatliche Schulen. Für Schulen in kirchlicher Trägerschaft gilt das nicht», hatte Özkan dem «Focus» in den Block diktiert. Dass sich die CDU-Politikerin im «Spiegel» gleichzeitig gegen die Linie ihrer Partei in der Frage des EU-Beitritts stellte, ging angesichts des danach folgenden Wirbels unter. Auch, dass sie sich klar gegen Kopftücher im Klassenzimmer positioniert hatte, wurde nicht mehr wahrgenommen.

Am Montag trat Özkan hinter verschlossenen Türen in der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag zum Rapport an - danach schwieg sie. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte seine neue Vorzeige-Ministerin zurückgepfiffen, stellte aber trotzdem klar, dass er an ihrer Ernennung festhält.

«Frau Özkan akzeptiert, dass in Niedersachsen in den Schulen Kreuze willkommen und gewünscht sind. Sie trägt diese Linie mit. Damit ist das Thema erledigt», sagte Wulff. Er betonte: «Sie wird eine grandiose Ministerin sein.»

Auch die türkische Gemeinschaft in Deutschland ist stolz auf «ihre» erste Ministerin. In Hannover im Steintorviertel, wo sich ein türkischer Laden an den nächsten reiht, brummt kurz vor Mittag bei Ömer Geçmez im Friseursalon das Geschäft. Während der 36-jährige Figaro seinem Kunden Hikmet Adli die Haare schneidet, diskutieren beide auf Türkisch über die designierte niedersächsische Sozial- und Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU). «Als Migrant bin ich stolz auf sie, dass sie diesen Posten besetzt. Hoffentlich ist sie erfolgreich», sagt der 62-jährige Kunde.

Doch der Rentner bezweifelt auch, dass die Politikerin viel erreichen wird. Baris Ince formuliert es wenig später deutlicher. «Sie wird sich nur innerhalb der von der Partei gegebenen Grenzen bewegen können.»

Özkan werde wenig Handlungsraum haben, meint der 29-Jährige Ince. Die CDU verfolge nicht die richtige Ausländerpolitik, sagt er und nennt ein Beispiel. «Diejenigen, die zu ihrem Ehepartner nach Deutschland einreisen wollen, werden monatelang hingehalten und gezwungen, in der Heimat Deutsch zu lernen.» Deutsch zu lernen sei zwar gut, aber man könne sich die Sprache auch in Deutschland aneignen.

Warum alle so einen Wirbel um die türkischstämmige Ministerin machen, versteht Friseur Ömer Geçmez nicht. «Die Migranten leben seit 30 oder 40 Jahren in Deutschland, da ist es normal, dass eine Türkischstämmige, die in diesem Land gut ausgebildet wurde, auch so einen Posten übernimmt.»

Ausländer / Integration / Niedersachsen
27.04.2010 · 11:55 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
30.05.2017(Heute)
29.05.2017(Gestern)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen