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Winter lähmt Verkehr in Europa

Winterwetter in ChemnitzGroßansicht

Frankfurt/London/Berlin (dpa) - Schnee und Eis haben den vorweihnachtlichen Flug- und Bahnverkehr in Europa gelähmt. Tausende Reisende mussten auf Flughäfen unter teils chaotischen Bedingungen campieren, weil Flüge ausfielen oder sich um viele Stunden verspäteten.

Viele Züge fielen ebenfalls aus oder fuhren oft nur mit Verspätung und waren teilweise völlig überfüllt. Die Meteorologen warnten am Sonntagabend vor weiteren Schneefällen. Deshalb sperrten Frankreich, Belgien und Luxemburg am Sonntagabend ihre an den Autobahnen liegenden Grenzen für schwere Lastwagen.

Das Verbot gilt für Fahrzeuge mit über 7,5 Tonnen Gesamtgewicht, wie die Polizei in Trier mitteilte. Auch in im Regierungsbezirk Köln mussten Lastwagenfahrer die Nacht auf den Autobahn-Rastplätzen verbringen. Am Abend wurde dort ebenfalls ein Fahrverbot für schwere LKW erlassen, wie die Kölner Autobahnpolizei meldete.

In Berlin kam ein Mitarbeiter der S-Bahn beim Enteisen der Weichen ums Leben. Sein Kollege wurde bei dem Unfall mit einer S-Bahn schwer verletzt. Der Unfallhergang war zunächst noch unklar.

Fluggesellschaften rieten zum Umsteigen auf Züge, doch bei der Bahn sah es nicht viel besser aus: Viele Züge waren überfüllt, verspätet oder fielen aus. Die Deutsche Bahn empfahl, für Sonntagnachmittag geplante Zugfahrten zu verschieben.

«Die Flugpläne sind völlig durcheinander», sagte eine Sprecherin des Frankfurter Flughafens. Hier wurden bis Sonntagabend knapp die Hälfte der rund 1300 Flüge gestrichen. Tausende Reisende stauten sich in den beiden völlig überfüllten Terminals. Ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport bezeichnete die Lage am Sonntag aber als «insgesamt geordneter» als noch am Samstag. Denn da lagen in der endlos langen Schlange vor der Gepäckabfertigung die Nerven blank: Als frisch angekommene Fluggäste versuchten, eine neue Schlange zu bilden, sahen einige seit Stunden festsitzende Reisende rot. Die Polizei musste einschreiten.

Auch auf der Schiene gab es Probleme. Züge fielen aus oder kamen mit teils stundenlanger Verspätung an. In einer ungewöhnlichen Aktion riet die Deutsche Bahn von Zugreisen am Sonntagnachmittag ab: Wegen der schwierigen Straßenverhältnisse und der vielen Flugausfälle sei mit «Kapazitätsengpässen» zu rechnen. Reisende sollten, wenn möglich, auf «weniger nachgefragte Zeiten» wie den Morgen oder Abend ausweichen, hieß es.

Wenig Hoffnung auf Besserung machte der Deutsche Wetterdienst (DWD): Auch in den kommenden Tagen soll es weiter kräftig schneien, von Süden rückt aber mildere Luft heran. Die wärmere Front werde voraussichtlich in der Nacht zum Donnerstag Flensburg erreichen. Der Schnee könne zunehmend in Regen übergehen und auf den frostigen Straßen gefrieren. «Also wenig Vergnügen für Autofahrer in den betroffenen Gebieten», warnten die Meteorologen.

Besonders schwer war am Wochenende Europas größter Passagierflughafen London-Heathrow betroffen, der schließlich sogar geschlossen wurde. Auch der Betrieb an den Flughäfen in Lüttich und Charleroi sowie in Luxemburg wurde zeitweise eingestellt. Heathrow sollte am Montag wieder öffnen.

Zunächst aber saßen allein in London tausende Passagiere am Flughafen fest. Fluggäste schliefen unter Isolierfolien auf dem harten Fußboden im Transitbereich. Die Schließung des Drehkreuzes hatte Auswirkungen auf viele Fluggäste aus aller Welt, die von Heathrow nicht mehr weiterkamen oder gar nicht erst starten konnten. So bereiteten sich in Brüssel 1500 Passagiere auf eine zweite Nacht im Terminal vor, weil ihre Anschlussflüge nicht starteten. Der starke Schneefall brachte am Sonntag auch den Straßenverkehr im südlichen Teil Belgiens komplett zum Stillstand.    

Auch auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle sorgten Schnee und Eis für Ausfälle und Verspätungen. Die Behörden empfahlen den Fluggesellschaften, 40 Prozent der Flüge am Sonntag zu streichen. Am Samstag waren etwa 5000 Passagiere wegen des Winterwetters von London nach Paris umgeleitet worden. Mehrere Hundert von ihnen verbrachten die Nacht auf dem Flughafen. Im Nordosten Frankreichs fiel in 16 000 Haushalten der Strom aus.    

Mehrere Politiker forderten unterdessen eine Schneekettenpflicht für Lastwagen. «Es kann nicht sein, dass liegengebliebene Lkw im Winter die Autobahnen verstopfen», sagte der Verkehrsexperte der SPD- Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer, den Zeitungen der WAZ- Mediengruppe. In einer Verordnung müsse festgeschrieben werden, dass Lastwagenfahrer Schneeketten dabei haben, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Hermann.

Wetter / Verkehr / Luftverkehr
19.12.2010 · 21:12 Uhr
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