News
 

Winterfrust statt Weihnachtsurlaub

Noch immer müssen zahlreiche Flüge am Flughafen von Frankfurt am Main annulliert werden.Großansicht

Berlin (dpa) - Nach dem Winterchaos vom Wochenende ist der Reiseverkehr in Europa nur schleppend wieder angelaufen. Die Flughafen-Betreiber warnten am Montag vor weiteren Verspätungen und Ausfällen. Das Chaos an Europas größtem Flughafen London-Heathrow könnte sogar über Weihnachten hinaus anhalten.

Tausende Fluggäste harrten weiter in den Terminals oder in Hotels aus. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) plädierte daher für eine Lockerung des Nachtflugverbots. Auch auf der Schiene brauchten Reisende oft viel Geduld.

Starke Nerven benötigten viele Autofahrer: Die Straßen waren oft spiegelglatt, liegengebliebene Lastwagen blockierten Autobahnen. In Nordrhein-Westfalen galt zeitweise erneut ein Fahrverbot für schwere Lastwagen auf Autobahnen und einigen Bundesstraßen. Die Polizei warnte vor Blitzeis. Eine Winterpause ist nicht in Sicht: Meteorologen sagten für Donnerstag zwar mildere Temperaturen voraus, aber bereits am Freitag soll es von Norden her wieder kälter werden und erneut schneien.

FLUGHÄFEN:

In Frankfurt/Main wurden am Montag 376 der geplanten 1340 Starts und Landungen gestrichen, obwohl alle Start- und Landebahnen voll in Betrieb waren. Hauptgrund waren Ausfälle an anderen europäischen Flughäfen, die im stark vernetzten Luftverkehr auch immer Frankfurt treffen, teilte der Flughafen Fraport mit. Am Mittag fing es wieder an zu schneien, mit weiteren Einschränkungen des Flugbetriebs sei deshalb zu rechnen. 

Etwa 800 Passagiere hatten auf Notbetten die Nacht zum Montag verbracht, die meisten davon Umsteiger, die auf der Durchreise waren und nicht weiterfliegen konnten. Die 1000 Notbetten im Transitbereich und im Terminal 2 sollten vorsorglich stehen bleiben.

Angesichts der gestrandeten Fluggäste plädierte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) für eine Lockerung des Nachtflugverbots. Das ermögliche, den Stau abzubauen, sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. In der «Bild»-Zeitung (Dienstag) appellierte Ramsauer an die Bundesländer, Ausnahmegenehmigungen vom Nachtflugverbot zu erteilen.

Auch andere deutsche Flughäfen wie Köln, Düsseldorf, Berlin, Hamburg und München meldeten Ausfälle und Verspätungen. Die Deutsche Lufthansa stellt sich aber bereits auf die Rückkehr zu ihrem normalen Flugplan ein. Am Dienstag sollen immer mehr Flüge wieder starten, für Mittwoch sei das gewohnte Programm geplant.

Der Betrieb an Europas größtem Flughafen London-Heathrow wurde am Montag wieder aufgenommen. Der Flughafenbetreiber BAA warnte aber vor Ausfällen und Verspätungen. Das Chaos könne über Weihnachten hinaus anhalten. Bis zum Mittwoch könne «höchstens ein Drittel» der ursprünglich geplanten Flüge abgewickelt werden, teilte BAA mit. Tausende Menschen campieren in den Terminals, andere harren in Hotels aus.

Auf den Pariser Großflughäfen Orly und Charles de Gaulle wurde der Luftverkehr wieder voll aufgenommen. Auch am Flughafen Schiphol in den Niederlanden normalisierte sich die Lage zunehmend.

BAHN:

Auch am Montag gab es «teilweise erhebliche Verspätungen», sagte ein Sprecher der Bahn. «Vereinzelt» seien Züge ausgefallen. In ganz Deutschland sei die Höchstgeschwindigkeit der ICE und Intercitys auf 200 Kilometer pro Stunde begrenzt, um Schäden an den Fahrzeugen zu vermeiden. Weil Fluggäste zur Bahn wechselten, seien die Züge sehr voll.

Auf die Frage, ob die Wintervorbereitungen ausreichend gewesen seien, antwortete der Sprecher: Angesichts der starken Schneefälle handele es sich um eine «Extremsituation», die Straßen, Flughäfen und die Schiene gleichermaßen treffe. Alle verfügbaren Mitarbeiter seien im Einsatz - auf den Bahnhöfen oder zur Räumung von Strecken. Ein Sprecher des Fahrgastverbands «Pro Bahn» forderte, die Reisenden besser zu informieren.

STRASSENVERKEHR:

In Nordrhein-Westfalen machten die Schneemengen Pendlern zu Wochenbeginn zu schaffen. Bis zu 20 Zentimeter Schnee kamen in der Nacht zum Montag örtlich hinzu. Binnen acht Stunden kam es auf den Straßen in NRW zu 546 Unfällen. In der Nähe von Paderborn rammte ein Fahranfänger ein fünf Quadratmeter großes Loch in eine Wohnzimmerwand, nachdem er auf glatter Fahrbahn die Kontrolle verloren hatte. Im Berufsverkehr waren die Staus so zahlreich, dass im Radio teilweise nur Behinderungen mit einer Länge von über 30 Kilometern durchgesagt wurden. Für Dienstag wurde vor überfrierender Nässe und sehr glatten Straßen gewarnt.

Vielerorts in Deutschland waren die Straßen bereits spiegelglatt. Unfälle gingen zumeist glimpflich aus, vereinzelt waren Autobahnabschnitte gesperrt. Bäume brachen unter der Last des Schnees zusammen und blockierten Straßen. Zwei liegengebliebene Lastwagen verursachten auf der A1 zwischen Hamburg und Berlin Staus bis zu 20 Kilometern Länge.

Wenn Lastwagen verschneite Autobahnen blockieren, sind nach Ansicht des Branchenverbands meist nicht die Spediteure schuld, sondern die Räumdienste. «Wir zahlen fünf Millionen Euro an Maut, da könnte man eigentlich ein bisschen verstärkten Winterdienst erwarten», sagte Ingo Hodea, Sprecher des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV) in Bonn.

SCHIFFFAHRT

Die anhaltende Kälte bereitet der Binnenschifffahrt zunehmend Probleme. Auf der Elbe zwischen Barby in Sachsen-Anhalt und Geesthacht behindern nach Angaben der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Eisschollen die Schifffahrt. Erste Eisbrecher sind im Einsatz. Die Unterelbe zwischen der Hamburger Stadtgrenze und Cuxhaven ist nur noch für eisfahrttaugliche Schiffe geeignet. Im Hamburger Hafen sollten am Dienstag Eisbrecher eingesetzt werden.

ERFROREN:    

In Chenée bei Lüttich (Belgien) erfror in der Nacht eine Patientin, die vor einer Klinik eine Zigarette rauchen wollte. Auf dem glatten Boden war die 59-Jährige gestürzt und bewusstlos liegengeblieben, erst Stunden später wurde die Frau tot gefunden.

In Koblenz rettete ein Polizeihund eine 54-Jährige auf einer Parkbank vor dem Erfrieren. Ihre Körpertemperatur lag bei 30 Grad, als sie ins Krankenhaus gebracht wurde. Der Hund hatte Gassi gehen sollen, war aber nicht zu seinem Hundeführer zurückgekehrt. Der Polizist suchte den Hund und fand ihn bei der Frau.

WEISSE WEIHNACHT:

Milder Südwind lässt den Schnee schmelzen - weiße Weihnachten gibt es in Deutschland vielleicht trotzdem. «Das Weihnachtstauwetter scheint dieses Jahr nicht pünktlich zu sein, sondern zu früh zu kommen. Das nährt die Hoffnung auf weiße Weihnachten», sagte der Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. «Pünktlich zur Bescherung am Abend kommt kalte Luft auf uns zu. Dann könnten die Niederschläge immer mehr in Schnee übergehen.»

Wetter / Verkehr
20.12.2010 · 18:34 Uhr
[2 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
Es liegen momentan keine neuen Nachrichten vor.
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
17.10.2017(Heute)
16.10.2017(Gestern)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen