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Wikileaks-Gründer wappnet sich für US-Verfahren

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London (dpa) - Einen Tag nach seiner Freilassung hat der Wikileaks-Gründer Julian Assange den USA «illegale und geheime Ermittlungen» gegen seine Person vorgeworfen.

«Ich würde sagen, da ist eine sehr aggressive Untersuchung im Gange», sagte der 39 Jahre alte Australier mit Blick auf Hinweise, dass die USA ein Verfahren gegen ihn vorbereiten. «Das muss beobachtet und genau geprüft werden.»

Dem Internetaktivisten werden in Schweden sexuelle Vergehen vorgeworfen. Assange sprach von einer «Schmierenkampagne». Den schwedischen Behörden lägen SMS-Nachrichten der beiden Frauen vor, mit denen nachgewiesen werden könne, dass es sich bei der mutmaßlichen Vergewaltigung um ein «abgekartetes Spiel» («set-up») gehandelt habe. Sein Anwalt in Schweden habe diese abgefangenen SMS sehen können. Die Ermittlungsbehörden weigerten sich jedoch, die Textnachrichten zu veröffentlichen. «Ich habe auf keinen Fall mit den Frauen Sex gegen deren Willen gehabt», sagte Assange.

Wikileaks hatte in den vergangenen Wochen tausende geheime und zum Teil brisante Dokumente aus US-Botschaften veröffentlicht, die die Vereinigten Staaten in Erklärungsnot gebracht hatten. Eine Sprecherin des US-Justizministeriums wollte lediglich bestätigen, dass es «laufende Ermittlungen im Fall Wikileaks» gebe. Laut Medienberichten wird dabei geprüft, ob Assange nach einem Anti- Spionagegesetz aus dem Ersten Weltkrieg oder wegen Verschwörung angeklagt werden kann.

Der Gründer von Wikileaks forderte die Menschen in den USA zur Unterstützung der Enthüllungsplattform auf. Auch bat er um Hilfe in eigener Sache. Er habe zwar bereits ein Anwalts-Team in den USA und unter anderem «Kollegen in Kalifornien». «Wir brauchen mehr», sagt er jedoch. Statt nur Reaktionen müsse es auch Eigeninitiativen gegen die Institutionen geben, die Wikileaks und ihn persönlich in den USA unter Beschuss genommen hätten.

Assange sprach bei einer improvisierten Pressekonferenz vor dem Landhaus seines Freunde in Südostengland, in dem er sich in den kommenden Wochen aufhalten muss. Der Internetaktivist war am Donnerstag nach neun Tagen auf Kaution aus der Haft in London entlassen worden. Bis zum nächsten Gerichtstermin, bei dem vermutlich über seine Auslieferung an Schweden entschieden wird, muss er in dem Landhaus wohnen, eine elektronische Fußfessel tragen und sich regelmäßig bei der Polizei melden.

Die Arbeit von Wikileaks gehe trotz der Aktionen gegen ihn weiter, erklärte Assange. Die Leute würden oft denken, Wikileaks sei nur er und sein Rucksack. «Aber wir sind eine große Organisation.» Zwar sei das Team der festen Mitarbeiter relativ klein. An der «Cablegate» genannten Aktion zur Veröffentlichung der US-Dokumente seien etwa nur rund 20 feste Mitarbeiter beteiligt gewesen. Doch insgesamt gebe es zahlreiche Helfer. Er selber werde sowohl an Wikileaks weiterarbeiten als auch daran, seine Unschuld zu beweisen.

Assange zeige sich besorgt um den Gesundheitszustand des US- Soldaten Bradley Manning, der die «Cablegate»-Dokumente zur Verfügung gestellt haben soll. Er sitze seit Wochen unter schlimmsten Bedingungen in Haft. Ein Freund habe ihm berichtet, Manning habe mittlerweile schwere psychische Probleme. Assange bestritt, Manning zur Weiterleitung der Dokumente aufgefordert zu haben. Wikileaks sei eigentlich so angelegt, dass die Mitarbeiter selbst die Quellen nicht kennen würden. «Das ist der beste Weg, Informanten zu schützen.» Er habe den Namen Manning erst aus der Presse erfahren.

Konflikte / Internet / Wikileaks / Großbritannien
17.12.2010 · 16:11 Uhr
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