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William Hague: Europakritisches Rhetorik-Genie

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London (dpa) - Da war selbst die «Eiserne Lady» baff. Ein 16 Jahre alter Bursche fesselte 1977 den Parteitag der britischen Konservativen mit einer flammenden Rede. Margaret Thatcher merkte sich den Namen: William Hague. Seine politische Karriere war von da an nicht mehr aufzuhalten.

Nun soll der 49-Jährige als Außenminister ins Kabinett des neuen Premierministers David Cameron. Er war die graue Eminenz im Team des Tory-Chefs und leitet bei den Konservativen die Verhandlungen mit den Liberaldemokraten. Damit führt Hague sein Land in die erste Koalitionsregierung seit dem Zweiten Weltkrieg. Für den Außenminister-Posten galt er als gesetzt. 2009 tat der 49-Jährige in einer Grundsatzrede seine außenpolitischen Visionen kund. Europa kam darin kaum vor. Die Briten haben sich dem Euro verweigert und gehören nicht zum Schengen-Raum.

Die kritische Haltung Londons gegenüber Brüssel dürfte sich unter Hague als Außenminister kaum ändern. Auch mit den USA verbindet Hague ein eher distanziertes Verhältnis. Er will sein Augenmerk auf neue potenzielle Partner wie Russland oder China legen.   

Der Sprung ins Außenministerium ist für den Mann aus Yorkshire der Höhepunkt seiner langen Politkarriere. Nach dem Studium in Oxford war er für Großunternehmen wie Shell und McKinsey tätig. Er ging dann bald in die Politik. Zunächst als Berater im Außenministerium, ab 1989 mit nur 27 als Abgeordneter und ein Jahr später als Staatssekretär unter Premier John Major. In dieser Zeit lernte er seine Ehefrau Ffion kennen, damals Regierungsbeamtin in Wales.

Als 1997 Tony Blair Major aus der Downing Street scheuchte, wurde Hague mit 36 Jahren neuer Tory-Chef. Er, so dachten viele Konservative, wäre der einzige, der Blair Paroli bieten könne. Tatsächlich setzte Hague zunächst Ausrufezeichen. Als strammer Konservativer sammelte er Punkte. Er verzettelte sich dann aber in innerparteilichen Grabenkämpfen. «Hague the Vague» (etwa: «Hague, der Mann ohne Konturen») titelten die Zeitungen.

Die Wahl von 2001 ging für die Konservativen in die Binsen. Hague trat zurück. Doch er gab nicht auf. Nach der erneut verlorenen Wahlkampagne 2005 setzte der junge Tory-Hoffnungsträger David Cameron wieder auf die Erfahrung und das politische Gespür von Hague.

Wahlen / Regierung / Großbritannien
12.05.2010 · 11:16 Uhr
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