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Wie ist Deutschland auf Ölkatastrophen vorbereitet?

Havarierter Frachter PallasGroßansicht
Hamburg (dpa) - Aus der Havarie des Holzfrachters «Pallas» haben Bund und Länder Konsequenzen gezogen und neue Strukturen für den ökologischen Ernstfall geschaffen. Nachdem die Bergung der brennenden «Pallas» im Herbst 1998 gescheitert war, strandete das Schiff vor der Nordseeinsel Amrum.

100 Tonnen Öl trat aus, 16 000 Seevögel verendeten kläglich. Trotz Pannen und Kompetenz-Wirrwarr blieb die große Katastrophe wegen der vergleichsweise geringen Ölmenge damals aus. Bei einem Tankerunglück in deutschen Küstengewässern könnten jedoch hunderttausende Tonnen Öl austreten.

Wer ist für die Bekämpfung einer Ölpest zuständig?

Seit Anfang 2003 ist das Havariekommando in Cuxhaven für ein koordiniertes Unfallmanagement auf Nord- und Ostsee zuständig. Die gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Küstenländer ist rund um die Uhr besetzt. Bei großen Unfällen («komplexen Schadenslagen») wird ein Havariestab einberufen, dessen Leiter die Einsatzkräfte von Bund und Ländern koordiniert. Bei kleineren Unfällen sind nur die lokalen Behörden zuständig, falls das Havariekommando nicht übernimmt. Die Maßnahmen im Bereich der rund 3600 Kilometer langen deutschen Küsten sind in der Verwaltungsvereinbarung über die Bekämpfung von Meeresverschmutzungen geregelt.

Gibt es Vorsorgemaßnahmen?

Ja. Außer nationalen Regelungen verpflichten auch internationale Abkommen zu Vorsorge- und Abwehrmaßnahmen. Das «Sicherheitskonzept Deutsche Küste» des Bundes umfasst etwa Radar- und Luftüberwachung, Lotseneinsatz sowie Notschlepper für manövrierunfähige Schiffe. Für den Fall einer Ölpest stehen Spezialschiffe wie die «Mellum», die «Neuwerk», die «Scharhörn» und die «Arkona» bereit. Kleinere Schiffe können ihren Bug aufklappen und so Ölteppiche einfangen. Bereits drohende Gewässerverschmutzungen sind in Deutschland meldepflichtig. Das Havariekommando probt immer wieder den Ernstfall. Das MARPOL- Abkommen schützt die Meeresumwelt in Sondergebieten wie Ost- und Nordsee besonders streng.

Welche Methoden der Ölbekämpfung würden genutzt?

Im Kampf gegen das Öl würden vor allem mechanische Methoden angewendet. Spezialschiffe würden versuchen, die «schwarze Pest» aufzusaugen. Eine Übersicht der Einsatzmittel findet sich im Bekämpfungshandbuch der deutschen Küstenländer, das auch online abrufbar ist (dpaq.de/JOIgX). Chemische Mittel zur Zersetzung des Ölteppichs - sogenannte Dispergatoren - sind in Nord- und Ostsee nach Wasserhaushaltsgesetz und internationalen Abkommen bislang nicht zulässig. Auch das Abfackeln von Ölteppichen ist in deutschen Gewässern verboten.

Ist Deutschland damit ausreichend vorbereitet?

Deutschland ist mit seinen Spezialschiffen auf Katastrophen wie im Golf von Mexiko nach Ansicht von Ölbekämpfungsspezialist Dieter Schmidt vom Havariekommando gut vorbereitet. «Es gibt zudem eine fest geregelte internationale Zusammenarbeit bei Ölunfällen an Nord- und Ostsee», sagt Schmidt. In der deutschen Nordsee stehen bis auf die befestigte Förderstation Mittelplate in der Elbmündung keine Bohrinseln. «Es ist aber eigentlich egal, ob ein Ölteppich aus einem Tanker oder aus einem Bohrloch kommt», sagt Schmidt. Für die Meeresumwelt sei bei einem Unfall jedes Öl zu viel.

Was fordern Umweltschützer?

Umweltschützer wie Hans-Ulrich Rösner vom Wattenmeerbüro des World Wide Fund For Nature (WWF) in Husum wünschen sich insbesondere noch mehr Schlepper für den Notfall. «Die südliche Nordsee ist eines der weltweit am stärksten befahrenen Meeresgebiete. Teile des Wattenmeeres würden sich bei einer Ölkatastrophe in eine leblose schwarze Wüste verwandeln. Durch die Windanlagen vor der Küste wird das Risiko einer Kollision noch steigen, so dass auch deshalb zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen notwendig sind», warnt Rösner. Greenpeace-Experte Christian Bussau fordert eine Lotsenpflicht in der Kadetrinne vor Rostock und eine lückenlose Radarüberwachung.

Havariekommando

Sicherheitskonzept Deutsche Küste

Bekämpfungshandbuch für die deutschen Küstenländer

Unfälle / USA
30.04.2010 · 23:11 Uhr
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