News
 

Wieder mehr Arbeiterkinder an Hochschulen

HörsaalGroßansicht
Berlin (dpa) - Erstmals seit Jahrzehnten gibt es an deutschen Hochschulen wieder mehr Arbeiterkinder. Ihr Anteil unter den Studierenden stieg in den vergangenen drei Jahren leicht von 13 auf 15 Prozent. Dies zeigt die in Berlin vorgestellte 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW).

Die Studie zeigt zugleich: Für die von den Studenten in sechs unionsgeführten Ländern verlangten Studiengebühren kommen vor allem Eltern (59 Prozent) auf. Fast jeder dritte Student gab bei der repräsentativen Befragung mit 16 370 Teilnehmern an, nur für die Gebühren zu jobben. Nur jeder zehnte nimmt ein Landesdarlehen in Anspruch.

Der Anteil der Arbeiterkinder im Studium war seit 1982 von einstmals 23 Prozent über die Jahre hinweg kontinuierlich gesunken. Trotz des leichten Wiederanstiegs kommt aber weiterhin mehr als jeder zweite Student (59 Prozent) aus gehobenen oder besonders begüterten Schichten. Bildungsstaatssekretär Thomas Rachel (CDU) sagte, die Zahlen belegten, dass Aufstieg durch Bildung in Deutschland möglich sei. Gleichwohl müsse noch weiter daran gearbeitet werden, dass «Chancengerechtigkeit» erreicht werde.

Ein für die Studie vom Hochschulinformationssystems (HIS) entwickelter «Bildungstrichter» verdeutlicht die nach wie vor ausgeprägte hohe Abhängigkeit von familiärer Herkunft und Bildungserfolg: Während von 100 Akademikerkindern 71 den Sprung in ein Studium schaffen, sind es von 100-Nicht-Akademikerkindern nur 24. Vor drei Jahren betrug dieses Verhältnis noch 83 Akademikerkinder zu 23 Nicht-Akademikerkindern.

Auffällig sei allerdings ein in den vergangenen drei Jahren deutlich gewachsener Studienverzicht von Abiturienten aus gehobenen Angestelltenfamilien, wo die Eltern selbst über einen akademischen Abschluss verfügen, sagte HIS-Forscher Michael Leszczensky. Bislang gibt es aber nur Spekulationen darüber, ob diese Kinder zunächst eine berufliche Bildung absolvieren oder ins Ausland gehen.

Die Forscher sehen nach Einführung der Studiengebühren keine Massenflucht der Abiturienten in gebührenfreie Länder. Gleichwohl blieben junge Leute, die ihr Abitur in einem gebührenfreien Land erworben haben, heute eher noch als 2006 ihrem Heimatland treu und wechseln nicht in ein Land mit Gebühren. Leszczensky sprach von einer «Gebührenvermeidungsstrategie».

DSW-Präsident Rolf Dobischat warnte vor voreiligen Schlüssen. Die Langzeit-Folgen von Studiengebühren würden erst durch weitere Studien deutlich. Für die Mehrheit der Studenten zahlten die Eltern. Für andere stellten Gebühren eine «reale Belastung» dar. Diese Studenten jobbten mehr als andere und wichen auf preisgünstigeren Wohnraum wie Elternhaus oder Wohnheim aus.

Insgesamt arbeiten heute 66 Prozent aller Studenten neben ihrem Studium. Das sind drei Prozent mehr als noch 2006. Im Schnitt jobben sie neben Vorlesungen und Seminaren rund 13,5 Stunden die Woche - was für nicht wenige zu einer Gesamtbelastung von insgesamt über 50 Stunden in der Woche führt. Vor allem Studenten in den neuen Bachelor-Studiengängen klagen über zu viel Stress durch die Doppelbelastung von Studium und Arbeit.

Das durchschnittliche Monatsbudget eines Studenten beträgt 812 Euro im Monat - 5 Prozent mehr als 2006. Dabei gibt es erhebliche Schwankungen. Einem Fünftel steht weniger als 600 Euro monatlich zur Verfügung. 17 Prozent haben mehr als 1000 Euro. Gemessen am Bafög- Höchstsatz von 648 Euro (ab Oktober 670 Euro) müssen ein Viertel mit niedrigen Beträgen auskommen.

Die Erhebung zeigt auch: In München geben die Studenten im Schnitt mit 348 Euro pro Monat am meisten für Miete aus. Nicht wesentlich geringer sind die Ausgaben in Hamburg, Köln, Düsseldorf und Frankfurt/Main. Am günstigsten studiert es sich in Chemnitz mit 210 Euro Miete im Schnitt. Aber auch in Dresden kann man noch für 223 Euro eine Bleibe finden.

www.sozialerhebung.de

Bildung / Hochschulen
23.04.2010 · 15:14 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen