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Wildes Wetter - Der April übt endlich Sommer

Jaja. Dass der April macht, was er will, wissen wir inzwischen. Doch in diesem Jahr scheint es eher, als hätte er Schluckauf. In schöner Regelmäßigkeit steigen und fallen die Temperaturen und schleudern unseren Biorhythmus innerhalb von zwei, drei Tagen um zehn Grad hin oder her.

Hier in Leipzig zum Beispiel. Ostersonntag gab es Schnee und Hagel, am Dienstag darauf plötzlich 19 Grad. Und das war nur die Potenz der Vorwoche, als die Temperatur von Sonntag bis Dienstag um knapp zehn Grad gesprungen war. Zugegeben, die vergangene Woche schleppte sich ein wenig dröge dahin, mit Wolken, Sonne, 15 Grad.

Doch jetzt dreht der April wieder auf: Nach frischen 14 Grad Höchsttemperatur am Sonntag steht uns am kommenden Wochenende der Sommer ins Haus: Von Mittwoch auf Freitag plant das Thermometer einen Aufstieg auf bis zu 25 Grad. Das wird aber auch Zeit, hatte uns doch April in den vergangenen Jahren stets mit einem Sommer-Vorgeschmack versorgt.

Die vergangenen Aprils waren Überflieger

Einen alten Wetterfuchs wie Gerhard Müller-Westermeier vom Deutschen Wetterdienst vermögen derartige Kapriolen allerdings nicht zu beeindrucken. «Momentan ist der Monat genau ein Zehntel Grad kühler als der Durchschnitt in der Referenzperiode von 1961 bis 1990», entkräftet er Gerüchte über einen besonders auffälligen April. Bei 7,4 Grad lag die mittlere Temperatur im 30-Jahre-Schnitt, 7,3 Grad Celsius waren es bisher 2012. «Es gab etwas weniger Sonne und ein wenig mehr Niederschlag, das ist alles. Aber das kann sich alles noch ändern», sagt er.

Kein April ist wie der andere, auch das ist Gesetz. Vom wärmsten zum kältesten April findet der Meteorologe in seinen Archiven eine Spanne von acht Grad. In den vergangenen fünf Jahren wurden wir eben verwöhnt, mit 11,5 Grad 2007, 11,8 Grad 2009 und 11,6 Grad im vergangenen Jahr. Klimawandel? Reiner Zufall. Dafür waren es 1917 nur 4,3 Grad und auch 1973 nur 5,1.

Zahlenspielchen, die sich endlos drehen lassen. Verantworlich sind am Ende die Luftströme über den Polen und dem Mittelmeer, die sich darum streiten, hierzulande das Wetter zu machen.

Im April kippt der Kontinent von kalt zu warm

Doch auch in Italien und Spanien war es in diesem Jahr noch nicht weit her mit einem frühlingshaften Frühsommer. In der Osterwoche regnete es dort mancherorts durch, wie viele Ab-in-den-Süden-Urlauber erleben mussten. Verrückt? «Manchmal stößt die kalte Luft bis ins Mittelmeer vor, das ist auch nicht unüblich. Momentan haben wir eine Nordströmung westlich von Irland, die treibt kalte Luft bis in den Süden voran», erklärt Gerhard Müller-Westermeier.

Aber auch der dicke Kontinent im Osten trägt seinen Teil zur April-Schaukel bei. Land kühlt schneller ab als Wasser, wärmt sich aber auch rasch wieder auf - das wissen wir noch aus dem Sachunterricht. Im April kippt der Kontinent allmählich vom Kälte- zum Wärmeblock. Von dort hat uns in diesem Jahr gelegentlich die warme Luft ereilt.

Was die Monatsstatistik für den April 2012 anbetrifft, ist laut Meteorologe Müller-Westermeier noch alles offen. «Wenn in dieser Woche wirklich die Südströmung zuschlägt und es richtig warm wird, kann der April noch überdurchschnittlich warm werden. So etwas kann aber auch mit einer kräftigen Kaltfront zuende gehen. Und dann wird es noch einmal richtig nass.»

Eigentlich sei der April doch ein sehr schöner Monat, findet er. «Ein buntes Wetter.» Ein langer, wilder Tanz in den Mai.

[news.de] · 23.04.2012 · 10:33 Uhr
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