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Wieder Wirbel um Strauss-Kahn

Dominique Strauss-Kahn spricht nach den Sexattacken-Vorwürfen gegen ihn erstmals im französischen Fernsehen. Er räumt zwar moralische Fehler ein, sieht sich selbst aber insgesamt als Opfer.Großansicht

Paris (dpa) - Von Lügnerinnen umringt, vielleicht sogar durch eine Verschwörung zu Fall gebracht: Der frühere Weltwährungsfonds-Chef Dominique Strauss-Kahn sieht sich in der Affäre um angebliche Vergewaltigungsversuche vor allem als Opfer.

Sein knapp zehnminütiges sexuelles Abenteuer mit dem New Yorker Zimmermädchen Nafissatou Diallo sei zwar ein «moralischer Fehler», aber keine Straftat gewesen, erklärte der 62-Jährige in seinem ersten Interview seit Bekanntwerden der Vorwürfe. Auch die Sexattacken-Anschuldigungen der jungen französischen Schriftstellerin Tristane Banon seien erlogen.

«Ich hatte das Gefühl, dass ich niedergetreten wurde, bevor ich auch nur ein Wort sagen konnte», kommentierte Strauss-Kahn seine Festnahme im Mai in New York. Er halte es für möglich, dass man ihm eine Falle habe stellen wollen.

In Frankreich bestimmte das Interview am Montag sämtliche Nachrichtensendungen und Titelblätter. Mehr als 13,4 Millionen Menschen hatten am Vorabend seinen Auftritt beim Privatsender TF1 verfolgt - die Einschaltquote der Sendung lag mit 47 Prozent so hoch wie schon seit Jahren nicht mehr.

In Umfragen galt Strauss-Kahn bis zur Vergewaltigungsklage in New York als aussichtsreichster möglicher Kandidat der französischen Sozialisten bei der Präsidentenwahl im kommenden Frühjahr. Im Interview gab er jetzt erstmals öffentlich Pläne zu, gegen den amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy anzutreten. In der Zeit als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) hatte er sich nicht zu seinen Absichten bekennen dürfen.

Die Reaktionen auf den Auftritt fielen überwiegend negativ aus. Während Sozialisten-Sprecher Benoît Hamon das Interview noch als «nützlich und unverzichtbar» bezeichnete, kam von anderen Seiten scharfe Kritik. Der Generalsekretär der Regierungspartei UMP, Jean-François Copé, nannte die Sendung mit Strauss-Kahn «lächerlich und traurig». Der ehemalige Verteidigungsminister Hervé Morin sprach von einer Inszenierung.

Frauenrechtlerinnen empörten sich, ein mutmaßliches Opfer würde niemals eine solche Tribüne bekommen und merkten an, dass die Interviewerin Claire Chazal eine enge Freundin von Strauss-Kahns Frau Anne Sinclair sei. Dies sei überdeutlich geworden, kritisierte die Anwältin und Feministin Gisèle Halimi in einem Radiointerview.

Selbst Parteifreunde des 62-jährigen Sozialisten zeigten sich nicht begeistert. Strauss-Kahn sei nicht überzeugend gewesen, sagte Arnaud Montebourg. Er denke, dass der frühere französische Wirtschafts- und Finanzminister nun erst einmal schweigen solle, um die Wahlkampfvorbereitungen seiner Genossen nicht zu belasten.

Unter Parteifreunden sorgten vor allem Strauss-Kahns Äußerungen über eine angeblichen Pakt über die sozialistische Präsidentschaftskandidatur für helle Aufregung. Nach Auffassung vieler Zuschauer ließ Strauss-Kahn damit Parteichefin Martine Aubry als «zweite Wahl» erscheinen. Sie hatte sich erst nach der New Yorker Affäre zu ihren Ambitionen auf die Präsidentschaftskandidatur bekannt. Nach dem Aus für Strauss-Kahn ist derzeit unsicher, wer für die größte Oppositionspartei in den Wahlkampf zieht. Im Oktober richtet die Partei nach US-amerikanischem Vorbild Vorwahlen aus.

Vor allem Anhänger des früheren langjährigen PS-Parteichefs François Hollande rieben sich nach Strauss-Kahns Angaben über einen Pakt mit Aubry die Hände. Sie unterstellten Aubry, nur aus der Not heraus Kandidatin werden zu wollen. Hollande will selbst gegen Sarkozy antreten.

Zu der Affäre um Strauss-Kahn war es am 14. Mai während eines Aufenthalts in New York gekommen. Das Zimmermädchen Diallo hatte den Franzosen wegen versuchter Vergewaltigung angezeigt und ihm vorgeworfen, sie zu Oralsex gezwungen zu haben. Strauss-Kahn wurde festgenommen und musste drei Nächte im Gefängnis verbringen. Während der Untersuchungshaft trat er als IWF-Chef zurück.

Weil es Zweifel an der Glaubwürdigkeit der jungen Frau gab, wurde das Strafverfahren gegen Strauss-Kahn im August eingestellt, und er konnte in sein Heimatland Frankreich zurückkehren. Noch offen ist aber der Ausgang von strafrechtlichen Vorermittlungen im Pariser Fall Banon. Die heute 32-jährige Autorin wirft Strauss-Kahn vor, 2003 in einer Pariser Wohnung über sie hergefallen zu sein. Banons Mutter Anne Mansouret kommentierte das Interview mit den Worten: «Er hat nichts erklärt und eine dramaturgische Lehrstunde abgehalten.»

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Affären / Frankreich
19.09.2011 · 15:51 Uhr
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